54
Piero Dorazio
Prima che il lago geli, 1958.
Öl auf Leinwand
Schätzpreis: € 120.000 - 150.000
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Piero Dorazio
Prima che il lago geli, 1958.
Öl auf Leinwand
Schätzpreis: € 120.000 - 150.000
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Piero Dorazio
1927 - 2005

Prima che il lago geli. 1958.
Öl auf Leinwand.
Rechts unten signiert und datiert. Verso auf der Leinwand signiert, datiert, betitelt und bezeichnet "2". 99,5 x 79,8 cm (39,1 x 31,4 in).


• Entscheidender Wendepunkt: Ende der 1950er Jahre findet Dorazio über anfänglich noch sehr sinnliche Überlagerungen aus einer Vielzahl sich kreuzender Linien zu seinen später strengeren, komplex-vibrierenden Farbstrukturen.
• Farbe, Licht und rhythmische Strukturen sind die Protagonisten seiner Malerei.
• Bereits 1961 erstmals ausgestellt (Kunsthalle Düsseldorf).
• Seit etwa 30 Jahren Teil einer süddeutschen Privatsammlung
.

Die vorliegende Arbeit ist im Archivio Piero Dorazio, Mailand, registriert. Wir danken für die freundliche wissenschaftliche Beratung.

PROVENIENZ: Galerie Springer, Berlin (verso mit dem Galerieetikett, dort mit dem deutschen Titel "Bevor die Seen gefroren sind").
Privatsammlung Baden-Württemberg (2000 vom Vorgenannten erworben).

AUSSTELLUNG: Piero Dorazio, Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen, Kunsthalle Düsseldorf, 18.10.-26.11.1961, Kat.-Nr. 38 (mit ganzs. Farbabb., mit dem abweichenden Titel "Ton désordre").
Piero Dorazio, Haus am Waldsee, Berlin, 14.2.-30.3.1969, Kat.-Nr. 1.
Der Maler Antonio Calderara. Freunde, Einflüsse, Anregungen, Kunsthalle Kiel, 19.9.-24.10.1982, S. 64 (auf dem Keilrahmen mit dem Ausstellungsetikett).
Energie - Hoffnung - Freude. Piero Dorazio, Kunstmuseum Altes Rathaus, Bayreuth, 13.7.-12.10.2003.

LITERATUR: Marisa Volpi Orlandini, Jacques Lassaigne u. Giorgio Crisafi, Dorazio, Mailand 1977, WVZ-Nr. 244 (mit dem franz. Titel "Avant que les lacs soyent glaces", fälschl. dat. "1957" und die SW-Abb. mit der WVZ-Nr. 281 vertauscht).

Aufrufzeit: ca. 18.46 h +/- 20 Min.

Bereits seit den frühen 1950er Jahren widmet sich Piero Dorazio der reinen Abstraktion. Gefolgt von einem sehr prägenden Aufenthalt in Paris und einigen einflussreichen Reisen folgt der Künstler 1953 einer Einladung zu einem Seminar der Harvard University. Erstmals reist er in die Vereinigten Staaten, verbringt dort mehrere Monate, beschäftigt sich mit den Protagonisten der amerikanischen Nachkriegskunst, insbesondere des Abstrakten Expressionismus und profitiert von der vielfältigen, lebendigen Kunstszene. Erst im Sommer 1954 kehrt er nach Rom zurück. Der Aufenthalt in den USA erweist sich als wegweisend für seine darauffolgende künstlerische Entwicklung. Seine vielfältigen gesammelten Erfahrungen, seine Kenntnisse und Fähigkeiten verweben sich nun zu ganz eigenen künstlerischen Schöpfungen und spielen eine zentrale Rolle bei der Formierung seiner abstrakten Bildsprache.

Neben der Farbe spielt die Linie bereits seit den 1940er Jahren eine bedeutende Rolle in der Malerei Piero Dorazios, doch in den späten 1950er Jahren wird sie zum zentralen Ausdrucksmittel für seine rhythmisch organisierten Bilder. Nun vollzieht sich in seinem Schaffen ein entscheidender Wandel: Dorazio verlässt die farbstarke Expressivität seiner früheren Gemälde und entwickelt eine auf gestischen Liniengeflechten und rhythmischer Struktur basierende Abstraktion.

Ab 1957 lassen seine Kompositionen eine neue strukturelle und formale Klarheit erkennen: Linie und Geste rücken ins Zentrum des künstlerischen Schaffens. In diesem Jahr sind einige dieser lyrisch-malerischen Arbeiten u. a. in einer Einzelausstellung in der legendären Galerie "La Tartaruga" in Rom zu sehen. 1958, im Entstehungsjahr der hier angebotenen Arbeit, verdichtet sich der fließende, dynamische Farbauftrag zu einem lockeren, etwas feineren, gitterartigen Gefüge, das bereits den Stilwandel andeutet, die Dorazios Werk in den darauffolgenden Jahren einschlagen wird. "Prima che il lago geli [Bevor der See zufriert]" entsteht an diesem entscheidenden Wendepunkt im Œuvre Piero Dorazios und markiert den Übergang von seiner zunächst noch sehr sinnlichen, gestischen Malerei zu seinen späteren strengen, komplex-vibrierenden Farbstrukturen. Die Grundidee der bald einsetzenden Weiterentwicklung ist hier bereits zu beobachten: Aus einer Vielzahl sich kreuzender Linien webt Dorazio ein vibrierendes Farb- und Liniengefüge, mit dem er die Darstellungsmöglichkeiten von Licht und Schatten und ihre räumlichen Qualitäten erkundet. "Schon damals bemerkte ich, dass das Spiel von Licht und Schatten nicht durch einander entgegengesetzte helle und dunkle Massen zustande kommt, sondern vielmehr durch ein verwirrendes System von bewegten Punkten, Fäden, die sich von Sekunde zu Sekunde rhythmisch einander annähern und wieder zurückweichen, anstatt, unserer Vorstellung gemäß, klaren Abgrenzungen zu gehorchen." (Piero Dorazio, zit. nach: Piero Dorazio, L'ombra ladra – der diebische Schatten, 1990, in: Kritisches Lexikon der Gegenwartskunst, München 1995, S. 15)

Bis heute gilt Piero Dorazio als einer der führenden Vertreter und Pioniere der Abstraktion in Italien. Seine Gemälde sind Teil bedeutender musealer Sammlungen, darunter die Tate Gallery in London, das Art Institute of Chicago, das Museum of Modern Art, New York, und die National Gallery of Art in Washington, D.C. [CH]




Aufgeld, Steuern und Folgerechtsvergütung zu Piero Dorazio "Prima che il lago geli"
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