Auktion: 545 / Evening Sale am 08.12.2023 in München Lot 4


4
Günther Uecker
Weißes Feld, 1994.
Nägel und weiße Farbe, auf Leinwand, auf Holz
Schätzung:
€ 300.000
Ergebnis:
€ 609.600

(inklusive Aufgeld)
Weißes Feld. 1994.
Nägel und weiße Farbe, auf Leinwand, auf Holz.
Verso signiert, datiert, betitelt, gewidmet und mit Richtungspfeil. 105 x 75 x 15 cm (41,3 x 29,5 x 5,9 in).

• Von beeindruckend schönem Format.
• Aus Ueckers berühmter zentraler Werkgruppe der "Nagelfelder".
• Hochdynamische Nagelung über gestischer Malerei mit abschließender Akzentuierung der Nagelköpfe.
• Energetische Auflösung der Bildgrenzen durch die ausgreifende Nagelung.
• Seit Entstehung Teil derselben Privatsammlung
.

Dieses Werk ist im Uecker Archiv unter der Nummer GU.94.039 registriert und wird vorgemerkt für die Aufnahme in das entstehende Uecker-Werkverzeichnis.

PROVENIENZ: Privatsammlung Süddeutschland (seit 1994, direkt vom Künstler).

Günther Uecker hat seine ihm eigene Bildsprache gefunden und schafft es auf beeindruckende Weise, aus Farbe und Nägeln immer wieder neue faszinierende Kompositionen zu schaffen. "Weißes Feld" ist ein außergewöhnlich gelungenes Werk, das von Günther Ueckers innovativsten künstlerischen Beiträgen zeugt und sich durch die bestechende optische Wirkung der charakteristischen Nageltechnik des Künstlers auszeichnet. Durch die für ihn charakteristische Verwendung von Nägeln auf der Leinwand, einem gleichzeitig radikalen und verblüffend einfachen Eingriff in die Bildfläche, verkörpert das vorliegende Werk ein breites Spektrum von künstlerischen Idiomen der Nachkriegszeit und ist ein fesselnder und origineller Ausdruck der formalen und intellektuellen Auseinandersetzung des Künstlers. Während sich die frühen Arbeiten aus den 1960er Jahren durch ihr überwiegend weißes Erscheinungsbild auszeichnen, weisen die späteren Werke des Künstlers eine größere Vielfalt an kompositorischen Mitteln auf und haben oft eine besonders starke Präsenz. Das Industrieprodukt Nagel belegt er mit einer intensiven Durchgeistigung. Die Schläge seines Hammers sollen die Grenzen im menschlichen Denken einreißen. Die Tiefe der Nägel und das fesselnde optische Muster von "Weißes Feld" machen dieses Werk zu einem hervorragenden Beispiel für Ueckers selbstbewussten, reifen Stil und fangen gleichzeitig den Geist der radikalen und einflussreichen "ZERO"-Generation ein. Uecker baut seine Kompositionen einem Ritual folgend auf. Die Leinwand wird straff auf Holz gespannt, auf die die Farbe oft mit den Fingern in gestischen Schwüngen aufgebracht wird. Dieser Bewegung folgend, schlägt Uecker in schwerer körperlicher Arbeit die Nägel in das Holz. Der Rhythmus der Malerei unterstreicht dabei die Bewegung der Nägel. Ueckers oft beschriebener rauschhafter, ganz impulsgesteuerter Schaffensprozess generiert dabei eine instinkthafte Ordnung der Eisenstifte. Der nachfolgend eingeschlagene Nagel antwortet der Position des vorangegangenen. Eine mystische kreative Kraft scheint die Nägel in ihre strudelnde Ordnung gebracht zu haben und ihre Neigung zu lenken. Dabei sprengen sie die Grenzen der Bildfläche, die schräg eingeschlagenen Nagelköpfe stehen über die Bildkanten hinaus und nehmen so den Raum sowohl zu den Seiten als auch nach vorne ein. Die in kraftvollen, kleinen Wirbeln aufwärtsdrängende Struktur macht den Nagel zu einem abstrakten Gliederungselement, das die Bildfläche mit Licht und Schatten, Bewegung und Rhythmik lebendig werden lässt. Der Betrachter ist selbst Teil dieses Bildes: Mit seiner Bewegung im Raum verändert sich "Weißes Feld", scheinen die Nägel ein Eigenleben zu entfalten. Dieser Widerstreit zwischen Ordnung und urtümlicher, geheimnisvoller Lebendigkeit ist es auch, den der Künstler selbst in seinen Nagelbildern sucht: "Wie ich Nägel als Strukturelemente benutze, möchte ich sie nicht als Nägel verstanden wissen. Mir geht es darum, mit diesen Mitteln in ihrem geordneten Verhältnis zueinander, eine Schwingung zu erreichen, die ihre geometrische Ordnung stört und sie zu irritieren vermag." (zit. nach: Mack Piene Uecker, Kestner-Gesellschaft Hannover, Katalog 7, Ausstellungsjahr 1964/65, S. 166). Günther Uecker schafft ein Werk von hochgradig puristischer Ästhetik, das den Betrachterblick bannt und zu kontemplativer Versenkung anregt – ein Meditationsbild von bemerkenswerter energetischer Dichte. [SM]



4
Günther Uecker
Weißes Feld, 1994.
Nägel und weiße Farbe, auf Leinwand, auf Holz
Schätzung:
€ 300.000
Ergebnis:
€ 609.600

(inklusive Aufgeld)