Auktion: 540 / Evening Sale am 09.06.2023 in München Lot 7


7
Otto Piene
Ohne Titel, 1967.
Mischtechnik mit Öl und Feuer auf Leinwand
Schätzung:
€ 120.000
Ergebnis:
€ 177.800

(inklusive Aufgeld)
Ohne Titel. 1967.
Mischtechnik mit Öl und Feuer auf Leinwand.
Verso auf der Leinwand signiert und datiert. 68 x 96 cm (26,7 x 37,7 in).

• Herausragend klar formuliertes Feuerbild in kraftvoll glühender Farbigkeit.
• Typische Arbeit aus der frühen Schaffenszeit des Künstlers, in der Piene unter Einsatz des Feuers kreisförmige Gebilde auf monochromem Grund entwickelt.
• In kaum einem anderen Œuvre bestimmt das Feuer über Jahrzehnte hin das künstlerische Schaffen derart wie bei Otto Piene – es gewinnt gleichsam einen ikonografischen Status.
• Im Entstehungsjahr unseres Gemäldes findet die erste Retrospektive mit Werken des großen "ZERO"-Künstlers im Museum Ostwall in Dortmund statt
.

PROVENIENZ: Privatsammlung Nordrhein-Westfalen.
Privatsammlung Bremen.

Ab 1959 entstehen die ersten Kunstwerke, in denen Otto Piene das Feuer im weiteren Sinne als Gestaltungselement in seiner Kunst zum Einsatz bringt: Er erfindet die sogenannten Rauchzeichnungen, in denen er mithilfe von Kerzen oder Petroleumlampen Ruß auf den Bildträger treffen lässt. Von dieser Zeit an etabliert sich das Feuer, und allgemein die Beschäftigung mit Licht und den Elementen, als zentrales Leitmotiv seiner Kunst, die bis heute in dieser Hinsicht wegweisend ist. Dabei ist die Hand des Künstlers nahezu gänzlich vom Herstellungsprozess ausgenommen und kommt kaum mehr mit dem Bildträger in Kontakt. Allein der Abstand und Neigungswinkel der Leinwand zur Feuerquelle sowie der Zeitpunkt des Löschens als Beendigung des Brennprozesses werden aktiv vom Künstler bestimmt. Auf diese Weise entwickeln sich Blasen und Krusten als unmittelbare Einwirkung des Feuers, die in der Anfangszeit als kreisrunde Gebilde vor monochromem Grund in Erscheinung treten. Der so vermittelte assoziative Gehalt wird besonders durch die Ähnlichkeit der entstehenden Formen zu kosmischen Phänomenen und Himmelskörpern unterstützt und verleiht den eigenwilligen, in der Kunstgeschichte so einmaligen Schöpfungen des "ZERO"-Künstlers eine weitere interpretatorische Ebene. Die Bewegung im Raum tritt dadurch als weitere grundlegende Ebene der Kunst Pienes in Erscheinung, die zwischen Mensch, Natur und Technik zu vermitteln sucht.

Das Feuer als zerstörerisches und gleichzeitig schöpferisches Element kommt in der vorliegenden Arbeit "Ohne Titel" (1967) im exponierten Bildzentrum zum Einsatz. Das tiefe Schwarz und das leuchtende Rotorange versinnbildlichen das Feuer und den Herstellungsprozess an sich. Als würde man in das Zentrum einer lodernden Flamme blicken, scheint das Rot die Hitze des Feuers förmlich spürbar zu machen. Die besondere Ästhetik der durch das Feuer geformten Oberfläche führt bei diesem Phänomen den vermeintlichen Widerspruch vor Augen, dass Zerstörung und Schönheit oftmals in engem Zusammenhang stehen. Erst die vermeintliche Zerstörung der Leinwand macht die künstlerische Neuschöpfung möglich.

Auf herausragende Weise inszeniert Piene in dieser frühen Arbeit einen wild-lodernden, kraftvollen Naturzustand, den er durch die ausgewogene Komposition in einem kosmischen Ordnungsgefüge verortet. Die Vermittlung von Mensch, Natur und Technik erreicht in diesem Feuerbild einen glühend-leuchtenden Höhepunkt. [AM]



7
Otto Piene
Ohne Titel, 1967.
Mischtechnik mit Öl und Feuer auf Leinwand
Schätzung:
€ 120.000
Ergebnis:
€ 177.800

(inklusive Aufgeld)