Auktion: 539 / Modern Art Day Sale am 10.06.2023 in München Lot 400


400
Alexander Kanoldt
Straßenbild I, 1913.
Öl auf Hartfaserplatte
Schätzung:
€ 35.000
Ergebnis:
€ 40.640

(inklusive Aufgeld)
Straßenbild I. 1913.
Öl auf Hartfaserplatte.
Koch 13.2. 73 x 51,3 cm (28,7 x 20,1 in).
Aus dem Jahr 1913 existiert ein zweites, sehr ähnliches Straßenbild (Koch 13.3). Ob das hier vorliegende Gemälde oder die zweite Straßenansicht im Jahr 1914 in der Ausstellung bei Fritz Gurlitt gezeigt wurde, ist bislang nicht eindeutig belegt. [AR].
• Münchner Stadtansicht im für die Zeit so charakteristischen, reduzierten Farb- und Formengestus Kanoldts.
• In den 1910er Jahren zu Lebzeiten des Künstlers mehrfach ausgestellt, bevor die Arbeit in einen Privatbesitz überging, wo sie bis heute verblieb.
• Stadt- und Architekturansichten zählen zu Alexander Kanoldts zentralen Motiven.
• Neben Stillleben gehören sie zu den gefragtesten Arbeiten des Künstlers auf dem internationalen Auktionsmarkt (Quelle: artprice.com)
.

Wir danken Herrn Dr. Michael Koch für die freundliche Auskunft.

PROVENIENZ: Privatsammlung Norddeutschland (wohl in den 1920ern erworben).
Seither in Familienbesitz.

AUSSTELLUNG: Kollektionen Schmidt-Rottluff, Alexander Kanoldt, F. A. Weinzheimer, L. L. Wulff, Kunst-Salon Fritz Gurlitt, Berlin, 16.4.-10.5.1914, wohl Kat.-Nr. 18.
Herbstausstellung, Vereinigung für Neue Kunst, Frankfurt a. Main, 1917, wohl Kat.-Nr. 41.
XII. Sonderausstellung: Neue Münchener Kunst, Kestner Gesellschaft, Hannover, 1.12.1917-4.1.1918, Kat.-Nr. 53.
IV. Ausstellung, Neue Secession, München, Sommer 1918, Kat.-Nr. 57.

Um 1910 entstehen in der Umgebung des Nikolaiplatzes in Schwabing Alexander Kanoldts erste Münchner Stadtansichten, darunter auch unsere Arbeit aus dem Jahr 1913. Sie zeigt einen Straßenabschnitt von einem erhöhten Blickpunkt aus mit einem Kiosk, kleinen spazierenden Figuren und dunkelgrünen Bäumen. Um welche Straße es sich genau handelt, oder ob der Künstler die Straßenszene vielmehr aus einzelnen Elementen frei zusammenfügt, ist nicht bekannt. Allerdings, so beschreibt es Michael Koch, ging es dem Künstler bei seinen Straßenbildern dieser Zeit auch nicht "um ein authentisches Abbild der örtlichen Situation, sondern um die Wiedergabe eines allein vom künstlerischen Ausdrucksbedürfnis geleiteten Vorstellungsbildes" (zit. nach: Michael Koch, Alexander Kanoldt. Werkverzeichnis der Gemälde, München 2018, S. 22). Alles Akademische hinter sich lassend, beschreitet Kanoldt in dieser Zeit seinen eigenen Weg und setzt immer mehr auf die Reduzierung von Flächen und Formen, unter Wahrung einer zurückgenommenen Farbigkeit. Seine künstlerische Laufbahn in München wird wenig später durch den Kriegsausbruch jäh unterbrochen. In den Jahren 1914–1918 leistet er als Offizier Kriegsdienst. Während eines längeren Italien-Aufenthaltes entstehen 1924 schließlich seine ersten multiperspektivischen Architekturlandschaften und kühlen Raumdarstellungen. Mit ihnen beginnt ein neuer Abschnitt im Schaffen des Künstler, der sich in den Folgejahren zu einem der wichtigsten Künstler der Neuen Sachlichkeit weiterentwickeln wird. [AR]



400
Alexander Kanoldt
Straßenbild I, 1913.
Öl auf Hartfaserplatte
Schätzung:
€ 35.000
Ergebnis:
€ 40.640

(inklusive Aufgeld)