Auktion: 534 / Contemporary Art Day Sale am 09.12.2022 in München Lot 160


160
Markus Lüpertz
Komposition (Böse), 1980.
Öl auf Holz, mit einem runden Einsatz aus Leinwand
Schätzung:
€ 50.000
Ergebnis:
€ 125.000

(inklusive Aufgeld)
Komposition (Böse). 1980.
Öl auf Holz, mit einem runden Einsatz aus Leinwand.
Links unten mit dem ligierten Monogramm. Verso auf dem Holz signiert, betitelt und mit einem Richtungspfeil bezeichnet. 165 x 190 cm (64,9 x 74,8 in).
[AR].
• Gekonntes Spiel zwischen Objekt und Form, zwischen Gegenstand und Abstraktion.
• Markus Lüpertz zählt zu den zentralen Künstlerfiguren der deutschen Nachkriegszeit.
• Im Entstehungsjahr lehnt er die Teilnahme an der Biennale in Venedig ab, beteiligt sich jedoch zwei Jahre später an der documenta 7 in Kassel
.

Die Authentizität der vorliegenden Arbeit wurde vom Atelier Markus Lüpertz mündlich bestätigt. Wir danken für die freundliche Auskunft.

AUSSTELLUNG: Markus Lüpertz, Musée d'Art Moderne de Strasbourg, 1983 (m. Abb. S. 47).
Markus Lüpertz, Mary Boone Gallery/Michael Werner Gallery, 1984 (verso mit den Galerieetiketten).
Markus Lüpertz. Schilderijen/Bilder 1973-1986, Museum Boymans van Beuningen, Rotterdam, 1987 (m. Farbabb. S. 17).
Markus Lüpertz. Da Milano a Milano, Galleria Gian Ferrari Arte Contemporanea, Mailand, 1990.

"Ich wollte in der Abstraktion meines Bewußtseins gegenständliche Entsprechungen schaffen, also einen abstrakten gegenständlichen Begriff."
Markus Lüpertz im Gespräch mit Heinz Peter Schwerfel, Köln 1989.

Ab der zweiten Hälfte der 1970er Jahre bis circa 1984 dominiert im Werk von Markus Lüpertz die sogenannte Stil-Malerei. Bestimmte Grundformen wiederholen sich im Bildzusammenhang, werden miteinander kombiniert. Ein Grundsatz von Lüpertz’ Malerei wird evident: das Spiel zwischen Objekt und Form, zwischen Gegenstand und Abstraktion. Im Gespräch mit Heinz Peter Schwerfel äußert Markus Lüpertz: "Ich war von der Abstraktion so Besessen, daß ich das Abstrakte nicht gegenteilig zum Gegenständlichen empfand, sondern genauso selbstverständlich wie einen Tisch. Ich wollte in der Abstraktion meines Bewußtseins gegenständliche Entsprechungen schaffen, also einen abstrakten gegenständlichen Begriff." (Köln 1989, S. 29f.). Wir sehen hier eine Durchdringung von plastischen Formen, die in der Formverschleifung und gleichzeitigen Monumentalisierung dennoch stilllebenhafte Züge verleiht. Vielfältige Assoziationen werden aktiviert, bleiben jedoch in der Schwebe, weil wir die Formen nicht deuten können. Die Kombination des Heterogenen erst schafft hier die inhaltliche Beunruhigung. Die Kunst des als "Malerfürst" angesehenen Markus Lüpertz wird von einem impulsiven Formwillen getragen mit der Tendenz zu inhaltlicher Verdunkelung, zu mehr Verschlüsselung oder Verrätselung. Ein gewisses Maß an motivischer Erkennbarkeit und zumindest Andeutung möglicher Konfigurationen scheint hier in den Hintergrund zu treten. Es gibt zumindest keine signifikanten Anhaltspunkte mehr für die Erzählung einer Geschichte. Allein die geometrisch-abstrakten Formenstücke verleihen diesem bewegten Geschehen der schwarz-weiß-braunen Komposition eine gewisse Festigkeit. Lüpertz geht es in seinen expressiven Arbeiten immer auch um einen durch und durch malerischen Bildraum, der unabhängig von der Wiedergabe gegenständlicher Motive existieren kann. Er besitzt einen untrüglichen Sinn für kompositorische Balance und Differenzierung von Formen und Farben, wie dieses Gemälde offenbart. [MvL/AR]



160
Markus Lüpertz
Komposition (Böse), 1980.
Öl auf Holz, mit einem runden Einsatz aus Leinwand
Schätzung:
€ 50.000
Ergebnis:
€ 125.000

(inklusive Aufgeld)