Auktion: 539 / Modern Art Day Sale am 10.06.2023 in München Lot 301


301
Max Liebermann
Gartenlokal am Wannsee - Schwedischer Pavillon, Um 1925.
Öl auf Leinwand
Schätzung:
€ 150.000
Ergebnis:
€ 177.800

(inklusive Aufgeld)
Gartenlokal am Wannsee - Schwedischer Pavillon. Um 1925.
Öl auf Leinwand.
Links unten signiert. 54,5 x 75 cm (21,4 x 29,5 in).
[KT].

• Gemälde der 1920er Jahre gehören zu Liebermanns begehrtesten Werken auf dem internationalen Kunstmarkt.
• 1910 bezieht Liebermann seine repräsentative Villa mit Atelier am Wannsee und verbringt dort die Sommermonate.
• Das mondäne Seerestaurant "Schwedenpavillon", wenige Minuten von der Villa entfernt, war Treffpunkt der eleganten Gesellschaft.
• Seltene charakteristische und unverkennbare Darstellung dieses speziellen Gastgartens.
• Emblematisches Motiv des Impressionismus, als dessen bedeutendster deutscher Vertreter Liebermann gilt.
• Erstmals auf dem internationalen Auktionsmarkt angeboten (Quelle: artprice.com)
.

Wir danken Frau Drs. Margreet Nouwen, Berlin, die das Werk im Original begutachtet hat, für die freundliche Auskunft. Das Werk wird in den Nachtrag des Werkverzeichnisses der Gemälde aufgenommen.

PROVENIENZ:
Privatsammlung Bayern (seit zwei Generationen in Familienbesitz).

Der sogenannte Schwedische Pavillon am Wannsee mit seiner von kleinen, getrimmten Buchsbäumchen und Laubgirlanden zum Wasser hin gesäumten Terrasse ist in den 1920er Jahren ein beliebtes mondänes Ausflugslokal der Berliner Sommerfrischler. Das ursprüngliche, namensgebende und von der Wiener Weltausstellung 1873 angekaufte Holzgebäude war 1909/10 zu einem großen Gebäude im englischen Landhausstil erweitert worden. In diesen Jahren verlegt auch Max Liebermann seinen Sommerwohnsitz auf sein Seegrundstück mit Villa am Wannsee, wenige Minuten auf der Großen Seestraße vom Schwedischen Pavillon entfernt. Motive seines mit Alfred Lichtwark zusammen gestalteten Gartens oder der sonntäglichen Spaziergänger auf der Großen Seestraße sowie die dort gelegenen Gartenlokale nehmen von da an einen bedeutenden Platz in seinem impressionistischen Repertoire ein. Mit den Berliner Querelen um die Secession und schließlich dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs zieht sich Liebermann mehr und mehr in sein dortiges Refugium zurück, wo ein Großteil seiner gelösten und mit lockerer Hand und lichtvoller Palette festgehaltenen Gemälde sommerlicher Leichtigkeit entsteht. Seit den Anfängen seiner künstlerischen Laufbahn beschäftigt Liebermann die Darstellung mehrfiguriger Gruppen im Bild, ihre Anordnung im Raum sowie die Verteilung von Licht, Farbe und Bewegung, was immer wieder neue Herausforderungen liefert: "ich wollte auf 2 Stühlen sitzen und sowohl die Bewegung als auch die Farbe im Bild wiedergeben" (zit. nach: Eberle, Bd. II, München 1996, S. 796). Berühmte Vorbilder wie Edouard Manets "Tuileriengarten" von 1862 oder August Renoirs "Tanz im Moulin de la Galette" von 1876 etablieren das für den Impressionismus ikonisch gewordene Motiv. Liebermann greift diese Tradition in seinem "Münchner Biergarten" (1884, Bayerische Staatsgemäldesammlungen Neue Pinakothek, München) auf, zu einem Höhepunkt an malerischer Freiheit gelangt das Sujet vor allem in den 1920er Jahren, in denen Liebermann die Szenerie in Farbe, Licht und Bewegung auflöst. Im Hintergrund der Blick auf die weißen Segelboote und den Ausflugsdampfer, ein herbeieilender Kellner im Frack wie auch das aufbrechende Paar mit Tochter im weißen Kleidchen formulieren den Inbegriff sorgloser Harmonie. Anlässlich seines 80. Geburtstags im Jahr 1927 richtet ihm die Preußische Akademie der Künste ein Ehrenbankett mit 120 Teilnehmern aus dem In- und Ausland aus. Die Wahl fällt dafür auf den Schwedischen Pavillon, der etwas vorgezogen schon am 30. Juni im Rahmen der Liebermann-Jubiläumsausstellung zum festlichen Ort wird, zu dem der unprätentiöse Liebermann einfach von seiner Villa herüberspazieren kann. [KT]



301
Max Liebermann
Gartenlokal am Wannsee - Schwedischer Pavillon, Um 1925.
Öl auf Leinwand
Schätzung:
€ 150.000
Ergebnis:
€ 177.800

(inklusive Aufgeld)