Auktion: 520 / Evening Sale am 18.06.2021 in München Lot 391


391
Karin Kneffel
Ohne Titel (I need a wall behind me), 2013.
Öl auf Leinwand
Schätzung:
€ 50.000
Ergebnis:
€ 137.500

(inkl. Käuferaufgeld)
Ohne Titel (I need a wall behind me). 2013.
Öl auf Leinwand.
Verso signiert und datiert mit der Werknummer "2013/19". 90 x 100 cm (35,4 x 39,3 in).

• Kneffel ist eine der bedeutendsten zeitgenössischen Künstlerinnen und Meisterin der raffinierten optischen Illusion.
• Herausragendes Beispiel für Kneffels virtuosen Einsatz von Schärfe und Unschärfe und für ihr vielschichtiges Spiel mit der Illusion.
• Kneffels Gemälde befinden sich in bedeutenden öffentlichen Sammlungen, u. a. der Pinakothek der Moderne, München, dem Museum Frieder Burda, Baden-Baden, und der Olbricht Collection, Berlin.
• 2012 und 2016 zeigte die Gagosian Gallery, New York/Los Angeles, Einzelausstellungen und 2019 die Kunsthalle Bremen die große Überblickschau "Karin Kneffel. Still"
.

PROVENIENZ: Privatsammlung Hongkong.
Privatsammlung Barcelona (vom Vorgenannten 2014 erworben).
Privatsammlung Berlin.

“Karin Kneffel’s paintings are terrific illusions. They are optical games gliding across things, the inanimate and the animate. She is an observer who watches for the pretense of beauty.”
Rose-Maria Gropp.

Karin Kneffel ist die Meisterin der raffinierten optischen Illusion. Kneffels gegenständliche Malerei beherrscht das virtuose Spiel mit Verfremdungseffekten, mit ungewöhnlichen Blickpunkten, extremer Ausschnitthaftigkeit, Spiegelung und Unschärfe. Gerade der vielseitige Einsatz von Unschärfe in Kneffels Werk, zeugt noch von ihrem Studium bei Gerhard Richter, dessen Meisterschülerin sie in den 1980er Jahren an der Düsseldorfer Kunstakademie war. Anders als bei Richter aber liegt der besondere Reiz von Kneffels Gemälden in der einzigartigen Kombination aus Schärfe und Unschäfe, aus Verfremdung und fotorealistischer Genauigkeit. Kneffels Gemälde sind feinmeisterlich durchkonzipierte Kompositionen, die in geradezu altmeisterlich perfektionierter Feinmalerei auf die Leinwand gesetzt werden. Kneffels Malerei irritiert und begeistert, sie stellt unsere überkommenen Sehgewohnheiten in Frage, sie ist nah an der Realität und eröffnet uns doch zugleich eine ganz neue, eigene Welt, voll ungeahnter Seherfahrungen. Und so "ist der erste Eindruck, den ein Betrachter von Karin Kneffels Gemälden gewinnt, bis heute der einer virtuos inszenierten Künstlichkeit und einer nicht zu überwindenden Unsicherheit und Brüchigkeit unseres bildhaften Zugangs zur Welt geblieben." (Thomas Wagner, in: Karin Kneffel. Haus am Stadtrand, Krefeld 2009, S. 71). "Ohne Titel (I need a wall behind me)" zeigt den Blick über ein Balkongeländer in einen Hinterhof durch eine beschlagene Fensterscheibe. Nur in den Linien der auf die Glasscheibe gesetzten Schrift und den herunterrinnenden Wassertropfen ist das dahinter verborgene Motiv klar sichtbar. Kneffel konfrontiert uns mit einer perfekten optischen Illusion, die im Betrachter geradezu intuitiv den Wunsch aufkommen lässt, an die gemalte Glasscheibe heranzutreten und mit der Hand das Beschlagene wegzuwischen, um eine klare, uneingeschränkte Sicht zu erhalten. Kneffel, die Professorin an der Akademie der Bildenden Künste in München ist, hat ihre Bildsprache über die vergangenen Jahrzehnte hinweg ständig erweitert, sich immer wieder neue Motivkomplexe erschlossen, stets Neues gewagt und gerade auf diese Weise ein äußerst abwechslungsreiches und doch in seinen zentralen Grundelementen hoch konsistentes malerisches Œuvre geschaffen. Bereits 2009 setzt sich Kneffel in ihrem Werkzyklus "Haus am Stadtrand" mit dem Motiv des Fensters als Verbindung zwischen Innen und Außen, zwischen Schärfe und Unschäfe auseinander. In diesem Kontext entstehen nahezu fotorealistische Einblicke in Wohnräume vom Garten aus, durch eine von bizarren Regentropfenformationen verunklarte Fensterscheibe. Im vorliegenden Gemälde nutzt Kneffel die Fensterscheibe als Bidträger für den mit dem Finger ins feuchte Nass geschrieben Text und setzt somit auf verblüffende Weise die Bildebene des realen Bildträgers mit der zweiten, rein fiktiven Bildebene der Glasscheibe gleich und konfrontiert uns auf diese Weise mit einer irritierenden optischen Doppel-Illusion. Und letztlich ist die Aussage "I need a wall behind me" wahrscheinlich als autoreferentielle Äußerung zu lesen , die in entscheidender Weise programmatisch für Kneffels malerisches Schaffen ist, das sich dem Weg zurück erfolgreich verschließt und sich durch den unablässigen, konsequenten Schritt nach vorn auszeichnet. [JS]



391
Karin Kneffel
Ohne Titel (I need a wall behind me), 2013.
Öl auf Leinwand
Schätzung:
€ 50.000
Ergebnis:
€ 137.500

(inkl. Käuferaufgeld)