Auktion: 496 / Evening Sale am 06.12.2019 in München Lot 146


146
Katharina Grosse
Ohne Titel, 2015.
Acryl auf Leinwand
Schätzung:
€ 100.000
Ergebnis:
€ 450.000

(inkl. Käuferaufgeld)
Ohne Titel. 2015.
Acryl auf Leinwand.
Verso signiert, datiert, bezeichnet und mit der Werknummer "2015/ 1004L" versehen. 201 x 135 cm (79,1 x 53,1 in).

Vielschichtig oszillierendes Werk der Künstlerin mit raumgreifender Wirkung.
Katharina Grosse gehört seit 2017 zum Künstlerkader der Gagosian Gallery und wird von der renommierten König Galerie vertreten
Avancierte Position der Malerei des 21. Jahrhunderts
.

Die Arbeit ist im Werkverzeichnis unter der Nummer "2015/ 1004L" verzeichnet. Wir danken dem Studio Katharina Grosse, Berlin, für die freundliche Auskunft.

PROVENIENZ: Galeria Helga de Alvear, Madrid (verso mit dem Etikett).
Privatsammlung Spanien.

Katharina Grosse löst die Malerei von der dinglichen Realität in jeder Form. Ihre Malerei ist kompositionslos, allein bestimmt von der Farbe. Sie geht sogar noch einen Schritt weiter und enthebt den Farbauftrag dem malerischen Handwerk. In der Sprühpistole findet Katharina Grosse seit 1998 ihr bevorzugtes Arbeitsmittel, mit dem der Weg zu neuen Ausdrucksmöglichkeiten geschaffen wird. "Das Sprayen lässt Zugriffe zu, die unmittelbar aus dem Sehen kommen, während das Malen von Linien mit dem Pinsel stark aus der Körperbewegung entwickelt wird. Die Bewegung mit dem Auge ist der Bewegung mit der Spraypistole viel verbundener." (Katharina Grosse, zit. nach: Ausst.-Kat. Inside the Speaker, Stiftung Museum Kunstpalast, Düsseldorf 2015, S. 87) Die Farbe fließt, spritzt, wabert, haucht und wird so zu einem pulsierenden, lebendigen Gebilde.
Durch die unterschiedlich aufgetragenen und sich überlagernden Farbschichten entsteht eine Form von Muster. Schicht für Schicht werden die Farben, die von Kanariengelb, Azurblau, Giftgrün bis zu Orangerot reichen, aufgesprüht. Die Hinzunahme von Metallic-Farben erzeugt einen irisierenden Effekt. Durch Schablonen werden Teile der bereits aufgetragenen Farbflächen vor dem nächsten Sprühvorgang geschützt und es entstehen klar abgegrenzte Farbformen, die sich wiederum zu collageartigen Farbflecken verbinden, deren Ränder sich krustig aufstülpen und eine haptische Wirkung erzielen. Die Loslösung der Malerei von den klassischen Bildträgern sowie die Eroberung des Raumes sind charakteristisch für viele Arbeiten der Künstlerin. Die Besonderheit der hier angebotenen Arbeit liegt in der bewussten Einbeziehung des weißen Untergrunds der Leinwand. Er unterstreicht das Schablonenhafte des Farbgebildes - zügelt die Farbfläche, rahmt sie ein und gibt ihr den Raum, ihre ganze Wirkung zu entfalten. Die Farbstrukturen scheinen über die Leinwand zu wachsen, durch die Leinwand hindurchzubrechen und den Bildraum für sich zu erobern. Neben dem Raum macht die Künstlerin auch die Zeit zur Bildkategorie. Die langen Produktionsspannen, die durch das mehrschichtige, aufwendige Schablonensystem und immer wieder einzuplanende Trocknungsphasen entstehen, dehnen und entschleunigen die Zeit. Katharina Grosse macht so die Zeit erfahrbar. Mit der Betrachtung treten die Farben in Aktion und eröffnen unendliche Zeiträume, in denen man sich verlieren kann und Stunde um Stunde damit verbringt, neue Details in dem Farbengeflecht zu entdecken. Indem der Blick wandert, erschließt der Rezipient sich den Bildraum und wird gefangen genommen von der Magie der oszillierenden Farbwelt der Katharina Grosse. [SM]



146
Katharina Grosse
Ohne Titel, 2015.
Acryl auf Leinwand
Schätzung:
€ 100.000
Ergebnis:
€ 450.000

(inkl. Käuferaufgeld)