Auktion: 489 / Evening Sale am 07.06.2019 in München Lot 158


158
El Lissitzky
Plastische Gestaltung der elektro-mechanischen Schau «Sieg über Sonne», 1923.
Mappenwerk mit 10 Blatt Lithografien, davon 9 i...
Schätzung:
€ 120.000
Ergebnis:
€ 218.750

(inkl. Käuferaufgeld)
Plastische Gestaltung der elektro-mechanischen Schau «Sieg über Sonne». 1923.
Mappenwerk mit 10 Blatt Lithografien, davon 9 in Farbe. Im originalen roten Pappumschlag mit collagiertem "F". Gedruckt bei Robert Leunis & Chapman G.m.b.H., Hannover.
Auf dem Titelblatt signiert und nummeriert. Die Blätter jeweils signiert. Eines von 75 Exemplaren. Auf festem Velin. Mappe: 54,5 x 47 cm (21,4 x 18,5 in). Blattgröße: jeweils 53 x 45,5 cm (20,8 x 17,9 in).
Enthalten sind die Farblithografien: Schaumaschinerie, Ansager, Posten, Ängstliche, Globetrotter (in der Zeit), Sportsmänner, Zankstifter, Alter (Kopf 2 Schritt hinten), Totengräber, Neuer.
Die vollständige Mappe mit Umschlag und Deckblatt befindet sich weltweit nur in sehr wenigen Museen wie der Tate Modern, London, und dem Kunstmuseum Moritzburg. [EH].
• Vollständige Mappe. Vollständige Mappen sind äußerst selten erhältlich.
• Aus der bedeutenden Sammlung Neuerburg, Köln.
• Mit dem Original-Titelblatt und der Original-Mappe besonders selten. Nur in sehr wenigen Museen vorhanden wie der Tate Modern, London und dem Kunstmuseum Moritzburg
.

PROVENIENZ: Sammlung Neuerburg, Köln (mit dem Trockenstempel auf jedem Blatt, Lugt 1344a.
Privatsammlung Chicago, USA.

AUSSTELLUNG: Von Goya bis Picasso: Meistergraphik in Zyklen. Aus der Sammlung Walter Neuerburg, Wallraf-Richartz-Museum Köln, 06.07.-06.09.1963, Nrn. 171-180 (dieses Exemplar).

Die Mappe ist formal und inhaltlich ein Exempel suprematistischer Kunst und Gedankenwelt. El Lissitzky entwickelt mit diesem außerordentlich seltenen, im vorliegenden vollständig erhaltenen Mappenwerk seine Grundgedanken einer "elektro-mechanischen Schau". Im einleitenden Text verweist er programmatisch darauf, dass er für diese "erste Aufführung dieser elektromechanischen Schau .. ein modernes Stück, das aber noch für die Bühne geschrieben ist, benutzt". Er greift auf die 1913 im Petersburger Lunapark-Theater uraufgeführte erste futuristische Oper nach dem Libretto von Alexej Kruschonych und der Musik von Michail Matjuschin zurück. Licht, Kostüme und Bühnenbild hatte für die Uraufführung Kasimir Malewitsch entworfen. Sowohl in musikalischer Hinsicht als auch im Libretto ist diese Oper außerordentlich avantgardistisch. Wohl nicht zuletzt deshalb finden damals nur zwei Aufführungen des musikalischen Werkes statt.
Die Oper erzählt die Geschichte eines Zeitreisenden und einer veränderten Gesellschaft im 35. Jahrhundert. Diese zukünftigen, umfassend kräftigen Menschen besiegen sogar die Sonne, weil sie diese nicht mehr brauchen. Die Sonne steht als Ausdruck der alten Weltenenergie. Die Gedankenwelt, die El Lissitzky in diesen Lithografien zu Papier bringt, kann durchaus als Science-Fiction charakterisiert werden. El Lissitzky entwickelt in seinem Mappenwerk das Bühnenbild, genannt "Schaumaschinerie", und Figurinen, indem er die Protagonisten als Maschinenmenschen versteht, als futuristische Vision einer unserem Zeitalter nachfolgenden Synthese von Mensch und Maschine. Dieses kühne Projekt einer Umsetzung der Oper von Matjuschin in eine elektro-mechanische Schau ist nie realisiert worden. Doch ist sie als konsequente Fortführung der suprematistischen Ideen zu sehen und damit wegweisend. Diese Gedanken wirken bis in die heutige Zeit fort. Nicht zuletzt die Band "Kraftwerk" hat sich auf diese Arbeiten bezogen.
Wegweisend ist auch die typografische Gestaltung der Mappe. El Lissitzky stellt in seinen Theorien die Forderung auf, dass eine Typografie die fehlende Akustik ersetzen muss. Betonung und Ausdruck des Wortes sollen sich in der Erscheinungsform widerspiegeln. Daraus ergibt sich die optische Präsenz von unterschiedlichen Schriftgrößen und -stärken, wie sie für das Impressum verwendet sind. [EH]



158
El Lissitzky
Plastische Gestaltung der elektro-mechanischen Schau «Sieg über Sonne», 1923.
Mappenwerk mit 10 Blatt Lithografien, davon 9 i...
Schätzung:
€ 120.000
Ergebnis:
€ 218.750

(inkl. Käuferaufgeld)