Auktion: 470 / Kunst nach 1945 I am 09.06.2018 in München Lot 886


886
Konrad Klapheck
Der Chefideologe, 1965.
Öl auf Leinwand
Schätzung:
€ 180.000
Ergebnis:
€ 287.500

(inkl. Käuferaufgeld)
Der Chefideologe. 1965.
Öl auf Leinwand.
Interner Œuvre-Katalog Nr. 147. Verso signiert und datiert. Auf dem Keilrahmen betitelt. 90 x 99,5 cm (35,4 x 39,1 in).

PROVENIENZ: Privatsammlung Süddeutschland (wohl bis 2002).
Europäische Privatsammlung (seit 2002).

"Von den Photo-Realisten [..] trennen ihn [Klapheck] die dezidierte Veränderung, die sich da zwischen Ding und Bild vollzieht, der hohe Abstraktionsgrad seiner Objekte, ihre Herauslösung aus dem natürlichen Ambiente und damit - trotz allem - ihre Wirklichkeitsferne, ihr Fetischcharakter, ihre emblematische Stilisierung. Dies alles aber bedeutet, dass Klaphecks Bilder weder zu verwechseln sind mit dem, was andere machen, noch mit dem, was sie wiedergeben."
Werner Schmalenbach, 1976, zit. nach: Konrad Klapheck. Objekte zwischen Fetisch und Libido, Basel, Galerie Beyeler 1976, o. S.

Konrad Klaphecks künstlerisches Lebensthema und kunsthistorisches Alleinstellungsmerkmal ist die Maschine. Bereits Mitte der 1950er Jahre beginnt er mit seinen Schreibmaschinen-Bildern, die er zunächst noch realitätsgetreu wiederzugeben versucht, die fortan aber durch Monumentalisierung, Ausschnitthaftigkeit und Isolation immer mehr von ihrem Vorbild verfremdet und zunehmend auch mit interpretierenden Titeln wie "Der Chef" (Kunstmuseum Düsseldorf) oder "Der Diktator"(Museum Ludwig, Köln) belegt werden. Zeitgleich widmet sich Konrad Klapheck mit Nähmaschinen, Bügeleisen, Telefonen und Wasserkochern auch anderen Maschinen des häuslichen Alltags Für Klapheck ist seine Malerei auch immer künstlerische Vergangenheitsbewältigung, eine Art mit den Erinnerungen seiner frühen Kindheit umzugehen und sie in die Gegenwart zu tragen. Die frühe Arbeit "Der Chefideologe" ist dafür ein besonders schönes Beispiel, da durch die geradezu überrealistische Malweise, die kontextlose Präsentation des Objektes und die malerische Verschmelzung mehrerer bekannter Maschinen ein gesteigerter Grad der Verfremdung erreicht wird, der den Betrachter unweigerlich in seinen Bann zieht. Man ist geneigt, das künstlerische 'Bilderrätsel', das eine eigenwillige Symbiose aus Elementen eines Wasserkessels und Bügeleisens in sich vereint, entwirren zu wollen, welches uns Klapheck in seiner künstlerischen Meisterschaft gegenüberstellt. Und wie bereits Klaphecks vermenschlichende Bildtitel deutlich machen, sind seine Maschinen-Bilder, einem bis dahin in der europäischen Kunstgeschichte neuartigen Sujet, auch zugleich immer Bilder des Menschen. So hat Klapheck rückblickend festgehalten: "Also in den ersten Jahren, als ich mich ausschließlich auf die Technik, auf die Maschinen, auf die kleine Technik von Haushalt und Büro konzentriert habe, bin ich natürlich manchmal, besonders von älteren Menschen, von den Freundinnen meiner Mutter oder meiner Schwiegermutter, gefragt worden: "Ja, Sie haben doch so entzückende Kinder, wollen Sie nicht die mal malen? Und warum klammern Sie den Menschen aus?" Und damals habe ich immer gedacht: Aber der Mensch steht doch im Zentrum meines Werkes, er ist doch das Thema! Aber ich benutze die Instrumente, deren sich der Mensch bedient. Seit der Steinzeit hat sich der Mensch Selbstbildnisse geschaffen, vom ersten Steinkeil angefangen bis zum Computer von heute. der Mensch spiegelt sich ja in den Gebrauchsgegenständen, die er geschaffen hat." (Konrad Klapheck, 2002, zit. nach: Klapheck. Bilder und Texte, München 2013, S. 114). [JS]



886
Konrad Klapheck
Der Chefideologe, 1965.
Öl auf Leinwand
Schätzung:
€ 180.000
Ergebnis:
€ 287.500

(inkl. Käuferaufgeld)