Auktion: 449 / Klassische Moderne I am 10.06.2017 in München Lot 243


243
Georg Schrimpf
Staffelsee, 1925.
Öl auf Leinwand
Schätzung:
€ 30.000
Ergebnis:
€ 62.500

(inkl. Käuferaufgeld)
Staffelsee. 1925.
Öl auf Leinwand.
Hofmann/Praeger 1925/11. Links unten signiert und datiert. Verso signiert, datiert und betitelt sowie zweifach schwer leserlich bezeichnet. 46,7 x 67,1 cm (18,3 x 26,4 in).
Der Keilrahmen, auf dem das Bild heute aufgezogen ist, gehört wohl zu einem anderen Gemälde, worauf Reste des Galerieetiketts der Galerie Hans Goltz, München, mit der Beschriftung "Sitzendes Mädchen" hinweisen.

PROVENIENZ: Georg Schlobach, Böhlitz-Ehrenberg (verso auf der Leinwand mit Besitzvermerk).
Privatsammlung.

AUSSTELLUNG: Münchner Neue Secession 1914-1924, XI. Ausstellung Kunstverein, München, 1.-27.2.1925, Nr. 211.
Die Neue Sachlichkeit, Galerie Neumann-Nierendorf, Berlin, März-April 1927, Nr. 78.

LITERATUR: Eduard Scharrer, Die Münchner Neue Sezession, in: Der Hellweg, 5. Jg., Heft 31, 1925, S. 575.
Deutsche Kunst und Dekoration, 29. Jg., Band 57, 1925/26, S. 21.
Richard Braungartl, Ein Meister des neuen Kunststils. Zu den Bildern von Georg Schrimpf, in: Westermanns Monatshefte, 77. Jg., 1932, Abb. S. 110.
Matthias Pförtner, Georg Schrimpf, 1940, Abb. S. 23.
Josef Adamiak, Georg Schrimpf. Ein Beitrag zum Problem der Malerei der "Neuen Sachlichkeit", 1961, S. 37 mit Abb. S. 50 (ungedruckt).

"Auf die Frage nach meiner besonderen Verbundenheit mit München und Süddeutschland kann ich so antworten: ich fühle mich hier in einem naturbetonten Sinn, im Sinn der Landschaft und des Lebens verbunden. Deshalb lebe ich hier." (zit. nach: Wolfgang Storch, Georg Schrimpf und Maria Uhden. Leben und Werk, Berlin 1985, S. 162) Diese Verbundenheit spürt man sofort in der atmosphärisch wiedergegebenen Ammer-Loisach-Hügellandschaft. Jeder Grashalm, jeder Baumwipfel ist präzise festgehalten. Die Landschaft als eigenes Bildsujet kam bis 1925 im Werk des Künstlers nicht vor. Ganz in der Manier der italienischen Renaissance diente sie als Hintergrund seiner Figurendarstellungen. Das vorliegende Gemälde ist das erste reine Landschaftsbild von Georg Schrimpf. Nach eigenem Bekunden hat Georg Schrimpf nie nach der Natur gemalt. Er trug die Natur, seine eigene Komposition in sich, wie ein Schriftsteller, der den Erzählstoff langsam in sich wachsen lässt, um ihn dann niederzuschreiben. Auf Schrimpfs ausgedehnten Wanderungen im bayerischen Voralpenland entstehen Skizzen, die eigentliche Konzeption findet jedoch im Atelier statt. Der Künstler beruft sich dabei auf berühmte Vorbilder, etwa Caspar David Friedrich, der ebenfalls seine Landschaften im Atelier malte. Georg Schrimpf ist ein Maler der leisen Töne. Seine Landschaften verharren in ihrer eigenen Ruhe. Kein Ton der Aufgeregtheit stört die besinnliche Stimmung, keine Figurenstaffage gibt Anlass für narrative Interpretationen. Schrimpfs Landschaften sind zeitlos und doch im Kontext ihrer Zeit zu sehen. Nicht umsonst wird der Künstler als einer der wichtigsten Vertreter der Neuen Sachlichkeit angesehen, die sich als Gegengewicht zum Expressionismus verstand.



243
Georg Schrimpf
Staffelsee, 1925.
Öl auf Leinwand
Schätzung:
€ 30.000
Ergebnis:
€ 62.500

(inkl. Käuferaufgeld)