Auktion: 406 / Moderne Kunst am 08.06.2013 in München Lot 73


73
Paul Kleinschmidt
New York Riverside Drive, 1934.
Öl auf Holz
Schätzung:
€ 20.000
Ergebnis:
€ 73.200

(inkl. Käuferaufgeld)
New York Riverside Drive. 1934.
Öl auf Holz.
Lipps-Kant 237. Rechts unten monogrammiert und datiert (in die nasse Malschicht geritzt). 100,5 x 76 cm (39,5 x 29,9 in).

PROVENIENZ: Sammlung Erich Cohn, New York.
Richard A. Cohn, New York.
Van Diemen-Lilienfeld Galleries, New York (verso mit dem Etikett).
Privatsammlung Süddeutschland.

AUSSTELLUNG: Paul Kleinschmidt 1883-1949. Gemälde, Aquarelle, Zeichnungen und Druckgraphik, Galerie der Stadt Stuttgart, Kunstgebäude, 26. März - 22.Mai 1983 / Ostdeutsche Galerie Regensburg, 16. Juni - 28. August 1983, Kat. Nr. 57 mit Farbabb. S. 125 (verso mit dem Etikett).

Am 31. Juli 1883 wird Paul Kleinschmidt als Spross einer Künstlerfamilie geboren, der Vater ist Direktor einer Wanderbühne, die Mutter Schauspielerin. Während eines Kunststudiums an der Berliner Akademie bei dem Historienmaler Anton von Werner ist Adolf von Menzel das künstlerische Vorbild von Paul Kleinschmidt. In dieser Zeit lernt er auch Lovis Corinth kennen, der ihn sowohl menschlich als auch künstlerisch beeindruckt. 1904 setzt Kleinschmidt das Kunststudium an der Münchner Akademie bei Peter Halm und Heinrich von Zügel fort. Hier macht er sich mit den Techniken der Lithografie und Radierung vertraut. So ist der Künstler im Anschluss an die Studienzeit als Maler und Grafiker in Berlin tätig und beteiligt sich dort 1908 und 1911 an den Ausstellungen der Sezession. 1914 erhält Paul Kleinschmidt die Einberufung zum Wehrdienst, wird aber wegen einer Gasvergiftung ein Jahr später vom Kriegsdienst suspendiert. Ab 1915 übt er verschiedene Tätigkeiten, u.a. als Maschinenzeichner und Zeichenlehrer, aus. In dieser Zeit entstehen viele seiner bedeutendsten Radierungen und Lithografien, die 1923 in der ersten Kleinschmidt-Ausstellung im Euphorion-Verlag und 1925 bei F. Gurlitt in Berlin gezeigt werden. Danach geht die druckgrafische Produktion zugunsten einer intensiveren Beschäftigung mit der Malerei zurück. 1927 knüpft Paul Kleinschmidt erste Kontakte mit dem New Yorker Kunstsammler Erich Cohn, der schließlich sein Mäzen wird. 1932 zieht der Künstler von Berlin nach Süddeutschland, wo er zunächst in Klingenstein bei Blaubeuren, dann in Ulm wohnt. Doch auch diese Stadt verlässt er bereits ein Jahr später, um nach Ay bei Senden zu gehen. Hier sind er und seine Familie schon bald politischen Repressionen ausgesetzt.

Auf Einladung seines Freundes und Mäzens, des Sammlers Erich Cohn, verbringt Paul Kleinschmidt die Monate Mai bis Juli 1934 in New York. Einer Anregung seines Gastgebers folgend malt Kleinschmidt mehrere Ansichten von Manhattan, die wie die vorliegende den besonderen Reiz haben, die Großartigkeit der Urbanität von New York in einer besonders malerischen Weise zu sehen. Wäre da nicht die Silhouette der angrenzenden Wolkenkratzer, so könnte man anstatt des Riverside Drive eher eine Promenade an der Côte d'Azur sehen. Hinzu kommt der von einer besonderen malerischen Gestik beflügelte Farbauftrag, der in seiner dichten Folge von Pinselstrichen den Flächen ihre Schwere nimmt. Ganz dem Zeitgeist der neuen Welt folgend, verzichtet Kleinschmidt auf jegliche Personenstaffage, um sie durch Automobile in Reihung zu ersetzen, wohl auch in Vorahnung jener Verkehrsströme, die unsere urbane Welt von heute dominieren. Paul Kleinschmidt gewinnt dank seiner profunden malerischen Begabung einem im Grunde spröden Motiv seine positiven Seiten ab und verwandelt so die an sich eher reizlose Szenerie in eine lichtdurchflutete Stadtlandschaft.

1936 emigriert Kleinschmidt nach Holland, da der politische Druck zunimmt. Von dort aus geht er 1938 nach Frankreich. Im Februar 1940 wird Kleinschmidt für mehrere Monate in verschiedenen Lagern interniert, anlässlich der französischen Kapitulation dann wieder freigelassen. In Bensheim ansässig wird Paul Kleinschmidt 1943 mit einem Malverbot belegt. 1945 verbrennt bei einem Bombenangriff sein gesamter Besitz. Die schon 1940 diagnostizierte Angina Pectoris verstärkt sich ab 1948 derart, dass sich der Künstler nicht mehr erholt und ein Jahr später am 2. August 1949 stirbt. [KD].




73
Paul Kleinschmidt
New York Riverside Drive, 1934.
Öl auf Holz
Schätzung:
€ 20.000
Ergebnis:
€ 73.200

(inkl. Käuferaufgeld)