Auktion: 393 / Post War/Zeitgenössische Kunst am 09.06.2012 in München Lot 313

Martin Eder - Neu


313
Martin Eder
Neu, 1996.
Öl auf Leinwand
Schätzung:
€ 18.000
Ergebnis:
€ 39.040

(inkl. Käuferaufgeld)
Neu. 1996.
Öl auf Leinwand.
Rechts unten signiert und datiert. Verso nochmals signiert und datiert "August 1996" sowie mit dem Künstlersignet. 200 x 331 cm (78,7 x 130,3 in).

PROVENIENZ: Privatsammlung Süddeutschland (direkt beim Künstler erworben).

Martin Eder zählt zu den Stars der deutschen Künstlerszene. Der 1968 in Augsburg geborene Eder schreibt sich erst nach einer Ausbildung zum Kommunikationsdesigner 1993 an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg ein, danach studiert er für ein Jahr an der Gesamthochschule Kassel, ehe er sein Studium an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden, zuletzt als Meisterschüler von Eberhard Bosslet, im Jahr 2001 abschließt.

Das großformatige Gemälde "Neu" entsteht im selben Jahr, in dem Martin Eder an die Dresdener Kunsthochschule wechselt. Und doch ist es weit davon entfernt, ein Studienwerk zu sein: Virtuos beherrscht der Künstler sein Metier, indem er unterschiedliche Realitäts- und Bildebenen nebeneinanderstellt und ein koloristisches Feuerwerk entfacht. Im charakteristischen Stil dieser Schaffensphase scheint die gesamte Bildmotivik inspiriert vom "American Way of Life" der 1950er und 1960er Jahre, was etwa an den Autotypen ablesbar ist. Darüber hinaus erinnern die sinnlichen, leicht geöffneten roten Lippen, die ein großes Bildfeld füllen, unverkennbar an Marilyn Monroes berühmten Schmollmund. Gebrochen wird die kitschige Ästhetik gekonnt durch surreal anmutende Einschübe wie die organisch abstrahierte, fließende Formation in der linken oberen Bildpartie. Wenngleich sich das vorliegende Bild Martin Eders auf den ersten Blick deutlich von den neueren Arbeiten des Künstlers zu unterscheiden scheint, auf denen sich lasziv-erotische junge Frauen und plüschige Haustiere tummeln, so zieht sich doch die Abgründigkeit, der Bruch mit der Idylle und das Spiel mit den Phantasien von Maler und Betrachter wie ein roter Faden durch das Œuvre. Vor diesem Hintergrund ist unser Bild ein faszinierendes Beispiel für die Stringenz und die künstlerische Tiefgründigkeit des Werkes von Martin Eder.

Schon im Studium sorgt Martin Eder mit dem gemeinsam mit Lisa Junghanss durchgeführten medienübergreifenden Kunstprojekt "Novaphorm" für Furore, das neben einem Club und Medikamentenverpackungen auch ein temporäres Hotel beinhaltet. Noch heute ist Martin Eders Kunstschaffen vielgestaltig, tritt er doch seit 2003 unter dem Pseudonym Richard Ruin als Sänger und Gitarrist der Band RUIN in Erscheinung. Während seines Meisterschülerstudiums mit zahlreichen Stipendien ausgestattet, finden Martin Eders Arbeiten bald national und international große Beachtung, seine Gemälde werden in Aufsehen erregenden Einzelausstellungen unter anderem im Kunstverein Potsdam (2003), in der New Yorker Marianne Boesky Gallery (2006) und in den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (2009) gezeigt. [KP].




313
Martin Eder
Neu, 1996.
Öl auf Leinwand
Schätzung:
€ 18.000
Ergebnis:
€ 39.040

(inkl. Käuferaufgeld)