Auktion: 386 / Moderne Kunst am 10.12.2011 in München Lot 43

Gabriele Münter - Murnauer Landschaft (Staffelsee)


43
Gabriele Münter
Murnauer Landschaft (Staffelsee), 1924.
Öl auf Malpappe
Schätzung:
€ 180.000
Ergebnis:
€ 390.400

(inkl. Käuferaufgeld)
Öl auf Malpappe.
Verso mit dem Nachlassstempel. Dort auch mit einem alten Aufkleber mit der gestempelten Nummer "1046" und einem Aufkleber mit der teils handschriftlichen, teils gestempelten Nummer "Bl L 289". 33 x 45 cm (12,9 x 17,7 in).
Verso mit den Fragmenten eines Etiketts, dort typografisch datiert "1924", betitelt und bezeichnet.

PROVENIENZ: Privatsammlung Süddeutschland, 1976 in der Galerie Hanna Bekker vom Rath, Frankfurt/Main, erworben.

AUSSTELLUNG: Ölbilder von Gabriele Münter, Galerie Vömel, Düsseldorf, in Zusammenarbeit mit Galerie Gunzenhauser, München, November 1974, Kat.Nr. 29 (mit Abb.).

Den ersten Unterricht erhält Gabriele Münter 1897 an der Düsseldorfer Damen-Kunstschule, die weitere Ausbildung im Künstlerinnen-Verein als Schülerin von M. Dasio und A. Jank. Anschließend geht sie nach München und besucht dort die Privatkunstschule "Phalanx"; Leiter der Schule ist Wassily Kandinsky. Mit ihm unternimmt Gabriele Münter ab 1904 viele Reisen u.a. nach Holland, Italien und Frankreich, wo sie Rousseau und Matisse kennenlernen. Stilistisch distanziert sich Münter nun vom Impressionismus und lässt in ihrem Werk Einflüsse der Fauves und der Expressionisten erkennen. Ein ruhigeres Leben beginnt ab 1908 in der mit Kandinsky gemeinsamen Wohnung in München. Mit Klee, Marc, Macke, Jawlensky und Marianne von Werefkin pflegen die beiden regen Kontakt. Für eine produktive künstlerische Zusammenarbeit ist das von Münter gekaufte Landhaus in Murnau die richtige Umgebung. 1909 beginnt die Künstlerin mit Hinterglasbildern, ein Medium, das später auch Kandinsky, Marc, Macke und Campendonk aufgreifen. Zwei Jahre lang ist Münter Mitglied in der "Neuen Künstlervereinigung München". Im Jahr 1911 tritt sie der von Kandinsky und Marc gegründeten Redaktion "Blauer Reiter" bei. Mit Interesse verfolgt Gabriele Münter Kandinskys abstrakte Bilder, bleibt jedoch selbst bei der figurativen Malerei. Ihre Landschaften, Figurenszenen und Porträts zeigen eine Reduktion auf das Wesentliche mit Hang zur humorvollen Charakterisierung. Mit Kriegsausbruch gehen Münter und Kandinsky zunächst in die Schweiz, ein Jahr später (1915) entscheidet sich die Malerin für Stockholm, wo es zur Trennung von Kandinsky kommt. Im Spätherbst 1917 übersiedelt Münter nach Kopenhagen.

Nach ihrer Rückkehr aus Skandinavien sucht Gabriele Münter ihre Motive wieder in der vertrauten Umgebung der Murnauer Voralpenlandschaft zu finden. Der Blick auf den Staffelsee ist dabei eines ihrer beliebtesten Motive. Immer wieder thematisiert sie die reizvolle Sicht auf die Wasserfläche mit den eingeschlossenen kleinen Inseln. Eine stark grafische Kontur, die Münter besonders im Vordergrund bevorzugt, wird nun zugunsten einer beruhigten Flächenmalerei zurückgedrängt. Die Erarbeitung einer räumlichen Distanz ganz aus der Fläche heraus, eine ihrer ganz großen Leistungen in der Landschaftsmalerei, gelingt auch hier mit sparsamen Mitteln. Münter lässt sich von der eigenen Harmonie der Landschaft gefangennehmen, gestaltet sie unspektakulär, ohne besondere künstlerische Attitüde und erzielt gerade so jene aus Distanz und Nähe geformte Vertrautheit. Fern aller Nachwirkungen einer experimentellen Malerei aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg findet Münter einen eigenen Stil der Interpretation, der von nun an ihr weiteres Schaffen bestimmen soll.

Ab 1931 lebt Münter ständig in München und Murnau. Im Jahr 1956 erhält sie den Kulturpreis der Stadt München, 1960 findet die erste Ausstellung Münters in den USA statt, gefolgt 1961 von einer großen Ausstellung in der Mannheimer Kunsthalle. Die Künstlerin stirbt am 19. Mai 1962 in ihrem Haus in Murnau. [KD].




43
Gabriele Münter
Murnauer Landschaft (Staffelsee), 1924.
Öl auf Malpappe
Schätzung:
€ 180.000
Ergebnis:
€ 390.400

(inkl. Käuferaufgeld)