Der Beweisbrief: Und sie dreht sich doch...
Ketterer Kunst versteigert literarische Rarität zur ersten Weltumsegelung
transsylvanus
Magellan. - Maximilianus Transsylvanus, De Moluccis insulis,... Schätzung: € 80.000.
Hamburg, 24. September 2008, (kk) - Für € 80.000 könnte er zu haben sein, der erste empirische Beweis für die Kugelgestalt der Erde. Am 17./18. November kommt bei Ketterer Kunst im Rahmen der Auktion Wertvolle Bücher - Manuskripte - Autographen - Dekorative Graphik die extrem seltene Originalausgabe eines Briefes von Maximilianus Transsylvanus, dem kaiserlichen Sekretär am Hof Karls V., zum Aufruf, in dem er dem Kardinalerzbischof von Salzburg Bericht erstattet über die Weltumsegelung des Fernando Magellan.
Mit fünf Schiffen und insgesamt 234 Mann Besatzung verließ Fernando Magellan im September 1519 Spanien, um auf dem Westweg die strategisch wichtigen Gewürzinseln, die Molukken, zu erreichen. Ein gutes Jahr später entdeckte er die westliche Durchfahrt an der Spitze des südamerikanischen Kontinentes, die nach ihm benannte Magellanstrasse. Nach seinem Tod im Kampf mit den Eingeborenen auf den Philippinen, kehrte im September 1522 lediglich eines seiner Schiffe über Timor und das Kap der Guten Hoffnung mit 18 Überlebenden nach Spanien zurück, womit eines der „ruhmwürdigsten Unternehmen der Entdeckungsgeschichte” (Henze) seinen Abschluss fand. Eine der vier erschienen Ausgaben von „De Moluccis insulis...” wurde bereits 2004 bei Ketterer Kunst für den Erlös von € 94.300 (Zuschlag: € 82.000) verkauft.
Vesalius
Vesalius, A., De humani corporis fabrica libri septem. Schätzung: € 25.000.
14 Muskelmänner bilden den Höhepunkt unter den Illustrationen in „De humani corporis...”, dem epochemachenden Werk von Andreas Vesalius. Die Holzschnitte mit den stehenden Figuren, an denen das Muskelsystem durch stufenweises Entfernen der verschiedenen Schichten erklärt wird, gehören nicht nur zu den Glanzlichtern der venezianischen Holzschneidekunst, sondern setzten Maßstäbe für die anatomische Abbildung bzw. für die Buchillustration überhaupt. Das 1555 erschienene Buch geht mit einer Schätzung von € 25.000 an den Start.
Seit 1945 nicht auf dem Auktionsmarkt erschienen ist Carel Allards „Orbis habitabilis oppida et vestitus...”. Je ein Exemplar der einzi-gen Ausgabe des äußerst gesuchten Städtebuchs ist nur in den Online-Katalogen von drei großen Bibliotheken nachweisbar. Das Buch zeigt Ansichten von über 40 Orten (z.B. Algier, Barbados, Tripolis, Wien) und der teilweise dort üblichen Trachten. Die Schätzung liegt bei € 18.000.
Ausschließlich mit der Insel „Java beschäftigt sich dagegen ein Ansichtenwerk mit Farblithographien von Johan Conrad Greive, der diese nach Zeichnungen des Malers Abram Salm anfertigte. Die erste Ausgabe dieses seltenen und vollständigen Tafelwerks mit Ansichten von Vulkanen, Flüssen und Meeresbuchten kommt mit einer Taxe von € 10.000 zum Aufruf.
Ebenso hoch angesetzt ist eine sehr gut erhaltene Prachthandschrift auf Pergament. Die „Carta executoria aus dem Jahr 1792 ist mit ihren fünf ganzseitigen farbigen Miniaturen und den 64 farbigen Miniaturen im Text ungewöhnlich üppig illustriert. Der spanische Adelsbrief zeigt unter anderem das Wappen und den Stammbaum der Familie Camara, die Widmung mit königlichem Wappen sowie zahlreiche Bildnis-Initialen.
Scharf und unversöhnlich äußert sich Karl Marx in seiner 1860 in London entstandenen, berühmten Streitschrift, in der er gegen den Naturforscher und politischen Publizisten Karl Vogt polemisiert. Dieser war Gerüchten zufolge als „bezahlter Agent Napoleons III. denunziert worden und hatte in einer Verteidigungsschrift Karl Marx zu Unrecht verdächtigt, diese Verleumdung zu unterstützen. Die seltene erste Ausgabe des Schriftstücks geht ebenfalls mit € 10.000 ins Rennen.
1797 zog es Johann Wolfgang von Goethe zum dritten Mal in die Schweiz. Um Pässe für sich und seine Familie zu erwirken, schrieb er an Johann Friedrich von Koppenfels, damals Kanzler in Weimar. Der eigenhändige Brief mit Unterschrift kommt mit einer Taxe von € 6.000 zum Aufruf.
Ein Rarissimum ist auch der mit € 6.000 angebotene „Catchisme” im Reliefdruck, eine Inkunabel der Blindenschrift von 1820. Valentin Haüy, der Erfinder einer Reliefschrift, ließ erstmals Buchstaben erhaben auf dickes Papier prägen, damit diese mit den Fingern gelesen werden konnten. Erst 1829 wurde diese Methode von Brailles Punktschrift abgelöst.
Aus dem Nachlass des Schweizer Cellisten und Haydnforschers, Antonio Tusa, kommt eine Muskaliensammlung mit 6 Taktstöcken so berühmter Dirigenten wie Arturo Toscanini, Wilhelm Furtwängler und Herbert von Karajan. Außerdem beinhaltet die Losnummer, die mit einer Taxe von € 3.000 bewertet wird, auch rund 160 Original-Fotografien und Postkarten berühmter Musiker und Dirigenten, teils mit eigenhändiger Widmung und Signatur.
Die Vorbesichtigung ist zu folgenden Terminen im Hamburger Meßberg 1 möglich:
05.-07. Novembervon 11-17 Uhr
10.-14. November von 11-17 Uhr
16. November nach Vereinbarung
Die Auktion Wertvolle Bücher - Manuskripte - Autographen - Dekorative Graphik findet zu folgenden Zeiten, ebenfalls im Hamburger Meßberg 1 statt:
Hauptauktion: 17./18. November jeweils ab 10:30 Uhr
Abendauktion: 17. November ab 17:00 Uhr