Auktion: 430 / Wertvolle Bücher am 23./24.05.2016 in Hamburg Lot 11

 
11
Johannes Gallensis
Summa Collationum. 1470
Schätzung:
€ 12.000
Ergebnis:
€ 20.400

(inkl. 20% Käuferaufgeld)
Objektbeschreibung
Johannes Gallensis, Summa collationum, sive communiloquium. Mit zahlreichen rot eingemalten Lombarden . [Köln, Ulrich Zell, um 1470]. Zeitgenöss. süddt. Kalblederband mit schöner Blindprägung und 10 durchbrochenen, gepunzten Messingbeschlägen mit Buckeln sowie Messing-Schließbeschlägen. 4to. (21 : 14,5 cm). 262 nn. Bll. Got. Type. 27 Zeilen.

Seltene erste Ausgabe dieser Sammlung von Sentenzen und Beispielen für Prediger, verfaßt von dem englischen Theologen Johannes Gallensis (auch Guallensis oder de Wallis, lebte im 13. Jh.). "Durch seine Kompilationen, ohne systematischen Anspruch, bemühte sich Johannes Guallensis, den Predigern seiner Zeit Material, vor allem solches von antiken Schriftstellern, zu moralischen Auferbauung ihrer Zuhörer an die Hand zu geben, sie selbst aber mit den Normen für ihr Verhalten und mit ihren Pflichten vertraut zu machen" (BBKL III, 385ff.).
Von besonderer Bedeutung ist ein längere Passage über das Schachspiel: "Um 1470 wurde in Köln von Ulrich von Zell ein erstes Buch mit Schachinhalt gedruckt. Es handelt sich um Johannes Gallensis' (John of Waleys) Summa Collationum .. Das wesentlich bekanntere Buch über Schach von William Caxton wurde erst einige Jahre später, 1476, veröffentlicht" (Ehn/Kastner, Alles über Schach, S. 401). In der typischen Schachsymbolik des Mittelalters vergleicht Johannes Gallensis das Leben mit einem Schachspiel: "Die Welt gleicht einem Brett mit weißen und schwarzen Feldern, auf denen die Menschen wie Schachgruppen verschiedene Plätze einnehmen. Nach vollendetem Spiel wartet aber auf sie alle ungeachtet ihrer verschiedenen Stellung im Leben wie im Spiel derselbe Ort, und wie der König dabei wohl zuunterst im Beutel zu liegen kommen könnte, so könnten auch die Großen der Erde zur Hölle, die Armen aber in den Himmel gelangen. Auf dem Brett des Lebens spielt der Teufel mit dem Menschen und sagt ihm Schach, wer sich dann nicht schnell bekehrt, dessen Seele wird mit Matt geraubt" (Tl. 1, Abschn. X, Kap. 7; dt. Übersetzung). Nach T. von der Lasa, Lit. u. Gesch. des Schachspiels (Lpz. 1897) findet sich diese Schachstelle nur in der ersten und fünften Ausgabe des Werkes.
Äußere Ränder tls. gering gebräunt oder gering stockfleckig, wenige kl. hinterl. Läsuren. Rücken und Vorsätze erneuert, bewegl. Schließenteile entfernt. Sehr schönes und wohlerhaltenes Exemplar auf festem breitrandigem Papier in einem zeitgenössischen Einband mit mehreren Einzelstempeln (Blumentopf, Doppeladler, gekröntes Maria-Monogramm u. a.). Aus der Karmeliterbibliothek des Klosters Sankt Barbara zu Würzburg (hs. Eintrag des 17. Jhs. auf dem ersten Bl.). Exlibris Victor von Stedingk.

Hain 7440. - GW M13986. - Goff J 328. - BMC I, 191. - BSB I-574. - Polain 2279.

First edition, very rare. Early Cologne printing by Ulrich Zell. The first book mentioning chess, comparing man's life with a chess play. Beautiful and well-preserved copy on strong paper with red painted lombards, bound in a contemp. South German calf binding over wooden boards with fine single stamps and embossed brass fittings. 262 nn. leaves (complete). - Outer margins partly with minor browning or foxing, few small backed damages. Spine and endpapers renewed, movable parts of the clasps removed. Fine copy, first leaf with 17th cent. inscription of the Carmelits Santa Barbara at Würzburg. Bookplate Victor von Stedingk.

11
Johannes Gallensis
Summa Collationum. 1470
Schätzung:
€ 12.000
Ergebnis:
€ 20.400

(inkl. 20% Käuferaufgeld)