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Auktion: 410 / Kunst nach 45 / Zeitgenössische Kunst am 07.12.2013 in München Lot 1220

 
Objektbeschreibung
4 Lebensstile. 1962.
Öl auf Leinwand.
Verso signiert und bezeichnet "oben" sowie mit Richtungspfeil. Auf dem Keilrahmen betitelt. Auf der Rahmenabdeckung mit zwei vom Künstler bezeichneten Etiketten, dort datiert. 80 x 70 cm (31,4 x 27,5 in).

Wir danken Herrn Konrad Klapheck für die freundliche Auskunft.

Konrad Klapheck wird am 10. Februar 1935 in Düsseldorf geboren. Nach dem Abitur an einem humanistischen Gymnasium studiert er 1954-58 an der Kunstakademie Düsseldorf Malerei. Sein Lehrer ist Bruno Goller, der vor allem für sinnbildlich verfremdende Darstellungen von Alltagsgegenständen bekannt ist und der Klaphecks Interesse an diesem Thema unterstützt. Schon früh setzt sich Klapheck mit dem Surrealismus auseinander: Bereits 1954 besucht er Max Ernst. In den Jahren 1956-57 reist er für fünf Monate nach Paris und ab 1961 pflegt er engen Kontakt zum Pariser Surrealistenkreis um André Breton. 1955, in der Hauptzeit der informellen Künstler in Deutschland, malt Klapheck das berühmte Bild "Schreibmaschine", auf dem in realistisch übersteigerter Weise eine Schreibmaschine vor schlichtem Hintergrund dargestellt ist.

"Mit Hilfe meiner Maschinenbilder konnte ich, ohne zu suchen, die Vergangenheit wiederfinden und die Lebensprobleme der Gegenwart bewältigen. Unter jedem gelungenen Bild lag ein anderes, nur zu ahnendes Bild, das dem Geschehen an der Oberfläche seine Bedeutung gab. Ich beschloß, ein ganzes System aus den Maschinenthemen aufzubauen und meine Biographie durch sie zu erzählen." (Konrad Klapheck). Inspiriert von den detailreichen Werken Dürers und Holbeins verbindet der Düsseldorfer in seinen Gemälden die traditionelle Malerei mit dem neuen Thema der mechanischen Motive. Schreib- und Nähmaschinen, Telefone, Bügeleisen und wie hier Fahrradklingeln, Schuhspanner und Wasserhähne spiegeln für Klapheck den Menschen in seiner psychischen Beschaffenheit wider. Ihre Konstruktionsdetails verwandeln sich dabei im Laufe des Malprozesses in attributive Binnenformen, an denen sich Doppel- und Vieldeutigkeiten männlicher und weiblicher Prinzipien ablesen lassen.

In den folgenden Jahren hält Klapheck an dieser hyperrealistischen Malweise fest und steigert die dargestellten Gegenstände zu einer bedrohlichen Monumentalität. 1964 nimmt er an der Documenta III in Kassel teil, zwei Jahre später veranstaltet die Kestner-Gesellschaft in Hannover die erste Retrospektive. 1979 erhält er eine Professur an der Düsseldorfer Kunstakademie, wo er bis heute lehrt. Neben den Gemälden nimmt in den späten siebziger Jahren die Druckgrafik im Schaffen Klaphecks einen großen Stellenwert ein. Er arbeitet in diesem Zeitraum mit der Druckwerkstatt Frielinghaus in Hamburg zusammen. 1981 entsteht unter der Leitung von Wiebke von Bonin ein Film über den Künstler. Zwischen 1997 und 2002 hat er eine Professur für Freie Malerei an der Kunstakademie Düsseldorf inne. 2006 ist bei den Ruhrfestspielen Recklinghausen eine große Personalausstellung des Künstlers zu sehen. Klaphecks Werk wird durch Ankäufe und Retrospektiven namhafter Museen gewürdigt. [DB].

1220
Konrad Klapheck
4 Lebensstile, 1962.
Öl auf Leinwand
Schätzung:
€ 50.000
Ergebnis:
€ 103.700

(inkl. 22% Käuferaufgeld)
 


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