Auktion: 400 / Moderne Kunst am 08.12.2012 in München Lot 42

 

42
Gabriele Münter
Narvik Hafen, 1916.
Öl auf Leinwand
Schätzung:
€ 120.000
Ergebnis:
€ 207.400

(inkl. 22% Käuferaufgeld)
Narvik Hafen. 1916.
Öl auf Leinwand.
Rechts unten signiert und datiert. Verso mit dem verblassten Nachlassstempel sowie handschriftlich und typografisch auf einem Etikett mit der Nachlassnummer "L. 470" bezeichnet. 47,5 x 64,2 cm (18,7 x 25,2 in).
Eine der seltenen norwegischen Landschaften im Werk Gabriele Münters.

Mit einer schriftlichen Bestätigung der Gabriele Münter- und Johannes Eichner-Stiftung, München, vom 10. Dezember 2012. Die Arbeit wird in das Werkverzeichnis der Gemälde von Gabriele Münter aufgenommen.

PROVENIENZ: Privatsammlung Norddeutschland.

AUSSTELLUNG: Der Sturm, 58. Ausstellung. Gösta Adrian-Nilsson, Paul Klee, Gabriele Münter. Gemälde und Aquarelle, Zeichnungen, Berlin, Dezember 1917, Kat.Nr. 79 (verso mit dem Etikett).
Maleriudstilling. Gabriele Münter-Kandinsky, Københavns Ny Kunstsal, Kopenhagen, Oktober 1919 (verso mit dem Etikett).
Gabriele Münter 1908 - 1933, Wanderausstellung Bremen/Bochum 1933, Jena/Eisennach 1934, Altenburg/Stuttgart 1935, Nr. 28a (auf dem Keilrahmen mit dem Etikett).
Galerie Valentien, Königsbau, Stuttgart, o.J., Nr. 18 (auf dem Keilrahmen mit dem Etikett).

Den ersten Unterricht erhält Gabriele Münter 1897 an der Düsseldorfer Damen-Kunstschule, die weitere Ausbildung im Künstlerinnen-Verein als Schülerin von M. Dasio und A. Jank. Anschließend geht sie nach München und besucht dort die Privatkunstschule "Phalanx"; Leiter der Schule ist Wassily Kandinsky. Mit ihm unternimmt Gabriele Münter ab 1904 viele Reisen u.a. nach Holland, Italien und Frankreich, wo sie Rousseau und Matisse kennenlernen. Stilistisch distanziert sich Münter nun vom Impressionismus und lässt in ihrem Werk Einflüsse der Fauves und der Expressionisten erkennen. Ein ruhigeres Leben beginnt ab 1908 in der mit Kandinsky gemeinsamen Wohnung in München. Mit Klee, Marc, Macke, Jawlensky und Marianne von Werefkin pflegen die beiden regen Kontakt. Für eine produktive künstlerische Zusammenarbeit ist das von Münter gekaufte Landhaus in Murnau die richtige Umgebung. Zwei Jahre lang ist Münter Mitglied in der "Neuen Künstlervereinigung München". Im Jahr 1911 tritt sie der von Kandinsky und Marc gegründeten Redaktion "Blauer Reiter" bei. Mit Interesse verfolgt Gabriele Münter Kandinskys abstrakte Bilder, bleibt jedoch selbst bei der figurativen Malerei. Ihre Landschaften, Figurenszenen und Porträts zeigen eine Reduktion auf das Wesentliche mit Hang zur humorvollen Charakterisierung. Mit Kriegsausbruch gehen Münter und Kandinsky zunächst in die Schweiz, ein Jahr später (1915) entscheidet sich die Malerin für Stockholm, wo es zur Trennung von Kandinsky kommt.

Als Ergebnis einer Reise nach Norwegen, die Gabriele Münter 1916 von Stockholm aus macht, schafft Münter zwei Fassungen der Ansicht des Hafens von Narvik, die sich bis auf minimale Veränderungen in der Personenstaffage - mit und ohne Hund - und der Büsche im Vordergrund kaum voneinander unterscheiden (vgl. A. Hoberg/H. Friedel (Hrsg.), Gabriele Münter 1877-1962. Retrospektive, Ausst.Kat. Lenbachhaus München und Schirn Kunsthalle Frankfurt 1992/1993, Kat.Nr. 151 (L 544)). Unsere Version mit dem originalen Aufkleber der Kunstausstellung "Der Sturm" muss die frühere Fassung sein, worauf auch die niedrigere Werknummer hindeutet. Nach Notizen und Skizzen, die Münter in Narvik macht, ist diese Fassung wohl noch 1916 in Stockholm entstanden. Im Textbeitrag zum Katalog der Gabriele-Münter-Ausstellung 1992/93 werden beide Fassungen vermischt, denn nur unsere Fassung ist signiert und datiert. Die andere und wohl später entstandene nur signiert. Allein die Tatsache, dass Münter mehrere nahezu identische Fassungen malt, spricht für den hohen Stellenwert, den das Sujet bei ihr hatte. Die Anlage der Komposition entspricht jener der späteren Staffelseebilder. Die Sicht von oben dehnt eine Perspektive, die Münter nie real nachempfunden hat. Die große Parallele des Weges im Vordergrund markiert einen räumlichen Abstand von der eigentlichen Sicht auf den Hafen. Wiederholungen gleicher Sujets kommen bei Münter vor, allerdings oft mit einschneidenderen Variationen als im vorliegenden Sujet.

Durch den Bruch mit Kandinsky in eine tiefe Schaffenskrise geworfen, lebt Münters Malerei erst in den 1930er Jahren neu auf. Ab 1931 lebt sie ständig in München und Murnau. Im Jahr 1956 erhält sie den Kulturpreis der Stadt München, 1960 findet die erste Ausstellung Münters in den USA statt, gefolgt 1961 von einer großen Ausstellung in der Mannheimer Kunsthalle. Die Künstlerin stirbt am 19. Mai 1962 in ihrem Haus in Murnau. [KD].




42
Gabriele Münter
Narvik Hafen, 1916.
Öl auf Leinwand
Schätzung:
€ 120.000
Ergebnis:
€ 207.400

(inkl. 22% Käuferaufgeld)