Auktion: 368 / Moderne Kunst am 12.06.2010 in München Lot 17

 
Josef Eberz - Tänzerin (Beatrice Mariagraete)


 
17
Josef Eberz
Tänzerin (Beatrice Mariagraete), 1923.
Öl auf Leinwand
Schätzung:
€ 25.000
Ergebnis:
€ 101.260

(inkl. 22% Käuferaufgeld)
Objektbeschreibung

Öl auf Leinwand
Links unten signiert und datiert. 158 x 78,5 cm (62,2 x 30,9 in)

Wir danken Herrn Franz Josef Hamm, Limburg/Lahn, für die wissenschaftliche Beratung.

PROVENIENZ: Galerie Neue Kunst, Hans Goltz, München (auf dem Keilrahmen mit dem teilweise abgerissenen Etikett).
Privatsammlung Norddeutschland.

LITERATUR: Deutsche Kunst und Dekoration, Jg. XXVII, Heft 10, Darmstadt 1924, S. 190 (ganzseitige Farbabb. S. 184).

Josef Eberz wird am 3. Juni 1880 in Limburg/Lahn geboren. Die Familie zieht bald nach Frankfurt am Main, wo Eberz 1901 sein Abitur absolviert. Der Vater läßt sich als Postbeamter nach München versetzen, um seinen Söhnen Josef und Otfried dort das Studium zu ermöglichen. 1901-03 studiert Josef an der Münchner Kunstakademie bei Hugo von Habermann und Franz von Stuck, 1903 und 1904 hält er sich in Karlsruhe und in Düsseldorf auf. 1905 ist er Schüler bei Christian Landenberger in Stuttgart, seine wichtigste "Lehrzeit" aber verbringt Josef Eberz 1907-1912 an der Stuttgarter Akademie bei Adolf Hölzel. Dort lernt er die Malerin Gertrud Alber kennen, die er 1917 in Wiesbaden heiratet. 1914, 1917 und 1918 finden Kollektivausstellungen bei Hans Goltz in München statt. Selbst kein Kriegsteilnehmer, schafft Eberz während der ersten Kriegsmonate expressive Bilder und Bildskizzen mit Kriegsepisoden sowie die Folge "Kämpfe", 1915, mit 15 Lithografien, "Visionen", 1919, mit 13 Holzschnitten und "Nächtlicher Zirkus", 1919, mit 7 Holzschnitten, in denen er die seelischen Auswirkungen des 1. Weltkriegs verarbeitet. Ab 1918 ist der Künstler fest ansässig in München. 1919 beteiligt sich Josef Eberz an der Ausstellung der "Novembergruppe", Berlin, deren Mitglied er 1920 wird, und nimmt dann auch an den Ausstellungen 1924 und 1929 teil. 1919 zählt er mit M. Beckmann, K. Edschmid, L. Meidner und W. Michel zu den ersten Mitgliedern der Darmstädter Sezession. 1920 stellt er in der Galerie Flechtheim, Düsseldorf, aus. Außerdem nimmt er an der ersten Ausstellung der Künstlervereinigung "Das Junge Rheinland" in Düsseldorf teil. Der Wiesbadener Sammler Heinrich Kirchhoff wird sein Mäzen.

Unsere schöne Darstellung gibt die Wiener Tänzerin Beatrice Mariagraete wieder, die Josef Eberz im München der 1920er Jahre kennenlernt. Er malt die berühmte Tänzerin noch ein zweites Mal 1925 (vgl. Die Kunst, Monatsheft für freie und angewandte Kunst, Bd. 51, 1925, mit Abb. S. 349). Die Tänzerin im Harlekinskostüm ist mit gesenktem Blick ganz in sich gekehrt dargestellt. Der lasierende Farbauftrag unter Einbeziehung der Leinwand unterstreicht die ästhetische Wirkung des Gemäldes und verstärkt so den Eindruck einer sehr ätherischen Person, die leicht und beinahe schwebend erscheint. Georg Jacob Wolf schreibt dazu: "[..] Josef Eberz, dessen Bildnis der Tänzerin Mariagraete an die schönsten Impressionistengemälde gemahnt, dabei aber ganz eigen und viel innerlicher ist [..]" (ebenda). Josef Eberz unternimmt Anfang der 1920er Jahre mehrere Studienreisen nach Italien, in deren Folge er sich intensiv mit dem Fresko befasst. Wie in seinen Wandgemälden wendet der Künstler auch in unserem Werk den reizvollen Gegensatz von betonter Linienführung und weich gesetztem Kolorit an.

Der Künstler ist auch als Buchillustrator tätig, so z.B. zu Eichendorffs "Ahnung und Gegenwart" von 1920 (33 Radierungen) sowie Radierungen als Illustrationen zu Gedichten von Charles Baudelaire, 1922. Neben der Landschaft und dem Bildnis wählt Eberz als gläubiger Katholik vor allem auch die religiöse Monumentalmalerei als Ausdrucksmittel, es entstehen z.B. 1913 das Herz-Jesu-Bild in der Konviktskirche in Ehingen, 1914 die 14 Kreuzwegstationen für die Marienkirche in Kaiserslautern und 1931 das Marienfenster, ein Glasgemälde in der Frauenkirche in München. 1928 wird ihm noch der Professorentitel verliehen, dann aber werden nach 1933 fast ausnahmslos seine Kunstwerke in deutschen Museen beschlagnahmt. Josef Eberz stirbt am 27.August 1942 verarmt und an einer Herzschwäche leidend in München. [DB].

17
Josef Eberz
Tänzerin (Beatrice Mariagraete), 1923.
Öl auf Leinwand
Schätzung:
€ 25.000
Ergebnis:
€ 101.260

(inkl. 22% Käuferaufgeld)