Auktion: 345 / Modern Art / Kunst nach 45 am 04./05.06.2008 Lot 411

 
Rupprecht Geiger - 870/97 (Ultra Blau)


 
411
Rupprecht Geiger
870/97 (Ultra Blau), 1997.
Acryl auf Leinwand
Schätzung:
€ 20.000
Ergebnis:
€ 33.600

(inkl. 20% Käuferaufgeld)
Objektbeschreibung

870/97 (Ultra Blau). 1997.
Acryl auf Leinwand.
Dornacher/Geiger 874. Auf dem Keilrahmen signiert, betitelt, mit den Maßangaben und einem Richtungspfeil. 100 : 240 cm (39,3 : 94,4 in). Rupprecht Geiger wird 1908 als einziges Kind des Malers und Grafikers Willi Geiger in München geboren. 1924 geht die Familie für ein Jahr nach Spanien und bereits zu dieser Zeit beginnt Geiger zu zeichnen und zu aquarellieren. 1926 tritt er in die Architekturklasse von Eduard Pfeiffer an der Kunstgewerbeschule in München ein. 1935 absolviert Geiger das Schlussexamen als Architekt und verbringt ein halbes Jahr in Rom. Fortan arbeitet er in einem Münchner Architekturbüro, bis er 1940 eingezogen wird und an die Front nach Russland muss. Während seiner Einsätze in der Ukraine und Griechenland entstehen von Licht und Farbe beeinflusste Aquarelle. Nach Kriegsende kehrt Geiger nach München zurück und arbeitet dort wieder als Architekt. Sein erstes abstraktes Bild wird 1948 im "Salon des Réalistes Nouvelles" in Paris ausgestellt. Ein Jahr später gründet der Künstler zusammen mit Baumeister, Matschinsky-Denninghoff und Winter die Gruppe "ZEN 49". In den fünfziger Jahren findet Geiger zu den ihn kennzeichnenden abstrakten und farbintensiven Kompositionen. In den Jahren 1959 bis 1977 nimmt er mehrmals an der documenta in Kassel teil. Er gibt 1962 seine Tätigkeit als Architekt ganz auf, um sich ausschließlich der Malerei zu widmen. Drei Jahre später wird der Künstler als Professor an die Düsseldorfer Akademie berufen; die Professur nimmt er bis 1976 wahr. Seit 1982 ist Geiger Mitglied der Akademie der Schönen Künste in München.

Die Farbe nimmt im Werk Rupprecht Geigers eine absolute Dimension mit meditativem Potential ein. Im Laufe seiner langjährigen Schaffenszeit arbeitet der Künstler an der Loslösung der Farbe aus ihren traditionellen Bezügen und damit einhergehend an einer immer stärkeren Intensivierung ihres Eigenwertes. "Die Farbe des Himmels ist blau, die der Bäume und Wiesen grün. Eine Ewigkeit hat die gegenständliche Malerei Farbe so eingesetzt. Aber ich will Farbe frei haben, als Element auf sich gestellt, um all das zu erfahren, was sie an Qualität und Kraft ist, will als Maler Farbe unbeeinflußt, isoliert von der Umwelt, frei von jeder Illusion so sehen, wie sie wirklich ist" (Rupprecht Geiger, zit. nach: Künstler. Kritisches Lexikon der Gegenwartskunst, München 1988/92, S. 14). Das Blau unserer Arbeit stellt in Geigers Spätwerk, das von den Farben Rot, Gelb und Pink dominiert ist, eine Ausnahme dar. Es wird hier in einer Tiefe und Intensität verwendet, die zu pulsieren und die Bildform zu überschreiten scheint.

Rupprecht Geiger lebt und arbeitet in München. [NB]

PROVENIENZ: Privatsammlung Süddeutschland.

Partiell berieben mit sichtbaren Kratzspuren am linken Rand.

411
Rupprecht Geiger
870/97 (Ultra Blau), 1997.
Acryl auf Leinwand
Schätzung:
€ 20.000
Ergebnis:
€ 33.600

(inkl. 20% Käuferaufgeld)