Auktion: 535 / Evening Sale mit Sammlung Hermann Gerlinger am 09.12.2022 in München Lot 39

 

39
Erich Heckel
Landschaft bei Rom, 1909.
Öl auf Leinwand
Schätzpreis: € 400.000 - 600.000
+
Landschaft bei Rom. 1909.
Öl auf Leinwand.
Hüneke 1909-12. Vogt 1909-25. Links unten monogrammiert und datiert. Verso nochmals signiert und datiert. Auf dem Keilrahmen betitelt. 70 x 80,5 cm (27,5 x 31,6 in). [SM].

• Eines der wenigen erhaltenen Gemälde, die während Erich Heckels Italienreise 1909 entstehen.
• "Landschaft bei Rom“ zählt zu den herausragenden Höhepunkten seiner Italienreise und zu den Glanzstücken seiner frühen Malerei.
• Mit spontanen, ungezügelten Pinselstrichen fängt er die sonnenglühende Atmosphäre der italienischen Landschaft ein.
• Bedeutende Ausstellungshistorie, unter anderem ausgestellt in der wichtigen "Brücke"-Ausstellung in der Galerie Arnold in Dresden, 1910, sowie in der Tate Gallery in London, 1964
.

PROVENIENZ: Galerie Günther Franke, München (1953, wohl in Kommission aus dem Eigentum des Künstlers).
Edith und Berthold von Bohlen und Halbach (1953 wohl vom Vorgenannten erworben, auf dem Keilrahmen mit Etikett).
Galerie Peter Griebert, München.
Sammlung Hermann Gerlinger, Würzburg (1973 vom Vorgenannten erworben, mit dem Sammlerstempel Lugt 6032).

AUSSTELLUNG: Brücke, Galerie Ernst Arnold, Dresden, 1.9.-30.9.1910, Nr. 11.
Erich Heckel, Kestner-Gesellschaft Hannover, 15.1.-25.2.1919, Nr. 2. (auf dem Keilrahmen mit Etikett).
Erich Heckel, Kunstsalon Ludwig Schames, Frankfurt a. M., April 1919, Nr. 2.
Galerie Dr. Goldschmidt - Dr. Wallerstein, Berlin (um 1921/1926, verso mit dem Etikett. Im fraglichen Zeitraum stellt Heckel fünf Mal in der Galerie aus, Kataloge oder Werklisten sind nicht bekannt).
Erich Heckel, frühe und späte Bilder, Galerie Günther Franke, München, 6.1-28.2.1953, Nr. 1.
Erich Heckel, Städtisches Museum, Duisburg, 20.7.-1.9.1957, Nr. 12.
Brücke. Eine Künstlergemeinschaft des Expressionismus 1905-1913, Museum Folkwang, Essen, 12.10.-14.12.1958, Nr. 27.
Painters of the Brücke, Tate Gallery, London, 30.10.-6.12.1964, Nr. 8.
Freunde des Museums sammeln, Museum Folkwang, Essen, 20.4.-23.7.1972, Nr. 7.
Erich Heckel, Museum Folkwang, Essen, 18.9.-20.11.1983, Nr. 17.
Die Brücke in Dresden 1905-1911, Galerie Neue Meister, Dresden, 20.10.2001-6.1.2002, Nr. 308 (m. Abb.).
Die Brücke und die Moderne 1904-1914, Bucerius Kunst Forum, Hamburg, 17.10.2004-23.1.2005, Nr. 129.
Im Rhythmus der Natur, Landschaftsmalerei der "Brücke", Städtische Galerie, Ravensburg, 28.10.2006-28.1.2007, S. 74.
Expressiv! Die Künstler der "Brücke". Sammlung Hermann Gerlinger, Albertina Wien, 1.6.-26.8.2007, S. 132f.
Im Farbenrausch. Munch, Matisse und die Expressionisten, Museum Folkwang, Essen, 29.9.2012-13.1.2013, Nr. 35.

LITERATUR: Heinz Spielmann (Hrsg.), Die Maler der Brücke. Sammlung Hermann Gerlinger, Stuttgart 1995, S. 178, SHG-Nr. 202 (m. Abb.).
Hermann Gerlinger, Katja Schneider (Hrsg.), Die Maler der Brücke. Bestandskatalog Sammlung Hermann Gerlinger, Halle (Saale) 2005, S. 167, SHG-Nr. 376 (m. Abb.).

"Ich wohne 10 Minuten vor San Popolo, gleich zwischen meinem Haus und einem alten verfallenen Palazzo führt der Weg rechts zur Villa di Papa Giulia und durch den Arco oscuro zum Aqua acetosa durch die Weinberge und schöne Gärten und Felder an weichen Abhängen."
Heckel an Rosa Schapire am 16. April 1909.

Aufrufzeit: 09.12.2022 - ca. 18.16 h +/- 20 Min.

Eine Italienreise von Gewicht
Die im Frühjahr 1909 unternommene Reise nach Italien bedeutete für Erich Heckel die Entdeckung des Südens. Von Februar bis Juni bereiste der 26-jährige Künstler verschiedene Orte und Regionen, darunter Vicenza, Ravenna, Umbrien, die Toskana und Neapel. Sein erklärtes Hauptziel war Rom, wo der Maler ab Mitte April ein eigenes Atelier angemietet hatte. Tagesausflüge führten ihn von Rom aus in die Umgebung der Campagna und in die Albaner Berge. Heckels Faszination für das Land südlich der Alpen mündete in eine Vielzahl an Gemälden, Aquarellen, Zeichnungen und Druckgrafiken. Das Gemälde "Landschaft bei Rom" zählt dabei zu den herausragenden Höhepunkten der Italienreise und zu den Glanzstücken von Heckels früher Malerei. In Italien galt Heckels Interesse nicht den gängigen Sehenswürdigkeiten oder berühmten Baudenkmälern, sondern der Schilderung der ursprünglichen mediterranen Landschaft und dem Alltagsleben der Menschen. Seine Italienbilder bedienen damit weniger die klassisch-bildungsbürgerlichen Vorstellungen des südlichen Arkadiens als Idealwelt vergangener Kulturepochen, vielmehr wurden ihm Land und Leute zum formalen Experimentierfeld neuer, expressiver Ausdrucksmöglichkeiten. Mit raschem, ungestüm zupackendem Gestus von Pinsel und Zeichenfeder reagierte Heckel auf das Beobachtete und Erlebte.

"Landschaft bei Rom" als Erlebnisbericht
Das großformatige Leinwandbild entstand nachweislich vor Ort: Auskunft über die Entstehung des Gemäldes in seinem Atelier in Rom gab Heckel in einem Brief an die Hamburger Kunsthistorikerin und "Brücke"-Förderin Rosa Schapire vom 16. April 1909. Neben der darin enthaltenen Bildskizze mit Maßen und Farbangaben (Abb.) schilderte Heckel seine Situation mit den Worten: "Ich wohne 10 Minuten vor San Popolo, gleich zwischen meinem Haus und einem alten verfallenen Palazzo führt der Weg rechts zur Villa di Papa Giulia und durch den Arco oscuro zum Aqua acetosa durch die Weinberge und schöne Gärten und Felder an weichen Abhängen." Über seine künstlerische Arbeit und die landschaftlichen Eindrücke notierte er weiter: "Ich habe hier einiges gemalt und gezeichnet; noch sind die Weinberge rot und das Grün der Saat ist sehr intensiv, dazu steht so eine Vigna mit ein paar dunklen Pinien gut darin. Es ist ja fast immer sich gleich: reizvolle Linien der Hecken und Mauern, und Ackerfurchen und Feldgrenzen, die den Biegungen und Steigungen der Hügelabhänge folgen, sich anschmiegen und von anderen Hügeln überschnitten werden. […] Die letzten Tage waren wundervoll, blauer flimmernder Himmel und heisse Sonne, daher bin ich wohlauf und arbeite früh und nachmittag." (Zit. nach: Transkription des Briefes im Nachlass Erich Heckel, Hemmenhofen)

Die Natur eingefangen auf der Leinwand

Heckels licht- und farbdurchstrahlte Bildschöpfung "Landschaft bei Rom" atmet sein leidenschaftliches Erlebnis der südländischen Umgebung. Formatfüllend baut sich die Naturkulisse über Gärten, Felder, Weinberge, Hecken, Pinien und einzelne Gebäude mit hochgezogenem Horizont vor dem Betrachter auf. Grobe Pinselzüge und flächige Vereinfachungen, intensiv leuchtende Farbakkorde und ein dynamisch bewegter Malduktus prägen die vitale Expressivität der Darstellung. Durch die lebhafte Bildsprache teilt sich das unmittelbare Seherlebnis, aus dem Heckel den kraftvollen Ausdruck des Bildes gewonnen hatte, für den Betrachter sehr direkt und anschaulich mit. Dünnflüssige, weich gekurvte Pinselspuren, offene Partien des Malgrundes und die Beschränkung auf wenige, strahlkräftige Farbklänge verleihen dem Werk eine aquarellhaft aufgelockerte, skizzenhaft anmutende Leichtigkeit. Darin offenbart sich der Eindruck der farbgewaltigen und flächenvereinfachten Malerei der "Fauves", mit der Heckel und die "Brücke"-Künstler bei deren Ausstellung in der Dresdner Galerie Arnold im Herbst 1908 in Berührung gekommen waren. Dieser Impuls erhielt durch den Besuch der großen Matisse-Ausstellung im Januar 1909 in der Berliner Galerie von Paul Cassirer weitere Schubkraft. Heckels "Landschaft bei Rom" zeigt exemplarisch diesen vollzogenen Stilwandel.
Weiträumig breitet sich die facettenreiche Naturszenerie vor unserem Auge aus. Darin wird bereits Heckels besondere Vorliebe für den Typus der Überschaulandschaft von erhöhtem Standort deutlich, deren in die Tiefe wie in die Breite gespannte Perspektivlösung den kompositorischen Aufbau vieler späterer Reisebilder kennzeichnen sollte. Heckels Bildorganisation orientierte sich an der spezifischen Formstruktur der Landschaft, deren dichte und rhythmisch gestaffelte Topografie bisweilen fast dekorativ-ornamentale Wirkungsqualitäten bereithielt. Ein vergleichbares Motiv fing Heckel im Gemälde "Häuser bei Rom" (Abb.) ein.
Gesteigerte Intensität der Farbigkeit
In Italien führte Heckel seine Gemälde mit Leimfarben aus: "Diese selbe, farbstoffliche Wirkung hat das Fresko und die Leimfarbe. Ich selbst habe, als ich im Februar 1909 nach Italien fuhr, Leimfarben mitgenommen und einige Leimfarbenstudien auf Leinwand gemacht", erklärte er später gegenüber Max Sauerlandt die besondere, matte Oberflächentextur der Italienbilder (Brief vom 20. März 1924, Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg, Nachlass Max Sauerlandt). In Heckels Sicht auf die römische Landschaft transformiert sich die Naturform zur impulsiven Ausdrucksgebärde. Unter dem Eindruck der südlichen Sonne gewinnt die Farbigkeit eine gesteigerte Intensität. Mit vehement und virtuos gesetztem Pinselstrich feiert Heckels Gemälde die Schönheit und Eigenart der üppigen italienischen Vegetation und ländlichen Architektur. "Mein Ziel ist das auch, dekorative, ruhige Wirkung, aber auf der anderen Seite drängt alles nach Spontaneität und Leidenschaft", hatte er noch kurz vor Antritt der Reise gegenüber seinem schweizerischen "Brücke"-Kollegen Cuno Amiet erklärt (Brief vom 30. Januar 1909, zit. nach: Ausst.-Kat. Künstler der "Brücke", Brücke-Museum, Berlin 1975, S. 15).

Andreas Gabelmann



 

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