Auktion: 530 / Evening Sale / Sammlung Hermann Gerlinger am 10.06.2022 in München Lot 72

 

72
Katharina Grosse
Ohne Titel, 1994.
Acryl auf Leinwand
Schätzpreis: € 90.000 - 120.000
+
Ohne Titel. 1994.
Acryl auf Leinwand.
Verso auf der Leinwand signiert, datiert und mit einem Richtungspfeil bezeichnet. 163 x 244 cm (64,1 x 96 in). [CH].

• Das Jahrzehnt ihres Durchbruchs: In den 1990er Jahren werden Grosses Arbeiten in ersten Einzelausstellungen in renommierten Museen und Institutionen gezeigt.
• Teilnehmerin an der 56. Biennale di Venezia.
• Vergleichbare Arbeiten aus den 1990er Jahren sind bspw. Teil der Sammlungen der Deutschen Bank AG und der Sammlung zeitgenössischer Kunst der Bundesrepublik Deutschland.
• Groß angelegte Einzelausstellungen Katharina Grosses sind in den letzten Jahren bspw. im Hamburger Bahnhof Museum für Gegenwartskunst in Berlin, im Museum of Fine Arts in Boston, im HAM Helsinki Art Museum in Helsinki, im Museum Kunstpalast in Düsseldorf und im Museum Frieder Burda in Baden-Baden zu sehen.
• Seit 2017 gehört Grosse zum Künstlerkader der Gagosian Gallery und wird von der renommierten König Galerie vertreten
.

Wir danken dem Studio Katharina Grosse, Berlin, für die freundliche Auskunft.

PROVENIENZ: Privatsammlung.
Privatsammlung Süddeutschland (2009 vom Vorgenannten erworben).

LITERATUR: Helmut Friedel für die Stiftung Frieder Burda (Hrsg.), Ausst.-Kat. Katharina Grosse, Museum Frieder Burda, Baden-Baden, Köln 2016, S. 175 (Abb., S. 38).

"I need the brilliance of color to get close to people."
Katharina Grosse in einem Gespräch mit der Künstlerin Ati Maier, in: Bomb Magazine, 1.4.2011, http://bombmagazine.org/articles/katharina-grosse/.

Aufrufzeit: 10.06.2022 - ca. 19.22 h +/- 20 Min.

Als Meisterschülerin Gotthard Graubners findet Katharina Grosse schon in den 1980er Jahren an der Düsseldorfer Kunstakademie zu einer ungegenständlichen, auf die Wechselwirkungen von Farben konzentrierten Malerei. 1992 erhält sie den Villa-Romana-Preis und weilt für mehrere Monate in Florenz. In den darauffolgenden Jahren überwiegen in ihrer Palette vorwiegend die Gelb-, Blau-, Grün- und Rottöne, von denen meist eine einzelne Farbe die Bildfläche dominiert. In dem hier angebotenen, großformatigen Gemälde arbeitet die Künstlerin mit einem besonders einnehmenden Kalt-Warm-Kontrast. Mit unterschiedlicher Deckkraft legt Grosse mehrere Schichten von sattem Orange über kräftiges Blaugrün. Die Spuren des breiten Pinsels sind zum Teil ganz deutlich sichtbar, visualisieren den künstlerischen Schaffensprozess und verleihen dem Werk in Verbindung mit der Größe der Leinwand, der beeindruckenden Intensität und mal lasierenden, mal deutlich kräftigeren Deckkraft der Farben eine tatsächliche räumliche Präsenz, eine erhabene Sinnlichkeit und eine deutlich spürbare Anziehungskraft.

Ähnlich wie die schwarzen Übermalungen Kasimir Malewitschs ist auch Grosses Malerei ein sich wiederholender Prozess der Übermalung. In ihrem künstlerischen Handeln folgt die Künstlerin auch Malewitschs völlig verändertem Malereibegriff, des vollständig ausgelöschten, traditionellen Verständnisses von Bild und Abbild. So dient auch ihre Malerei nicht mehr der Hervorbringung einer bestimmten Illusion, stellt nicht mehr etwas dar, das der eigentlichen Wirklichkeit oder einer imaginierten Vorstellungswelt entspricht. Stattdessen bemüht sich die Künstlerin um die Aufhebung der Grenzen zwischen Bild und Realität und bringt in einem performativen Akt eine gänzlich neue Realität hervor: "What appears in the image field is not subordinate to existing reality, it constitutes that reality. I don’t interpret reality; I understand reality as a performative activity that generates itself newly and differently, again and again." (Katharina Grosse in einem Gespräch mit der Künstlerin Ati Maier, in: Bomb Magazine (online), 1.4.2011).

Aus den Leinwandarbeiten der 1990er Jahre, zu denen auch das hier angebotene Werk gehört, entwickeln sich in den darauffolgenden Jahren schließlich die Raummalereien, in denen Grosse die Farbe als monumentale, ausufernde Flächen auf Innen- und Außenwände aufträgt. Heute trägt Grosse ihre Malerei nicht nur auf Papier, auf Leinwände und andere tradierte Bildträger auf, sondern parallel dazu auch auf meterlange Stoffkonstruktionen, Möbel, Böden, Erdaufschüttungen, Wände und Fassaden. Auf diese Weise nimmt sie nun ganze Räume und Örtlichkeiten ein, die sich durch ihr künstlerisches Eingreifen in überdimensionale Installationen verwandeln. Mit dieser grenzüberschreitenden Kunst gilt Katharina Grosse heute als eine der bedeutendsten und renommiertesten Malerinnen ihrer Generation und der abstrakten Gegenwartskunst im Allgemeinen. Zu ihren meistbeachteten Einzelausstellungen der letzten Jahre gehören die Werkschauen im Hamburger Bahnhof, Museum für Gegenwart, Berlin und im Baltimore Museum of Art (2020), im chi K11 art museum in Schanghai (2018), im MoMA PS1 auf Long Island und im Museum Frieder Burda in Baden-Baden (2016), im Museum Kunstpalast in Düsseldorf (2014), im Kunstmuseum Bonn (2011), im MASS MoCA, Massachusetts (2010), und im Palais de Tokyo, Paris (2005). Zudem ist Katharina Grosse auf der Helsinki Bienniale im Helsinki Art Museum und mit ihrem Werk "Untitled Trumpet" 2015 auf der Biennale in Venedig vertreten. [CH]



 

Aufgeld, Steuern und Folgerechtsabgabe zu Katharina Grosse "Ohne Titel"
Dieses Objekt wird regel- oder differenzbesteuert angeboten.

Berechnung bei Differenzbesteuerung:
Zuschlagspreis bis 500.000 Euro: hieraus Aufgeld 32 %.
Auf den Teil des Zuschlagspreises, der 500.000 Euro übersteigt, wird ein Aufgeld von 27 % berechnet und zu dem Aufgeld, das bis zu dem Teil des Zuschlagspreises bis 500.000 Euro anfällt, hinzuaddiert.
Auf den Teil des Zuschlagspreises, der 2.500.000 Euro übersteigt, wird ein Aufgeld von 15 % erhoben und zu dem Aufgeld, das bis zu dem Teil des Zuschlagspreises bis 2.500.000 Euro anfällt, hinzuaddiert.
Das Aufgeld enthält die Umsatzsteuer, diese wird jedoch nicht ausgewiesen.

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Auf den Teil des Zuschlagspreises, der 500.000 Euro übersteigt, wird ein Aufgeld von 20 % erhoben und zu dem Aufgeld, das bis zu dem Teil des Zuschlagspreises bis 500.000 Euro anfällt, hinzuaddiert.
Auf den Teil des Zuschlagspreises, der 2.500.000 Euro übersteigt, wird ein Aufgeld von 15 % erhoben und zu dem Aufgeld, das bis zu dem Teil des Zuschlagspreises bis 2.500.000 Euro anfällt, hinzuaddiert.
Auf die Summe von Zuschlag und Aufgeld wird die gesetzliche Umsatzsteuer, derzeit 19 %, erhoben. Als Ausnahme hiervon wird bei gedruckten Büchern der ermäßigte Umsatzsteuersatz von derzeit 7 % hinzugerechnet.

Wir bitten um schriftliche Mitteilung vor Rechnungsstellung, sollten Sie Regelbesteuerung wünschen.

Berechnung der Folgerechtsvergütung:
Für Werke von Künstlern die vor weniger als 70 Jahren verstorben sind, fällt gemäß § 26 UrhG eine Folgerechtsvergütung in folgender Höhe an:
4% des Zuschlags ab 400,00 Euro bis zu 50.000 Euro,
weitere 3 % Prozent für den Teil des Zuschlags von 50.000,01 bis 200.000 Euro,
weitere 1 % für den Teil des Zuschlags von 200.000,01 bis 350.000 Euro,
weitere 0,5 Prozent für den Teil des Zuschlags von 350.000,01 bis 500.000 Euro und
weitere 0,25 Prozent für den Teil Zuschlags über 500.000 Euro.
Der Gesamtbetrag der Folgerechtsvergütung aus einer Weiterveräußerung beträgt höchstens 12.500 Euro.

Die Folgerechtsvergütung ist umsatzsteuerfrei.