Auktion: 518 / Kunst des 19. Jahrhunderts am 17.06.2021 in München Lot 16

 
16
Joseph Wopfner
An der Nordseeküste, 1906.
Öl auf Holz
Schätzung:
€ 8.000
Ergebnis:
€ 16.250

(inkl. 25% Käuferaufgeld)
Objektbeschreibung
An der Nordseeküste. 1906.
Öl auf Holz.
Holz 496. Links unten signiert, datiert und ortsbezeichnet "Münch.". Verso handschriftlich nummeriert und bezeichnet. 108 x 167 cm (42,5 x 65,7 in).

• Seltene Ansicht der Nordseeküste, an der sich Wopfner 1906 zum Malen aufhält.
• Eines der wenigen Gemälde, die die Eindrücke seiner Reisen abseits des Chiemsees dokumentieren.
• Außergewöhnlich großformatiges Werk, in dem die Weite der Küstenlandschaft erfahrbar wird.
• Beeinflusst von den frühimpressionistischen Seestücken Eugène Boudins aus der Normandie
.

PROVENIENZ: Sammlung Gustav Johann Werckenthin (Werckenthien), Hamburg (bis Januar 1937).
Nachlass Gustav Johann Werckenthin (Werckenthien), Hamburg (bis Juli 1937, Weinmüller München, 15.7.1937, eingeliefert von "Lewerenz").
Wohl Galerie Odeon, München (1937).
Privatsammlung Süddeutschland (seit zwei Generationen in Familienbesitz).

LITERATUR: Münchener Kunstversteigerungshaus Adolf Weinmüller, Gemälde des 19. und 20. Jahrhunderts, Sammlung G. Werckenthin, Hamburg, süddt. Privatbesitz, Versteigerung 15.7.1937, Los 100 (mit Abb.).

Essay
Den Großteil im Schaffen Josef Wopfners nehmen die Ansichten vom Chiemsee ein, den er im Jahr 1872 erstmals für seine Landschaftsmalerei entdeckt. Am Beginn seines künstlerischen Werdegangs führt ihn eine erste Studienreise ins Oberland und weiter nach Südtirol, wo er auf der Suche nach Motiven dieser frühen, in spätbiedermeierlichem ruhigen Duktus gehaltenen Landschaften ist. Im September 1868 kommt er mit Franz Defregger, Nikolaus Gysis und Eduard Kurzbauer in Kontakt, die ihren Professor an der Münchner Akademie, Karl von Piloty, zur Aufnahme Wopfners bewegen. Dessen Klasse besucht er bis 1872 und trifft dort auf den jungen Wilhelm Leibl, den er noch von seinen allerersten Studienjahren an der Münchner Akademie kennt. Als bedeutender Maler der Münchner Schule sind die Gemälde Wopfners Zeugnis einer charakteristischen Landschaftsauffassung: Weder die reine Landschaft ohne menschliche Staffage noch deren genrehafte, erzählerische Ausgestaltung sind künstlerisch für ihn von Interesse. Ähnlich dem „rein Malerischen“ des Leibl-Kreises, der sich zu Beginn der 1870er Jahre formiert, steht neben dem Motiv der künstlerische Ausdruck, der sich vor allem in der variantenreichen Farbhandschrift ausdrückt, im Vordergrund. Eine Reise nach Frankreich, die Wopfner 1887 unternimmt, erweitert sein künstlerisches Repertoire jedoch nur kaum merklich. Ein weiteres Mal begibt er sich 1903 in das Nachbarland, wo er sich ein Jahr lang aufhält und über die Normandie nach London reist. Impressionistische Tendenzen werden in seinem Werk deutlicher, darunter nicht nur die Malweise, sondern auch die Motivwahl, die sich hier den weiten, lichterfüllten normannischen Küstenlandschaften Eugène Boudins annähert. Vor allem die Gestaltung des weiten Himmels mit Licht, Luft und Wolken gelingt Wopfner auf beeindruckende Weise - dennoch verliert er nicht sein Interesse am Menschen, wie den Krabbenfischern, die im Vordergrund ihr Boot auf das ruhige Meer hinausschieben. [KT]
16
Joseph Wopfner
An der Nordseeküste, 1906.
Öl auf Holz
Schätzung:
€ 8.000
Ergebnis:
€ 16.250

(inkl. 25% Käuferaufgeld)