Auktion: 519 / Kunst nach 1945 / Zeitg. Kunst II am 19.06.2021 in München Lot 552

 
552
Georg Baselitz
Ohne Titel, 1998.
Aquarell und Tuschfederzeichnung
Schätzung:
€ 35.000
Ergebnis:
€ 75.000

(inkl. 25% Käuferaufgeld)
Objektbeschreibung
Ohne Titel. 1998.
Aquarell und Tuschfederzeichnung.
Unten mittig signiert und schwer leserlich datiert "3.IV.98". Auf leichtem Karton. 82 x 58 cm (32,2 x 22,8 in), blattgroß.

• Erstmals auf dem internationalen Auktionsmarkt angeboten.
• Als damalige Inspirationsquelle dient dem Künstler die Volkskunst der Hinterglasmalerei, mit der er bereits in seiner Kindheit in Deutschbaselitz/Sachsen in Berührung kommt.
• Charakteristische Komposition aus freier Aquarellmalerei und feingliedriger Tuschfederzeichnung.
• Im selben Jahr entsteht die Werkserie "Melancholie" für den Berliner Reichstag
.

Die vorliegende Arbeit ist im Archiv Georg Baselitz, München, verzeichnet. Wir danken dem Archiv für die freundliche Auskunft.

PROVENIENZ: Privatsammlung Niedersachsen.
Privatsammlung Niedersachsen (2004 vom Vorgenannten erworben).

Essay
Schon seit 1969 stehen die Motive in den Arbeiten von Georg Baselitz auf dem Kopf, ein Kunstgriff, der bis heute als Markenzeichen des Künstlers gilt und mit dem er zu einem ganz eigenen, heute charakteristischen Kunstschaffen zwischen Abstraktion und Figuration gelangt. Seine oftmals großformatige Malerei befreit er auf diese Weise von ihrer Abhängigkeit von der realen Welt. Das Bild soll ausschließlich als Kunstwerk, nicht als Abbild der Natur wahrgenommen werden. Den klassischen Gattungen innerhalb der Malerei haucht Baselitz mit seinem Schaffen neues Leben ein, denn das Auf-den-Kopf-Stellen der Motive eröffnet neue Wahrnehmungsmöglichkeiten und Perspektiven auf Porträts, Figurenkompositionen, Landschaften und Akte. Der Künstler erreicht eine Verfremdung, Abstrahierung und Neutralisierung seiner gegenständlichen Bildinhalte, die sich auch an der hier angebotenen Arbeit nachvollziehen lassen. Die Figur im undefinierten Raum scheint plötzlich zu schweben und verliert in ihrer Leichtigkeit ein Stück weit ihre physische, anatomische Körperlichkeit. Erst nach eingehender Betrachtung lassen sich die fast gestischen, zarten Linien der Tuschfederzeichnung in Verbindung mit der lasierenden Aquarellfarbe vor dem geistigen Auge zu einer figürlichen Komposition zusammensetzen.

Georg Baselitz gilt heute als einer der bedeutendsten und erfolgreichsten Vertreter der zeitgenössischen, figurativen Malerei. Seine herausragende, erfolgreiche künstlerische Karriere erstreckt sich bereits über fünf Jahrzehnte. 1972, 1977 und 1982 ist er mit seinen Arbeiten bei der documenta in Kassel vertreten. 1980 stellt er als Bildhauer bei der Biennale in Venedig aus, 2015 mit seiner großformatigen Gemäldeserie "Avignon". Insbesondere nach der Jahrtausendwende werden die Arbeiten des Künstlers in bedeutenden internationalen Museen und Institutionen gezeigt. 2008 widmen ihm u. a. die Royal Academy of Arts in London und das National Museum of Contemporary Art in Seoul anlässlich seines 70. Geburtstags umfassende Einzelausstellungen. 2014/15 ehrt ihn das Haus der Kunst in München mit der großen Schau "Damals, dazwischen und heute". 2016 wird die Wanderausstellung "Die Helden" u. a. im Städel Museum in Frankfurt a. M., im Museo Guggenheim in Bilbao und im Moderna Museet in Stockholm gezeigt. 2017/18 präsentieren die Fondation Beyeler in Riehen/Basel und das Hirshhorn Museum and Sculpture Garden in Washington, D.C., eine groß angelegte Retrospektive seines eindrucksvollen Œuvres. [CH]
552
Georg Baselitz
Ohne Titel, 1998.
Aquarell und Tuschfederzeichnung
Schätzung:
€ 35.000
Ergebnis:
€ 75.000

(inkl. 25% Käuferaufgeld)