Auktion: 512 / Klassische Moderne II am 12.12.2020 in München Lot 455

 
455
Marcel Duchamp
Neuf Moules Mâlic, 1937/38.
Multiple. Lichtdruck auf Zelluloid mit von Hand...
Schätzung:
€ 30.000
Ergebnis:
€ 100.000

(inkl. 25% Käuferaufgeld)
Objektbeschreibung
Neuf Moules Mâlic. 1937/38.
Multiple. Lichtdruck auf Zelluloid mit von Hand aufgebrachter Pochoir-Kolorierung, unter Aufsicht des Künstlers wohl im Atelier Jean Saudé ausgeführt.
Schwarz 328b. Rechts unten signiert, datiert "37" und nummeriert. Eines von 9 Exemplaren. 18 x 27 cm (7 x 10,6 in). Gesamt: 23,7 x 33,6 x 6,3 cm (9,3 x 13,2 x 2,5 in).
1964 im Aluminiumrahmen montiert und herausgegeben von der Cordier & Ekstrom Gallery, New York.
Die Dublierung wurde wohl von Duchamp im Jahr 1964 aufgebracht um die Transparenz der Pochoirs auf Folie zu reduzieren. Der Association Marcel Duchamp sind 2 doublierte Arbeiten bekannt.
• Verkleinerte Reproduktion der Vorstudie (Musée national d'art moderne, Centre Pompidou, Paris) zu einem der bedeutendsten Werke Duchamps, "La Mariée mise à nu par ses célibataires, même (Le Grand Verre)", ausgeführt 1915-1923 (Philadelphia Museum of Art)
• Erste Skizzen zu unserem Werk entstehen in der die Kunst revolutionierenden Zeit ab 1913, in die auch die ersten Readymades wie der berühmte Flaschentrockner von 1914 und das Fahrrad-Rad von 1915 fallen
• Das Motiv des männlichen Prinzips, hier verkörpert durch die angedeuteten Uniformen, ist einer der zwei zentralen Pole in dem Hauptwerk, mit dem sich Duchamp acht Jahre lang auseinandersetzt
.

PROVENIENZ: Privatsammlung Süddeutschland.

LITERATUR: Not Seen and/or Less Seen of/by Marcel Duchamp/Rrose Sélavy, 1904-64, 14.1.-13.2.1965, Nr. 79 (Exemplar 1/9).
Marcel Duchamp, Ausst.-Kat. Museum Ludwig, Köln, 27.6.-19.8.1984, S. 132f.

Essay
Eine große und erste Version von Neuf Moules Mâlic (Musée national d'art moderne, Centre Pompidou, Paris) entsteht im Rahmen der Konzeption zu einem der bekanntesten und bedeutendsten Werke Marcel Duchamps, „La Mariée mise à nu par ses célibataires, même“ (oder „Le Grand Verre“, 1915-1923, Philadelphia Museum of Art). Bei seiner Auswanderung in die USA nimmt Duchamp diese erste Version mit, um an seinem langwierigen, letztlich als unvollendet bezeichneten „Grand Verre“ weiterzuarbeiten. Die im unteren Teil dieser Arbeit angeordneten Célibataires (Junggesellen) entwirft Duchamp ab 1913 in zahlreichen Skizzen und Zeichnungen. Das männliche Prinzip visualisiert er in den neun unterschiedlichen Berufsgruppen und deren stilisierten Uniformen, die als leere Hüllen, als Modelle oder „Gussformen“ aufgehängt erscheinen: als Kürassier, Gendarm, Lakai, Lieferjunge, Jäger, Priester, Bestatter, Polizist und Bahnhofsvorsteher. Diese männlichen Figuren repräsentieren in „Le Grand Verre“ eine Art energetische Zentrale, einen Motor, der diese Maschine des Verlangens und des Lebens in Gang setzt, die den Fluss unsichtbarer Energien verdeutlicht, verbunden über ihre Energie leitenden Drähte mit der Sphäre der Braut oder dem weiblichen Prinzip. Duchamp stellt vor allem in seinem frühen Schaffen immer wieder die Frage nach Original und Reproduktion. So entsteht bereits um 1914 in der grundlegenden Phase seiner kunsttheoretischen Reflexionen die Idee der „Boîte en valise“, eines Kompendiums an Faksimiles und Reproduktionen der im Rahmen von „Le Grand Verre“ entstandenen Skizzen, Zeichnungen und Notizen. Ab 1936 fertigt er für die „Boîtes en valise“ ebenfalls Miniaturversionen früherer Werke an, die somit über ihre tatsächliche Werkpräsenz hinaus zusätzlich einem konzeptuellen Bereich im Kunstverständnis Duchamps zuzuordnen sind. [KT]
455
Marcel Duchamp
Neuf Moules Mâlic, 1937/38.
Multiple. Lichtdruck auf Zelluloid mit von Hand...
Schätzung:
€ 30.000
Ergebnis:
€ 100.000

(inkl. 25% Käuferaufgeld)