Auktion: 498 / Kunst des 19. Jahrhunderts am 18.07.2020 in München Lot 572

 
572
Charles Johann Palmié
Am Karlstor, München, 1907.
Öl auf Leinwand
Schätzpreis: € 6.000 - 8.000
+
Objektbeschreibung
Am Karlstor, München. 1907.
Öl auf Leinwand.
Links unten signiert, datiert und ortsbezeichnet. Verso auf dem Rahmen mit alten, teilweise fragmentierten Etiketten, eines davon mit Tusche bezeichnet und betitelt; sowie mit teilweise verblichenen handschriftlichen Nummerierungen. 73 x 83 cm (28,7 x 32,6 in).
Im originalen Künstlerrahmen.

PROVENIENZ: Privatbesitz Baden-Württemberg (seit mindestens drei Generationen in Familienbesitz).

Aufrufzeit: 18.07.2020 - ca. 18.12 h +/- 20 Min.

Essay
Charles Johann Palmié beginnt seine künstlerische Laufbahn mit einer Lehre als Dekorationsmaler und studiert anschließend an der Dresdner Akademie. 1884 siedelt er nach München über, wo er als Schüler von August Fink seine künstlerische Ausbildung vollendet. Palmié gehört zur Münchner "Luitpold-Gruppe", die sich 1892 von der Münchner Künstlergenossenschaft abspaltet. Zudem ist er 1909 Gründungsmitglied der Neuen Künstlervereinigung München unter dem Vorsitz von Wassily Kandinsky, doch tritt er noch vor der ersten gemeinsamen Ausstellung im Winter 1909 wegen künstlerischer Differenzen aus. Zwei Jahre später stirbt er 1911 in München. Große Berühmtheit erlangt der Künstler vor allem durch seine Landschaftsdarstellungen, zu denen er sich durch Reisen in die Alpen, in die Ebenen des Altmühltals, der Wörnitz und der Donau inspirieren lässt. Aus der Tradition der Freilichtmalerei des Biedermeiers kommend, wendet er sich später dem Impressionismus und Pointillismus zu. Unverkennbar ist auch hier der Einfluss der französischen Impressionisten in Bezug auf die Motivwahl einer Stadtansicht, der Perspektive von oben und dem tupfenhaften Pinselduktus, vorformuliert in deren Darstellungen der Pariser Boulevards. Vermutlich kennt Palmié deren Gemälde, die erstmals 1891 auf der Ausstellung im Münchner Glaspalast präsentiert werden - darunter vier von Claude Monet, Seestücke und eine winterliche Landschaft. Bereits 1883 schreibt der französische Kunstkritiker Joris-Karl Huysmans über die sogenannte „Indigomanie“ von Impressionisten wie Claude Monet und Gustave Caillebotte, deren Palette bei der Wiedergabe atmosphärischer Stimmungen sich oft in blau-violetten Tönen bewegt. Palmié nutzt hier ein ähnliches Farbspektrum bläulich-kühler Töne und schafft mit seiner Ansicht des winterlich verschneiten Karlsplatzes eine zauberhafte abendliche Stadtansicht von einem der damals schon betriebsamsten Plätze Münchens. Gut zu erkennen sind die wenige Jahre zuvor fertiggestellten neobarocken Rondellbauten des bekannten Münchner Architekten Gabriel von Seidl mit den im Zweiten Weltkrieg zerstörten Kuppelaufbauten, links lässt sich noch einer der zwei kleinen Pavillons der ebenfalls nicht mehr existierenden Trambahnhaltestellen erkennen. Im Hintergrund erscheint schemenhaft das Wahrzeichen Münchens mit den beiden Kuppeln der Frauenkirche. In der in lockeren Pinselstrichen wiedergegebenen Atmosphäre beginnen sich die Passanten, Lichtreflexe und festen Konturen der Architektur im abendlichen Zwielicht des Schneetreibens aufzulösen und in einem flüchtigen Eindruck zu vermischen. [KT]
 


Aufgeld, Steuern und Folgerechtsabgabe zu Charles Johann Palmié "Am Karlstor, München"
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