Auktion: 496 / Evening Sale am 06.12.2019 in München Lot 118

 
118
Karl Hofer
Tropisches Bad, Um 1913.
Öl auf Leinwand
Nachverkaufspreis: € 75.000
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Objektbeschreibung
Tropisches Bad. Um 1913.
Öl auf Leinwand.
Wohlert 257. Rechts unten monogrammiert. 64 x 68 cm (25,1 x 26,7 in).

• Eine der seltenen, exotischen Kompositionen, die im Zuge von Hofers Indienreise entstanden sind.
• Leuchtende, frühe Arbeit, die durch die besondere Geschlossenheit der Komposition überzeugt.
• Bis 1937 war die Arbeit Bestandteil der Sammlung des Wallraf-Richartz-Museums, Köln (es bestehen keine Restitutionsansprüche)
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PROVENIENZ: Max Meirowsky, Köln (bis 1922).
Wallraf-Richartz-Museum, Köln (als Geschenk vom Vorgenannten, 1922-1937).
Staatsbesitz (1937-1940, EK-Nummer 14782).
Galerie Fischer, Luzern, Gemälde und Plastiken moderner Meister aus deutschen Museen, 30.6.1939, Los 49, mit Abb. (unverkauft).
Bernhard A. Böhmer, Güstrow (1940).
Wohl Nachlass Bernhard A. Böhmer, Güstrow (1945).
Wohl Wilma Zelck, Rostock/Berlin/Hamburg (Verwalterin des vorgenannten Nachlasses).
Privatsammlung Norddeutschland (wohl durch Kauf von Vorgenannter).
Seither in Familienbesitz.

AUSSTELLUNG: Mai-Ausstellung, Kunsthalle Basel, Basel 1916, S. 10, Nr. 118.
Carl Hofer, Erna Pinner, Albert Spethmann, Kunstsalon Ludwig Schames. Frankfurt a. M. 1917, Faltblatt, Nr. 6.

LITERATUR: (in Auswahl)
www.geschkult.fu-berlin.de/e/db_entart_kunst/datenbank (EK-Nr.: 14782).
Museum der Gegenwart, 2. 1931/32, Heft 3, S. 135.
Galerie Theodor Fischer, Luzern, Auktionskat. 30. Juni 1939, S. 30, Nr. 49, mit Abb. S. 31.
Kunstpreisverzeichnis, 1.1939/40, S. 38, Nr. 40.
P. O. Rave, Kunstdiktatur im Dritten Reich, Hamburg 1949, S.84.
Franz Roh, "Entartete" Kunst, Kunstbarbarei im Dritten Reich, Hannover 1962, S. 210.
Evelyn Weiss, Katalog der Gemälde des 20. Jahrhunderts, die älteren Generationen bis 1915 im Wallraf-Richartz-Museum - mit Teilen der Sammlung Ludwig - und im Kunstgewerbemuseum, Köln 1974, S. 189, Abb. 317.
Uta Gerlach-Laxner, die "Entartete Kunst" im Wallraf-Richartz-Museum und die Kunstpolitik der Nationalsozialisten, in: Kölner Museums Bulletin, H. 4,1987, S. 15 u. 22.
Stephanie Barron (Hrsg.), "Entartete Kunst". Das Schicksal der Avantgarde im Nazi-Deutschland, Ausst.-Kat. Berlin, Deutsches Historisches Museum, Berlin 1992. S. 157.
Gesa Jeuthe, Die Moderne unter dem Hammer. Zur "Verwertung" der "entarteten" Kunst durch die Luzerner Galerie Fischer 1939, in: Uwe Fleckner (Hrsg.), Angriff auf die Avantgarde. Kunst und Kunstpolitik im Nationalsozialismus, Berlin 2007, S. 189-305, S. 273.
"Ich konnte mich nicht sattsehen an den wechselnden Eindrücken von Land und Menschen. Das alles beherrschende dieser Küste ist die Kokospalme, deren zierlich-graziöse Wedel beim leisesten Lüftchen erzittern. Die Erde dieses Gebietes ist leuchtend-rot, ein Rot, das sich bei untergehender Sonne zu reinem Zinober steigern kann."
Karl Hofer, 1953, zit. nach: Karl Hofer, Ausst.-Kat. Kunsthalle Emden 2012, S.18.

Essay
Sein gesamtes künstlerisches Schaffen hat Karl Hofer der Darstellung des Menschen gewidmet. Sein zeitloser, melancholisch-entrückter Blick auf den Menschen sollte Hofer schnell berühmt machen und hat ihm schließlich bis heute einen festen Platz in der deutschen Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts eingebracht. Zu seinen Lebzeiten aber war seine Malerei gleich nach dem Höhepunkt seines künstlerischen Erfolges der Kunstkritik der Nationalsozialisten ausgesetzt, bevor sie nach Kriegsende aufgrund der aufkommenden abstrakten Tendenzen bald schon als rückständig verstanden werden sollte. Selten sind heute leider Karl Hofers Figurenbilder, die im Zuge seiner beiden Indienaufenthalte entstanden sind und für Hofers einzigartigen Figurenstil in entscheidender Weise prägend sind. Fast wie eine Beschreibung unseres Gemäldes "Tropisches Bad" wirken die von Hofer 1953 rückblickend geschilderten Erinnerungen an seinen ersten Indienaufenthalt, in denen er die "zierlich-graziöse Wedel" der Kokospalme neben der leuchtend roten Erde als das beherrschende Motiv der indischen Küste beschreibt. Im Oktober 1910 bricht Hofer zu seiner ersten, fünf Monate dauernden Indienreise auf, die ihm finanziell durch die Förderung des Schweizer Fabrikanten und Sammlers Theodor Reinhart ermöglicht wird. Die meisten der dort entstandenen Bilder hat Hofer jedoch offenbar noch vor seiner Rückreise nach Deutschland zerstört. Im Februar 1913 bricht er dann ein weiters Mal nach Indien auf. Im Kontext dieser zweiten Reise und der in Indien gewonnenen Eindrücke muss das leuchtende Gemälde "Tropisches Bad" entstanden sein, das aufgrund seiner besonderen Geschlossenheit der Komposition überzeugt. Der künstlerische Fokus liegt hier nicht allein auf der Schilderung des menschlichen Aktes, sondern vielmehr auf der eindrucksvollen formalen Harmonie, welche die menschlichen Körper mit der sie umgebenden exotischen Landschaft eingehen. Souverän hat Hofer mit dem Rot des Turbans und dem rötlichen Ton der Küste farbliche Akzente gesetzt und damit die exotischen Elemente der Komposition neben den Palmwedeln farblich ins Zentrum gerückt. Bereits seit 1922 befand sich das Gemälde "Tropisches Bad" in der Sammlung des Wallraf-Richartz-Museums in Köln, wo es 1937 von den Nationalsozialisten als "entartet" beschlagnahmt wurde. Der Aktion "Entartete Kunst" fiel ein Großteil von Hofers Gemälden im Museumsbesitz zum Opfer. Viele der beschlagnahmten Werke wurden zerstört oder aber, etwa über die Galerie Fischer in Luzern oder Kunsthändler wie Böhmer und Gurlitt, gegen Devisen ins Ausland verkauft. Umso erfreulicher ist es, dass das vorliegende, frühe Hofer-Gemälde bald nach Kriegsende in eine norddeutsche Privatsammlung übergegangen ist, in deren Familienbesitz es sich bis heute befindet. [JS]
 


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