Auktion: 496 / Evening Sale am 06.12.2019 in München Lot 116

 
116
Alexej von Jawlensky
Ascona (Variation), Ca. 1919.
Öl
Schätzung:
€ 100.000
Ergebnis:
€ 143.750

(inkl. 25% Käuferaufgeld)
Objektbeschreibung
Ascona (Variation). Ca. 1919.
Öl auf leinwandstrukturiertem Papier auf Malpappe montiert.
Jawlensky/Pieroni-Jawlensky 1107. Weiler 676. Unten links monogrammiert. 35,7 x 27,3 cm (14 x 10,7 in) , blattgroß.

• Aus der Werkreihe der ersten Serie "Variation" über ein landschaftliches Thema.
• Motivische Elemente in Erinnerung an St. Prex.
• Auf die Jahreszeit und innere Befindlichkeit des Künstlers bezogene helle Lichtstimmung.
• Das Gemälde war auf der ersten Biennale von Venedig nach dem Ersten Weltkrieg 1920 ausgestellt, auf der erstmals auch zeitgenössische Künstler präsentiert werden
.
Wir danken Frau Dr. Ulrike Schmiegelt-Rietig, Museum Wiesbaden, und Herrn Dr. Roman Zieglgänsberger, Museum Wiesbaden, für die freundliche wissenschaftliche Beratung.

PROVENIENZ: Sammlung Dr. Max Kugel, Wiesbaden (wohl direkt vom Künstler erworben, bis 1954).
Magdalene Kugel, Wiesbaden (1954, durch Erbschaft vom Vorgenannten).
Galerie Großhennig, Düsseldorf.
Sammlung Jan Ahlers, Herford (1972 oder 1974 vom Vorgenannten erworben).
Sammlung Firmengruppe Ahlers.
Privatsammlung Schweiz.

AUSSTELLUNG: XII Esposizione Internazionale d'Arte della Città di Venezia, 15.4. - 31.10.1920 Venedig 1920 (verso auf der Rahmenrückpappe mit einem Etikett hier betitelt "N.26 de la Serie variations sur un Thème").
Alexej von Jawlensky, Neues Museum Wiesbaden, 1954, Nr. 58.
Moderne Kunst aus Wiesbadener Privatbesitz, Städtisches Museum, Wiesbaden 10.7.-25.8.1957, Kat.-Nr. 83.
Galerie Wilhelm Grosshenning, Düsseldorf.
Expressionistische Bilder - Sammlung Firmengruppe Ahlers, Kunsthalle Emden 26.11.1994, Kunsthalle Bielefeld 12.3-7.5.1995, Schirn Kunsthalle, Frankfurt 13.12.1995-18.2.1996, Germanisches National Museum, Nürnberg 23.10.1996-16.2.1997 (verso auf der Rahmenrückpappe jeweils mit einem Etikett)
Duitse Expressionisten, Singer Museum Laren 27.3.-14.6.1998, Kat.-Nr. 916 (verso auf der Rahmenrückpappe mit einem Etikett).

LITERATUR: Clemens Weiler, Alexej von Jawlensky. Der Maler und Mensch, Wiesbaden 1955, Nr. 31, m. Abb.
Dora Vallier, Geschichte der Malerei 1870-1949, Köln 1963, Abb. S. 263.

Essay
Die "Variationen" von Alexej Jawlensky sind das Hauptmotiv während seines Aufenthalts in St. Prex am Genfer See. Er ist durch den Ausbruch des Ersten Weltkrieges gezwungen, binnen kürzester Zeit Deutschland zu verlassen, gemeinsam mit Marianne von Werefkin und Helene Nesnakomoff lässt er sich hier am Genfer See nieder. Es ist der Blick aus dem Fenster seines kleinen, provisorisch anmutenden Atelier-Zimmers, der den "Variationen" zugrunde liegt. Das Farbenspiel im Wechsel der Tages und Jahreszeiten hält ihn gefangen. In seinem meditativen und dabei auch systematischen Vorgehen variiert er den Ausblick: Es entstehen die berühmten "Variationen". Schon 1915 sind die einzelnen Bäume, Büsche und der Weg in farbige Bereiche nahezu abstrakter Felder verwandelt. Jawlenskys "Variationen" lösen sich aber nie in reine Abstraktionen auf. Und gerade deswegen sind sie so interessant. Unser Werk sticht durch eine etwas versetzte Perspektive aus der üblichen Bildgestaltung heraus. Das große Oval, sonst immer links im Bild, ist hier in die Mitte gesetzt. Eigentlich ist dies eine Zypresse, an der rechts ein Weg vorbeiführt, der von Jawlenskys Fenster aus zu sehen ist. In unserer "Variation" sind die realen Gegebenheiten und Anordnungen zugunsten einer komponierten Lösung in den Hintergrund getreten. Jawlensky hat einen beinahe symmetrischen, in sich ruhenden Bildaufbau gefunden. Interessanterweise versieht er diese "Variation" mit der Bezeichnung "Ascona". So mag dieses Werk für die Ruhe stehen, die er in seinem Exil am Genfer See doch auch gefunden hat. [EH]
116
Alexej von Jawlensky
Ascona (Variation), Ca. 1919.
Öl
Schätzung:
€ 100.000
Ergebnis:
€ 143.750

(inkl. 25% Käuferaufgeld)