Auktion: 496 / Evening Sale am 06.12.2019 in München Lot 174

 
174
Günther Uecker
Stamm, 1998.
Schätzung:
€ 100.000
Ergebnis:
€ 125.000

(inkl. 25% Käuferaufgeld)
Objektbeschreibung
Stamm. 1998.
Nägel, Farbe und Leinwand auf Holzstamm.
Signiert und datiert. Höhe: ca. 108 cm (42,5 in).
Weitere Abbildungen und ein Video dieses Werkes finden Sie auf unserer Homepage.
• Imposantes Werk von brandaktueller Eindringlichkeit.
• Kreativer Akt an einem ,bandagierten' Baumstumpf
• Krönung und Abschluß der Werkgruppe durch die Integration der ,heilenden' Leinwände.
• Weiß getränkte Leinwand mit mystischer Wirkung als Symbol der Linderung.
• Kapitale Skulptur Ueckers; handwerklich meisterhaft ausgeführt
.
Dieses Werk ist im Uecker Archiv unter der Nummer GU.98.007 registriert und wird vorgemerkt für die Aufnahme in das entstehende Uecker-Werkverzeichnis.

PROVENIENZ: Edith Wahlandt Galerie, Stuttgart.
Privatsammlung Baden-Württemberg (vom Vorgenannten erworben).

"Die Kunst kann den Menschen nicht retten, aber mit den Mitteln der Kunst wird ein Dialog möglich, welcher zu einem den Menschen bewahrenden Handeln aufruft."
Günther Uecker, 1983, zit. nach: Kritisches Lexikon der Gegenwartskunst, S. 2.

Essay
Bei aller öffentlicher Begeisterung für die Nagelkunst Günther Ueckers ist leider vielmals nicht nur der enorme Facettenreichtum, sondern auch die naturverbundene Aussage seines künstlerischen Schaffens in den Hintergrund geraten. Nirgends aber ist diese wohl deutlicher zum Ausdruck gelangt als in Ueckers Übernagelung von Baumstämmen. Seit den 1970er Jahren thematisiert Uecker in seinem Werk die Zerstörung und Vernichtung der Natur durch den Menschen. Arbeiten wie "Kunstpranger" von 1984, bei der eine alte, gefällte Ulme mit 130 Kilogramm Nägeln bespickt wird, demonstrieren offensiv gegen das Waldsterben. Dieser Arbeit schließen sich mehrteilige Nagelwälder an, mit denen Uecker im Jahr seiner Russlandreise 1984 beginnt und deren Erstellung vermutlich durch die Reaktor-Katastrophe von Tschernobyl für Uecker in den Folgejahren noch zunehmend an Bedeutung gewinnt. Im Kontext dieser Werkgruppe ist auch die hier angebotene Skulptur aus einem teilweise mit Asche und Leim bedeckten sowie mit langen Zimmermannsnägeln bekrönten Baumstamm zu sehen. Massiv und imposant bäumt sie sich vor dem Betrachter auf und wird zu einem grandiosen Mahnmal der verletzten Natur. Gerade durch das nachträgliche Bandagieren des mit massiven Nägeln verwundeten Baumstammes wird in der vorliegenden Arbeit nicht nur die Verletzlichkeit, sondern auch die Notwendigkeit der Heilung besonders betont. Günther Uecker, der auf der kargen Ostseehalbinsel Wustrow seine Kindheit verbracht hat, möchte hinweisen auf die vom Menschen ausgehenden Bedrohungen der Natur, möchte sichtbarmachen, anprangern und wachrütteln. Wenn dieses Thema natürlich auch Ueckers späten Nagelbildern und "Verletzungen" inhärent ist, so tritt es doch am unmittelbarsten in seinen von jeglicher formal-ästhetischen Tradition befreiten Nagelbäumen zu Tage. Wohl auch deshalb war ein siebenteiliger Wald aus dem Jahr 1988 prominenter Bestandteil der umfassenden Werkschau "Günther Uecker. Zwanzig Kapitel", die 2005 im Martin-Gropius-Bau und der Neuen Nationalgalerie in Berlin zu sehen war. [JS]
174
Günther Uecker
Stamm, 1998.
Schätzung:
€ 100.000
Ergebnis:
€ 125.000

(inkl. 25% Käuferaufgeld)