Auktion: 495 / Kunst nach 1945 / Zeitgenössische Kunst am 07.12.2019 in München Lot 242

 
242
Otto Piene
Dark Love, 1975/1986.
Öl
Schätzung:
€ 30.000
Ergebnis:
€ 37.500

(inkl. 25% Käuferaufgeld)
Objektbeschreibung
Dark Love. 1975/1986 /87.
Öl , Pigment und Feuer- und Rauchspuren auf Leinwand.
Verso signiert, datiert "75/86/87" und betitelt. 100 x 100 cm (39,3 x 39,3 in).

• Große Materialpräsenz.
• Leuchtende Farbkontraste
.

PROVENIENZ: Privatsammlung Rheinland.

AUSSTELLUNG: Galerie Neher, Essen (verso auf dem Keilrahmen mit einem Etikett).

"Bilder der Sonne wurden zu Nachbildern der Sonne, einem Feuertanz auf der Netzhaut und einer Choreographie von Feuer auf der Leinwand. Ich zündete Lösungsmittel an, die sonst zu einem Dasein gemütlicher Betrachtung getrocknet wären, und da entstanden innerhalb von Sekunden Bilder auf der Grenzlinie zwischen Zerstörung und Überleben – die „Feuerblumen“. Für mich bedeuteten sie die Befreiung von den Regeln optischer Nutzung der Geometrie und eine Hinwenden zu organischen Formen, die sich aus Schmelz- und technologischen Prozessen ergaben." (Otto Piene)

Essay
Kein künstlerisches Werk ist so zentral geprägt vom Einsatz des Feuers wie das Œuvre Otto Pienes. Ab 1959 experimentiert Piene nahezu ausschließlich mit der gestalterischen Kraft des Feuers. In seinen Feuerbildern muss Piene schließlich zunehmend die Erfüllung seines künstlerischen Ideales, einer weitestgehend entindividualisierten Kunst, erkannt haben: "Ich würde gerne noch mehr in den Hintergrund treten, meine Individualität als Autor noch weniger spürbar werden lassen, eine Kraft wie das Licht noch souveräner wirken lassen, damit die Materialität noch weiter aufgehoben und noch größere Freiheit gewonnen wird." (Otto Piene, zit. nach: Otto Piene. Retrospektive 1952-1996, Kunstmuseum Düsseldorf im Ehrenhof, 25.5.-11.8.1996, S. 27.). Wie auch die vorliegende Arbeit dokumentieren Pienes Feuerbilder unmittelbar ihren einzigartigen Entstehungsprozess, dessen besonderer Reiz in der scheinbar paradoxen Kombination von Zufälligkeit und Konzeption liegt, indem die Spuren der Unkontrollierbarkeit des Feuers mit dem vom Künstler bewusst gesetzten Farbakkord aus Bildgrund und Pigment auf der Oberfläche des Bildträgers zu einer künstlerischen Einheit verschmelzen. Hierzu sprüht er mit Lackspray einen Kreis auf die mit Ölfarbe grundierte Leinwand und bearbeitet ihn anschließend mit Fixativen, um die Brennbarkeit zu erhöhen. Er entzündet diese Fläche, hebt die Leinwand an und bewegt sie in verschiedene Richtungen mit unterschiedlichen Neigungswinkeln hin und her, bläst in die Flammen – befeuert sie -, bis er schließlich den Gestaltungsprozess beendet und die Flammen durch heftiges Auspusten löscht. Während dieses Vorgangs, bei dem es, so Piene, um die Übertragung von Energie geht, kann sich ein hochexplosives Gemisch bilden, das sich auf der Leinwand als Spritzer verteilt, der Lack verläuft, auf der Farbschicht entstehen Risse, Krusten und Blasen. Die ursprünglichen Kreise werden also erweitert, sie wirken wie ausgefranst, oder als seien sie von einem feinen, vibrierenden Strahlenkranz umgeben. Das Zentrum erscheint lebendig und pulsierend, unser Werk ist eine exemplarische Arbeit, die – diesem gesamten Prozess unterworfen – dynamisch, berstend und kraftvoll die Leinwand unterstützt. [KK]
242
Otto Piene
Dark Love, 1975/1986.
Öl
Schätzung:
€ 30.000
Ergebnis:
€ 37.500

(inkl. 25% Käuferaufgeld)