Auktion: 496 / Evening Sale am 06.12.2019 in München Lot 137

 
137
Günther Uecker
Struktur, 1964.
Schätzung:
€ 100.000
Ergebnis:
€ 122.500

(inkl. 25% Käuferaufgeld)
Objektbeschreibung
Struktur. 1964.
Nägel auf Leinwand auf Holz.
Honisch 369. Auf der umgeschlagenen Leinwand signiert und datiert. 35 x 35 x 10 cm (13,7 x 13,7 x 3,9 in).

• Aus der wichtigen "ZERO"-Zeit.
• 1964 bedeutet für Günther Uecker den internationalen Durchbruch.
• Erstmals wird ein Werk des Künstlers mit farblich nuancierten Nagelköpfen auf dem Auktionsmarkt angeboten.
• Seit 1965 wurde das Werk nicht mehr öffentlich gezeigt
.
Dieses Werk ist im Uecker Archiv unter der Nummer GU.64.018 registriert und wird vorgemerkt für die Aufnahme in das entstehende Uecker-Werkverzeichnis.

PROVENIENZ: Privatsammlung Nordrhein-Westfalen.

AUSSTELLUNG: Zero. Heinz Mack, Otto Piene, Günther Uecker, Kestner-Gesellschaft, Hannover, 7.5.-7.6.1965, Nr. 206 (verso mit dem Etikett).

Essay
Das Entstehungsjahr 1964 der Arbeit "Struktur" markiert den internationalen Durchbruch für Günther Uecker und die "ZERO"-Bewegung. 1964 initiiert Otto Piene die erste internationale "ZERO"-Gruppenausstellung am Institute of Contemporary Art, University of Pennsylvania/Philadelphia. Beinahe zeitgleich zeigt die Howard Wise Gallery New York die erste Dreierausstellung von Piene, Mack und Uecker. Die ersten internationalen Schauen in den USA zusammen mit der Ausstellung bei der McRoberts Tunnard Gallery in London und die Teilnahme an der documenta III bilden einen Höhepunkt der Gruppe "ZERO". Neben dem Expressionismus und dem Bauhaus wird "ZERO" eine weitere von Deutschland ausgehende Kunstrichtung, die internationale Bedeutung erlangt. In dieser wichtigen Umbruchzeit findet Uecker zum Organischen als Thema für seine Nagelfelder. Die Entwicklung vollzieht sich von informellen Anfängen über streng serielle Strukturen zu organisch bewegten Formen. Die Arbeit "Struktur" zeigt den Übergang dieser Entwicklung. Die Nägel sind zwar noch in einem recht gleichförmigen Muster aufgebracht, nehmen aber bereits eine Bewegung auf, die über die Jahre hinweg immer wilder werden wird. Sanft setzt die Bewegung ein, indem Uecker mit den Abständen spielt und den Einschlagwinkel der Nägel variiert. So beginnt das eigentlich starre Nagelkonstrukt, sich in Schwung zu versetzen. Verstärkt wird dieser Effekt durch das Spiel von Licht und Schatten. Der Künstler beschäftigt sich intensiv mit der Frage, wie eine Struktur durch Integration von Licht, durch Dichte und Gewichtung in Bewegung zu bringen ist. Dabei gelingt es Uecker auf einzigartige Weise, dem starren Material die Illusion leichter Bewegtheit zu entlocken. Keiner lässt sein Material, aus dem die Bilder entstehen, so sehr vergessen wie Uecker seine Nägel. Die langen Zimmermannsnägel lassen Assoziationen zu Nadeln einer Fichte aufkommen oder eines von oben betrachteten Nadelwalds. Abgesehen von der Wichtigkeit des Entstehungsjahrs und dem Status quo zwischen seriellen und bewegten Nagelfeldern, den das Werk "Struktur" markiert, ist die nuanciert eingesetzte gelbe Farbe auf den Nagelköpfen eine weitere Besonderheit dieses außergewöhnlichen Werkes. Uecker setzt Farbe in seinem Werk eher selten ein. Hier erreicht er eine stärkere räumliche Akzentuierung der Nagelreihen und unterstreicht das Pointierte der wehrhaft herausragenden Nagelstifte. Das Werk wurde kurz nach der Entstehung von den heutigen Besitzern erworben und bis auf die Ausstellung in der Kestner-Gesellschaft 1965 nicht mehr öffentlich gezeigt. [SM]
137
Günther Uecker
Struktur, 1964.
Schätzung:
€ 100.000
Ergebnis:
€ 122.500

(inkl. 25% Käuferaufgeld)