Auktion: 489 / Evening Sale am 07.06.2019 in München Lot 126

 
126
Willi Baumeister
Phta, 1952.
Öl
Schätzung:
€ 50.000
Ergebnis:
€ 72.500

(inkl. 25% Käuferaufgeld)
Objektbeschreibung
Phta. 1952.
Öl und Kunstharz auf Hartfaserplatte.
Beye/Baumeister 1783. Rechts oben signiert und datiert "2 52" (in die nasse Farbe geritzt). Verso zusätzlich signiert, datiert "2 52", betitelt und mit der Widmung "Herrn Karl Ströher herzlichst" bezeichnet. 64,9 x 81 cm (25,5 x 31,8 in) .

- Seit Entstehung im gleichen Familienbesitz.
- Aus der wichtigen Werkphase der Scheinreliefs aus der Hochzeit seines Œuvres.
- Vielfach publiziert
.

PROVENIENZ: Sammlung Karl Ströher, Darmstadt (1952 direkt vom Künstler erworben, verso mit einer Widmung).
Sammlung Dr. Erika Pohl-Ströher (vom Vorgenannten durch Erbschaft erhalten).

AUSSTELLUNG: Gegenstandslose Malerei in Deutschland, Städtische Kunsthalle, Mannheim, 24.5.-15.6.1952, Kat.-Nr. 5 (mit Abb.).
Willi Baumeister - zum 65. Geburtstag, Württembergischer Kunstverein, Stuttgart, 23.1.-21.2.1954, Kat.-Nr. 100.
Kunst unserer Zeit. Privatsammlung Karl Ströher, Darmstadt, Hessisches Landesmuseum, Darmstadt, Juni bis September 1954, Kat.-Nr. 15.

LITERATUR: Will Grohmann, Willi Baumeister. Leben und Werk, Köln 1963, Kat.-Nr. 1323 (mit Abb.).
Erika Pohl-Ströher, Ursula Ströher u. Gerhard Pohl (Hrsg.), Karl Ströher. Sammler und Sammlung, Stuttgart 1982, S. 258, Nr. 45 (mit Abb.).
Gottfried Boehm, Willi Baumeister, Stuttgart 1995, S. 38.
Nicola Assmann, Willi Baumeister - die Illustratio. In der Begegnung mit alten außereuropäischen Kulturen auf dem Weg zur neuen Formensprache (Diss.), Münster 1998, S. 621.
"Die sogenannte 'abstrakte' Malerei ist nicht abstrakt im Sinne von Fremdheit zum Leben und Menschen. Die Empfindungen des Künstlers sind ganz natürliche. Eine senkrechte, gerade Linie vermittelt einen ganz bestimmten Empfindungswert, den alle Menschen gleich empfangen können. Eine gekurvte Linie oder ein Fragezeichen löst dagegen andere Empfindungen aus. Ebenso ergeben die einzelnen Farben bestimmte Reaktionen. Kontrastwirkungen entstehen durch exakte Formen im Gegensatz zu malerischen, wolkigen Auflösungen."
Willi Baumeister 1952, aus: Die Natur in der abstrakten Kunst, in: Wissen und Leben 1, Stuttgart 1952.

Essay
Mit dem Titel "Phta" nimmt Baumeister möglicherweise Bezug auf den Schöpfergott Ptha aus der altägyptischen Religion, der beispielsweise auch im ersten Akt in Giuseppe Verdis Oper Aida unter dem Namen Phtà gerufen wird ("Possente Ftah" / "Allmächt'ger Phtà"). Die Arbeit kann der Werkphase der Scheinreliefs zugeordnet werden, in denen der Künstler in den beiden Jahren 1952/53 auch Themen aus altbiblischen und sumerischen Bildern aufgreift. Der jeweilige Ausgangspunkt für diese Werke ist jedoch die Technik. Ohne dass tatsächliche Erhöhungen durch eine gespachtelte Masse geformt werden, sondern durch eine evozierte Lichtquelle und mithilfe von dunklen und hellen Konturen möchte Baumeister ein plastisches Relief vortäuschen. "Belichtete Ränder" nennt Will Grohmann diesen technischen Kniff. Die Arbeiten wirken dadurch - und auch aufgrund der oft wolkigen Farbigkeit - wie aus Stein oder Metall gefertigt. Auch das hier angebotene Werk erinnert in seiner Erscheinung an ein Marmorrelief und zeigt Baumeisters immense Freude an der vermeintlich plastischen Gestaltung einer planen Fläche. Es entstehen ganz außergewöhnliche Wirkungen, die der Malerei sonst gänzlich fremd sind. Unsere Arbeit entsteht 1952 in einem für Baumeister äußerst wichtigen Jahr. Im Frühjahr findet seine erste Einzelausstellung in den USA in der wichtigen Hacker Gallery in New York statt, im Juni ist er mit seinen Arbeiten auf der Biennale in Venedig vertreten und es erscheint zudem die umfassende Monografie "Willi Baumeister" von Will Grohmann. [CH]
126
Willi Baumeister
Phta, 1952.
Öl
Schätzung:
€ 50.000
Ergebnis:
€ 72.500

(inkl. 25% Käuferaufgeld)