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Auktion: 489 / Evening Sale am 07.06.2019 in München Lot 112

 
Objektbeschreibung
Liegender. 1935/1938.
Bronze mit schwarz-brauner Patina.
Krause 158. Auf der Standfläche mit dem Namenszug und Sonderzeichen. Eines von 6+1 Exemplaren. 24,5 x 42,5 x 24,5 cm (9,6 x 16,7 x 9,6 in).

- Lebzeitguss.
- Einer der ersten Güsse dieser Bronze.
- Ein anderes Exemplar befindet sich im Sprengel Museum, Hannover.
- Ein Exemplar ausgestellt auf der documenta I 1955 und der Biennale 1956
.
Wir danken dem Nachlass Karl Hartung für die wissenschaftliche Beratung.

PROVENIENZ: Sammlung Fänn und Willy Schniewind, Neviges/Düsseldorf (direkt vom Künstler erworben).
Privatsammlung Hessen.

AUSSTELLUNG: (wohl immmer anderes Exemplar)
Karl Hartung. Plastik und Grafik, Galerie Gerd Rosen, Berlin 1946.
Karl Hartung, Haus am Waldsee, Berlin 1952, Kat.-Nr. 10 (mit Abb.).
Karl Hartung, Kestnergesellschaft, Hannover 1953, Kat.-Nr. 6.
Deutsche Bildhauer, Städtisches Museum, Wuppertal 1955, Kat.-Nr. 37.
documenta I. Kunst des XX. Jahrhunderts, Museum Fridericianum, Kassel 1955, Kat.-Nr. 205.
Deutsche Kunstpreisträger seit 1945, Städtische Kunsthalle, Recklinghausen 1956, Kat.-Nr. 39 (mit Abb.).
XXVIII. Biennale di Venezia, Venedig 1956, Kat.-Nr. 106.
Deutscher Künstlerbund. Zehnte Ausstellung, Haus der Kunst, München 1960, Kat.-Nr. 378.
Kunstdiktatur gestern und heute, Galerie S Ben Wargin, Berlin 1963 (mit Abb.).
Für Karl Hartung, Badischer Kunstverein (Gedächtnisausstellung innerhalb der 15. Deutschen Künstlerbund-Ausstellung), Karlsruhe 1967, Kat.-Nr. 2.
Karl Hartung 1908-1967. Eine Werkübersicht zum 80. Geburtstag, Galerie Pels-Leusden, Berlin 1988.
Karl Hartung, Werke und Dokumente, Archiv für Bildende Kunst im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg, 1998, Kat. mit Abb., S. 101.
Henry Moore: A European Impulse / Impuls für Europa, LWL Museum für Kunst und Kultur Münster, 2016/2017, Kat. mit Abb., S. 107.

LITERATUR: (wohl immer anderes Exemplar)
Ulrich Gertz, Plastik der Gegenwart (Die Kunst unserer Zeit, Bd. 8), Berlin 1953, S. 65 (mit Abb.).
Hanns Theodor Flemming, Der Bildhauer Karl Hartung, in: Die Kunst und das schöne Heim, 53. Jg., 1955, H. 6, S. 207-209 (mit Abb.).
Heinz R. Fuchs, Plastik der Gegenwart (Kunst der Welt. Ihre geschichtlichen, soziologischen und religiösen Grundlagen), Baden-Baden 1970, S. 93 (mit Abb.).
Walter Hess, Karl Hartung, in: Das Kunstwerk, 14. Jg., 1961, H. 9, o.S. (mit Abb.).
Katharina Schneider, Reichtum figürlicher Phantasie. Der Bildhauer Karl Hartung (1908-1967), in: Weltkunst. Aktuelle Zeitschrift für Kunst und Antiquitäten, 58. Jg., 1988, H. 21, S. 3287-3289 (mit Abb.).
"Eine Plastik wie diese sucht in Deutschland während der dreißiger Jahre ihresgleichen." Markus Krause, zit. nach Karl Hartung 1908-1967. Metamorphosen von Mensch und Natur, S. 71.

Essay
Die 1930er Jahre sind sowohl persönlich als auch künstlerisch entscheidend für den noch jungen Künstler Karl Hartung. Nach einem Studienaufenthalt in Paris, welcher ihm Einblick in das Werk Rodins, Maillols, Despiaus und Bourdelles ermöglicht, und eines weiteren Studienaufenthalts in Florenz, wo er sich sehr intensiv mit dem Werk Donatellos, Michelangelos und der Kunst der Etrusker auseinandersetzt, geht der gebürtige Hamburger nach Berlin, begleitet von Ilse Quast, seiner späteren Ehefrau. In der Großstadt gelingt es ihm unter größter Geheimhaltung und entgegen den damals vorherrschenden Doktrinen, an Skulpturen mit abstraktem Formengut zu arbeiten. Der liegende Akt ist ein klassisches Motiv der Kunstgeschichte, der von allen bekannten Bildhauern von Canova bis Moore bearbeitet wurde. Karl Hartung interpretiert das Motiv in seiner ganz eigenen künstlerischen Sprache, der Überzeugung folgend, mithilfe von organischen Formen das Wesentliche, Universelle des Menschen als Teil der Schöpfung sichtbar zu machen. Die menschliche Figur wird auf ein Minimum reduziert, sie hat keine individuellen Züge, keine Gefühle, keine Geschichte, sie ist die Quintessenz der reinen Form. Sie löst sich immer mehr von der bloßen Wiedergabe und gewinnt an Eigenwert. Die Konturen fließen, wie dahingeschmolzen präsentiert sich die Figur in einer geschlossenen dynamischen Einzelform. Durch die weich modulierten, stark gerundeten Konturen erhält die statische Figur ihre aerodynamische Bewegtheit. Sie ist die erste einer Folge von anthropomorphen Plastiken, die Hartung als „vegetative Form“ bezeichnet und ist von ihrem Abstraktionsgrad für den Zeitpunkt ihrer Entstehung außergewöhnlich. Dank ihrer Stabilität und Kraft sowie ihres massiven Formenguts ist sie ein Werk von sinnlich-haptischer Vollkommenheit. Nach dem Krieg gelingt Karl Hartung der endgültige künstlerische Durchbruch und mit seinen schon in den 30ern heimlich geschaffenen abstrakten Werken auch die Etablierung als angesehener Vertreter der Klassischen Moderne. [SM]
112
Karl Hartung
Liegender, 1935/1938.
Bronze
Schätzung:
€ 50.000
Ergebnis:
€ 100.000

(inkl. 25% Käuferaufgeld)
 


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Karl Hartung - Liegender - Rückseite
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