Auktion: 489 / Evening Sale am 07.06.2019 in München Lot 175

 
175
Alexej von Jawlensky
Teller mit Äpfeln (Äpfelstillleben), 1932.
Öl auf Malpappe
Schätzung:
€ 140.000
Ergebnis:
€ 175.000

(inkl. 25% Käuferaufgeld)
Objektbeschreibung
Teller mit Äpfeln (Äpfelstillleben). 1932.
Öl auf Malpappe , auf Karton aufgezogen und auf Leinwand montiert.
Jawlensky/Pieroni-Jawlensky 2257. Jawlensky Bianconi Nachtrag Band 3 CR (2257 r). Links unten signiert und datiert. 26 x 40 cm (10,2 x 15,7 in) . [CH].

- Harmonische Komposition in dunkel glühenden Farben.
- Mit den Früchtestillleben aus der Zeit der Meditationen durchlebt Jawlensky einen wichtigen malerischen Prozess.
- Bedeutende Entwicklung hin zu den darauffolgenden, im Stile der Meditationen gemalten Stillleben der späten 1930er Jahre
- Ein weiteres Früchtestillleben aus dieser Zeit (um 1931) befindet sich heute im Museum Wiesbaden (CR 1383)
.
Wir danken Frau Angelica Jawlensky-Bianconi, Alexej von Jawlensky-Archiv S.A., Locarno, für die wissenschaftliche Beratung.

PROVENIENZ: Sammlung Dr. Bernward Talleur, Hofheim im Taunus (ab 1938/39, direkt vom Künstler erworben unter Vermittlung von Hanna Bekker vom Rath).
Privatsammlung Hofheim im Taunus (1965 durch Erbschaft erhalten).
Privatsammlung Süddeutschland.

LITERATUR: Angelica Jawlensky Bianconi, Zur Spaltung der Kartonbildträger Alexej von Jawlenskys, in: Alexej von Jawlensky-Archiv AG, Locarno (Hrsg.), Forschungsbeiträge zu Leben und Werk Alexej von Jawlenskys (Reihe Bild und Wissenschaft Bd. 3), Locarno 2009, S. 147.
Nathalie Bäschlin, Alexej Jawlenskys Grüner Reiter - ein Kommentar aus restaurierungsethischer Sicht, in: Alexej von Jawlensky-Archiv AG, Locarno (Hrsg.), Forschungsbeiträge zu Leben und Werk Alexej von Jawlenskys (Reihe Bild und Wissenschaft Bd. 3), Locarno 2009, S. 163.

Essay
Jawlenskys Spätwerk ist von einer Prägnanz und künstlerischen Bedeutung, die in der Kunstgeschichte ihresgleichen suchen. Stehen bei seinen frühen Stillleben noch Fragen der Form- und Kompositionsfindung im Vordergrund, bestimmen ab dem Ende der 20er Jahre Konzentration und Innerlichkeit sein Schaffen. Die Werke knüpfen in ihrer klaren Farbigkeit an früher Erarbeitetes an, doch gelingt es Jawlensky, in dieser zweiten Phase der Stillleben, völlig aus dem Schatten großer Vorbilder wie van Gogh und Gauguin herauszutreten. Die Wiedergabe der dinglichen Welt wird vom Künstler nun auf wenige, zeichenhafte Grundformen beschränkt. Der strenge Formwille, der auch das vorliegende Werk von 1932 kennzeichnet, wird von der markanten Kontur einer einfachen Schale unterstrichen, in der sechs rote und grüne Äpfel liegen. Die dunkel glühenden Farben und der sichtbare Pinselstrich bestimmen den Ausdruck des Gemäldes. Dabei umfängt der in changierendem Blau gehaltene Hintergrund die Formen des Obsttellers, dessen starker Schlagschatten das Arrangement gleichsam über der Tischplatte schweben lässt. Das eigentümliche Leuchten der Arbeiten dieser Zeit taucht sie in eine unnachahmliche, entrückte Stimmung. Gleichzeitig verschlechtert sich ab dem Beginn der 30er Jahre Jawlenskys Gesundheitszustand zunehmend. Die Ahnung vom herannahenden Ende seines Schaffens und die damit einhergehende Dringlichkeit und Intensität des künstlerischen Prozesses verleihen den späten Werken eine Wahrhaftigkeit, wie sie sich in der Malerei nur selten beobachten lässt. [EL]
175
Alexej von Jawlensky
Teller mit Äpfeln (Äpfelstillleben), 1932.
Öl auf Malpappe
Schätzung:
€ 140.000
Ergebnis:
€ 175.000

(inkl. 25% Käuferaufgeld)