Auktion: 489 / Evening Sale am 07.06.2019 in München Lot 107

 
107
Jacques Lipchitz
Nature morte, 1918/19.
Bronze
Schätzung:
€ 50.000
Ergebnis:
€ 81.250

(inkl. 25% Käuferaufgeld)
Objektbeschreibung
Nature morte. 1918/19.
Bronze relief mit grünlich-brauner Patina.
Wilkinson 76. Links unten mit dem Monogramm des Künstlers sowie seitlich mit dem Daumenabdruck des Künstlers. Eines von 7 bekannten Exemplaren. 55,8 x 70,3 x 3 cm (21,9 x 27,6 x 1,1 in).
Es handelt sich hierbei um einen Lebzeitguss, 1918/19 in Paris gegossen. Weitere Exemplare dieser Arbeit befinden sich bspw. im Kunstmuseum Basel und im Museum Boijmans van Beuningen in Rotterdam.
- Aus einer bedeutenden Privatsammlung.
- Besonders frühe Arbeit des Künstlers aus seiner kubistischen Werkperiode 1915-1919.
- Lebzeitguss - 1918/19 in Paris gegossen
.
Mit einer Fotoexpertise von Prof. Dr. A. M. Hammacher, Brüssel, vom 29.1.1992 sowie seiner schriftlichen Bestätigung vom 2.2.1992 in Kopie. Ferner mit einer schriftlichen Bestätigung von Frau Yulla Lipchitz, New York, vom 29.11.1995.

PROVENIENZ: Privatsammlung Paris.
Sammlung Marie-Claire Cotinaud, Paris.
Galerie Brusberg, Berlin.
Privatsammlung Niedersachsen (2008 vom Vorgenannten erworben).

AUSSTELLUNG: Kreuzfahrt 1900-2000. Bilder aus einem Jahrhundert, Galerie Brusberg, Berlin, 18.11.2000-27.1.2001, Kat.-Nr. 74.

LITERATUR: Haftpflichtverband der deutschen Industrie (Hrsg.), Kunst im HDI. Ein Seh- und Lesebuch in drei Kapiteln, Hannover 2002, S. 19 (mit Abb.).
"L’importance historique du relief reside dans son style reflet d’idées esthétiques des deux artistes, Lipchitz et Gris."
Prof. Dr. A. M. Hammacher, Kunsthistoriker und Verfasser der Monografie "Jacques Lipchitz. His Sculpture" über die hier vorliegende Arbeit, 2.2.1992.

Essay
Jacques Lipchitz findet seine künstlerische Berufung nicht in der Malerei, er selbst bestätigt in einem Gespräch mit der Kuratorin Katharine Kuh im November 1957: "I have no talent whatsoever for this medium." (zit. nach: Robin Cembalest, The Optimist Cubist, in: Art News vom 1.5.2002). Stattdessen entdeckt er sein Talent und die Liebe für die Skulptur und Bildhauerei. "Sculpture is a man-made companion with an immortal human heart inside from which calls are emitted constantly, giving us joy, warming us and teaching us, all at the same time." (Jacques Lipchitz in einem Brief an Otto Gerson, November 1957) 1916 beginnt eine lebenslange Freundschaft zwischen Jacques Lipchitz und dem spanischen Maler Juan Gris (1887-1927). Während des Ersten Weltkrieges verlassen die beiden Künstler Paris für jeweils längere Zeit. 1918 flüchten sie mit ihren Familien und anderen Künstlern nach Beaulieu -lès-Loches, wo sie die Frühlings- und Sommermonate verbringen. Zwischen Lipchitz und Gris findet ein sehr fruchtbarer künstlerischer Austausch statt, sie diskutieren über die Problematiken der von Lipchitz bevorzugten Kunstform, der Skulptur, im Zusammenhang mit den kreativen Zielen und Prinzipien des Kubismus, den Lipchitz nicht nur als moderne Kunstrichtung, sondern als absolut neuen Blick auf das Universum ansieht und in diesen Jahren immer wieder meisterhaft in die Dreidimensionalität überträgt. Beide suchen die Befreiung aus dem strikten Korsett der akademisch-konservativen Kunst. Lipchitz arbeitet in diesen Monaten an zahlreichen Zeichnungen und Gouachen für skulpturale Arbeiten, die erst nach Beendigung des Krieges und nach seiner Rückkehr nach Paris 1919 realisiert werden können. Der Kunsthistoriker und Verfasser der Monografie "Jacques Lipchitz. His Sculpture" A. M. Hammacher attestiert der hier vorliegenden Arbeit eine wichtige historische Bedeutung, da sie, wie vielleicht keine andere Arbeit im Œuvre des Künstlers, die ästhetischen Ideen sowohl von Jacques Lipchitz als auch seines Künstlerfreundes Juan Gris widerspiegelt. Nur wenige Monate nach ihrer Entstehung findet Lipchitzs erste Einzelausstellung in der Galerie Léonce Rosenberg in Paris statt. Heute gilt Lipchitz als einer der wichtigsten Bildhauer des 20. Jahrhunderts, seine Arbeiten befinden sich in den großen internationalen Sammlungen bspw. des Museum of Modern Art in New York, der National Gallery of Art in Washington D. C., der Tate Gallery, London, des Musée des Beaux-Arts in Nancy, des Sprengel Museums, Hannover, oder des Museums Folkwang in Essen. [CH]
107
Jacques Lipchitz
Nature morte, 1918/19.
Bronze
Schätzung:
€ 50.000
Ergebnis:
€ 81.250

(inkl. 25% Käuferaufgeld)