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Auktion: 488 / Kunst nach 1945 / Zeitgenössische Kunst II am 08.06.2019 in München Lot 695

 
Objektbeschreibung
Untitled (Who Snatched the Babies). 2001/02.
Bleistift und Farbstift auf chamoisfarbenem, liniertem Schreibpapier.
Nara D-2002-042. 27 x 20,6 cm (10,6 x 8,1 in) , blattgroß.
Verso mit verschiedenen Skizzen in Blei.

PROVENIENZ: Marianne Boesky Gallery, New York (verso auf der Rahmenrückwand mit dem Galerieetikett).
Privatsammlung Israel.

AUSSTELLUNG: Who snatched the babies?, Centre National de l’Estampe et de l’Art imprimé, Paris Juni bis September 2002 (im Kat. m. Farbabb., o. S.).
Yoshitomo Nara: Nothing Ever Happens, Wanderausstellung, Museum of Contemporary Art, Cleveland; Institute of Contemporary Art, Philadelphia; Museum of Art, San Jose; Contemporary Art Museum, St. Louis; The Contemporary Museum, Honolulu, September 2003 bis Mai 2005.
The World According to Nara, Sotheby’s S2 Gallery, Hong Kong September 2014 (Kat.-Nr. 14, m. Farbabb. S. 48-49).

Essay
Beeinflusst durch die Popkultur, sind die Werke des zeitgenössischen japanischen Künstlers Yoshitomo Nara längst selbst zum Phänomen derselben geworden. Deutlich sind die Spuren von Anime und Manga, Video-Spielen und Walt-Disney-Cartoons sowie auch subversiveren Punk-Rock-Elementen in den Malereien, Skulpturen und Zeichnungen des Künstlers mit ihren kindlichen und tierischen Protagonisten zu erkennen. Auch auf technischer Ebene gemahnen die in einfachen, dicken Linien erschaffenen Charaktere an Cartoon-Figuren. Dieser Eindruck wird durch den Zusatz von Schrift oder Textblasen oftmals noch verstärkt. Um 2001, als Nara nach einem 12-jährigen Aufenthalt in Deutschland und den USA nach Japan zurückkehrt, wird er zum Mitglied der avantgardistischen Künstlergruppe ,,Superflat”, zu der auch die bildenden Künstler Takashi Murakami und Chiho Aoshima gehören. ,,Superflat” definiert sich dabei nicht durch ein klares künstlerisches Konzept, sondern es handelt sich um eine persönliche Sichtweise, Adaption und Interpretation der japanischen Gegenwartskultur – genauer der sogenannten ,,Otaku”-Kultur, die ihr westliches Pendant wohl am besten im Ausdruck ,,Nerdtum” findet. Grellbunte Farben, repetitive Muster, japanische Cartoon-Figuren und niedlich-kindliche Motive, die süßlich überspitzt oder dunkel bis fetischartig gebrochen sein können, stehen im Zentrum dieser Kunst. Das Schaffen Naras steht hierfür exemplarisch. Seine Darstellungen zeigen unschuldig dreinblickende Kinder, gemalt in schlichten Linien und reduzierten Farben, die mit Messern, Kruzifixen, brennenden Fackeln und Zigaretten hantieren oder gar mit Vampirfängen drohen. Die Schlichtheit der Darstellung lenkt dabei den Blick auf das Wesentliche: die Identitätssuche einer ganzen Generation, die durch Krieg, eine (zu) schnell voranschreitende Modernisierung sowie die Omnipräsenz der (Bild-)Medien und Technik geprägt ist. Passend zu dieser verwirrten Suche ist das scheinbare Motto von Naras Figuren ein spielerisches ,,Angriff ist die beste Verteidigung!" Unser Werk mit einem hauchenden Engel stammt aus einer Reihe von Arbeiten auf Papier, die sich unter der im Untertitel gestellten Frage ,,Who snatched the babies?" (Wer hat die Kinder gestohlen?) gruppieren und sich damit nahtlos in die Frage nach der (verlorenen) Kindheit und Identitätssuche einer Generation einfügen.
Seit dem Jahr 2000 ist das Werk von Nara in Gruppen- und Einzelausstellungen vor allem in Japan und Amerika vertreten. Seither sind seine Arbeiten auf dem internationalen Kunstmarkt nicht mehr wegzudenken und werden zu hohen Preisen gehandelt. So ist das Schaffen Naras nicht nur durch den japanischen Neo-Pop geformt, sondern längst zu einem essenziellen Bestandteil desselben geworden. [FS]
695
Yoshitomo Nara
Untitled (Who Snatched the Babies), 2001/02.
Bleistift
Nachverkaufspreis: € 20.000
+
 


Weitere Abbildungen
Yoshitomo Nara - Untitled (Who Snatched the Babies) - Rahmenbild
Rahmenbild
 
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Aufgeld, Steuern und Folgerechtsabgabe zu Yoshitomo Nara "Untitled (Who Snatched the Babies)"
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