Auktion: 474 / Kunst des 19. Jahrhunderts am 23.11.2018 in München Lot 8

 
8
Franz von Defregger
Die Märchenerzählerin, 1870.
Öl auf Leinwand
Schätzung:
€ 15.000
Ergebnis:
€ 28.750

(inkl. 25% Käuferaufgeld)
Objektbeschreibung
Die Märchenerzählerin. 1870.
Öl auf Leinwand.
Defregger S. 280. Rechts unten signiert und datiert. 42,4 x 51,5 cm (16,6 x 20,2 in).

PROVENIENZ: Privatsammlung René von Schleinitz (1890-1972), Milwaukee/Wisconsin.
Milwaukee Art Center Collection, Milwaukee/Wisconsin, am 21. August 1962 als Schenkung der René von Schleinitz Foundation erhalten, in der dortigen Sammlung bis 1999 (verso auf der Rahmenrückpappe mit dem Sammlungsetikett, darauf mit dem Eingangsdatum und der -nummer "M 62.38").
Neumeister, München, Auktion am 29. September 1999, Los 510 (mit Abb.).
Privatsammlung Süddeutschland.

AUSSTELLUNG: Paintings from the Schleinitz Collection. German genre paintings of the 19th Century, Milwaukee Art Center, Milwaukee/Wisconsin 13.9.-13.10.1968, Kat.-Nr. 9, Abb. 25.

LITERATUR: Rudolf M. Bisanz, Deutsche Kleinmalerkunst fern der Heimat. Die René-von-Schleitz-Sammlung im Milwaukee Art Museum: Ein Überblick, in: Bruckmanns Pantheon XLV, 1987, S. 182-186, hier S. 185, Abb. 6.
Rudolf M. Bisanz, The René von Schleinitz collection of the Milwaukee Art Center. Major schools of German 19th-century popular painting, Sammlungskat. Milwaukee Art Center, Milwaukee/Wisconsin 1980, S. 67, Kat.-Nr. 18.

Essay
Defregger malt vor allem Alltagsszenen aus dem Tiroler Bauernleben und genrehafte Darstellungen zur jüngeren Geschichte, die in betontem Gegensatz zu den aufwendig inszenierten Historien- und Gesellschaftsbildern von Pilotys stehen. Deutlich wird dieses Interesse auch bei dem hier vorliegenden Bild mit einer alten Dame und drei Knaben, die sich in einer rustikalen Bauernstube versammelt haben. Die kleine Gemeinde hat sich zur Märchenstunde um einen Tisch versammelt. Die alte Dame, wohl die Großmutter der Knaben, deutet hinweisend auf ein altes Buch in ihrem Schoß. Mahnend hat sie dabei den Zeigefinger erhoben und den Blick auf die Enkel gerichtet. Diese flätzen um einen massiven Steintisch und blicken teils gebannt, teils leicht gelangweilt. Das vielgelesene Buch diente wohl zur Unterhaltung an schon mehr als einem Abend vor dem Zubettgehen. Das Motiv des Vorlesens findet sich mehrmals im Schaffen Defreggers, meist mit einer jungen Mutter und ihrem Kind. Immer bestechen die Bildfindungen durch die feine Beobachtung der Kommunikation zwischen den Figuren und die einfache und doch präzise Schilderung ihrer Umgebung. Typisch für Defregger, der so das Einfache zur hohen Kunst erhebt. Unsere Komposition scheint bei seinem Publikum großen Anklang gefunden zu haben: 1871 entsteht eine ähnliche, in der Figurendarstellung nur leicht variierende Version unseres Motivs (vgl. Defregger S. 281), welches auch für einen Druck von Hanfstaengel ausgewählt wurde.
8
Franz von Defregger
Die Märchenerzählerin, 1870.
Öl auf Leinwand
Schätzung:
€ 15.000
Ergebnis:
€ 28.750

(inkl. 25% Käuferaufgeld)