Auktion: 479 / Klassiker des 20. Jahrhunderts I am 08.12.2018 in München Lot 821

 
821
Emil Nolde
Segler, Um 1935/ 1940.
Aquarell und Tusche
Schätzung:
€ 40.000
Ergebnis:
€ 162.500

(inkl. 25% Käuferaufgeld)
Objektbeschreibung
Segler. Um 1935/ 1940.
Aquarell und Tusche.
Rechts oben signiert. Auf dem Unterlagekarton von Ada Nolde betitelt. Auf Japan. 17 x 13,8 cm (6,6 x 5,4 in), blattgroß.

Mit einer Fotoexpertise von Prof. Dr. Manfred Reuther, Klockries, vom 3. November 2018. Das Aquarell ist unter der Nummer "Nolde A - 107/2018" im Archiv Reuther gelistet.

PROVENIENZ: Dr. Otto Mayring, Hannover (auf der Rahmenrückpappe mit der Anschrift).
Stuttgarter Kunstkabinett, 35. Auktion, 20.-21.5.1960, Lot 451 (aus der Sammlung des Vorgenannten, auf der Rahmenrückpappe mit dem Etikett).
Privatsammlung Süddeutschland (beim Vorgenannten erworben).

Essay
Am 7. August 1867 wird Emil Hansen im deutsch-dänischen Grenzland geboren. Den Namen seines Heimatortes Nolde nimmt er später als Künstlernamen an. Nach einer Lehre als Möbelzeichner und Holzschnitzer 1884-1888 in Flensburg arbeitet er für verschiedene Möbelfabriken in München, Karlsruhe und Berlin. 1892 erhält Emil Nolde am Gewerbemuseum in St. Gallen eine Stellung als Lehrer für gewerbliches Zeichnen, die er bis 1898 innehat. Dort, wo zunächst vor allem Landschaftsaquarelle und Zeichnungen der Bergbauern entstehen, wird Nolde durch kleine farbige Zeichnungen der Schweizer Berge bekannt. Mit dem Entschluss, Maler zu werden, geht Nolde schließlich nach München, doch die Akademie unter Franz von Stuck lehnt ihn ab. Es folgt ein Studium an der privaten Malschule von Adolf Hölzel in Dachau und ab 1899 an der Académie Julian in Paris. 1900 mietet er ein Atelier in Kopenhagen und zieht 1903 auf die Insel Alsen. Durch die Auseinandersetzung mit den Postimpressionisten Vincent van Gogh, Edvard Munch und James Ensor gelangt Nolde ab 1905 von seinem anfänglich romantischen Naturalismus zu einem eigenständigen Stil, in dem die Farbe eine wesentliche Rolle spielt; es entstehen farbintensive, leuchtende Blumenbilder. 1906 lernt Nolde die "Brücke"-Maler kennen, deren Gruppe er sich vorübergehend anschließt. In einer Reihe von Porträtstudien beginnt die Hinwendung zum Aquarell. Als Nolde 1909 in dieser Technik erstmalige Versuche auf nicht saugfähigem Papier unternimmt, dabei das Blattweiß in großen Teilen stehen lässt und auf eine Konturierung in der Gegenstandserfassung verzichtet, sind diese Neuerungen zukunftsweisend. 1910 wird Emil Nolde nach einer Kontroverse mit Max Liebermann aus der "Berliner Sezession" ausgeschlossen und gründet mit anderen zurückgewiesenen Künstlern die "Neue Sezession", an deren Ausstellungen er bis 1912 teilnimmt. Weniger vom Berliner Großstadtleben, das er in einigen expressiven Bildern festhält, als vom Primitivismus fasziniert, malt Nolde Stillleben mit exotischen Figuren und Maskenbilder. Von einer Expedition nach Neu-Guinea 1913/14 bringt er reiches Studienmaterial mit, das er in zahlreichen Werken noch bis 1915 verarbeitet.
Es dürfte wohl kaum einen Maler der klassischen Moderne gegeben haben, der sich so intensiv künstlerisch mit dem Meer und seinen Erscheinungen auseinandergesetzt hat wie Emil Nolde. Das seinem erwählten Domizil in Seebüll so nahe Meer hat Nolde immer wieder zu Interpretationen angeregt, die jenseits herkömmlicher Schilderungen liegen. Einer sich vorzugsweise in Graublau zeigenden Nordsee hat er farbliche Aspekte abgewonnen, die seine eigene Sicht auf das Meer zeigen. Er hat damit einer Landschaft ohne Land einen völlig neuen Aspekt gegeben. Die hier geschilderten Wogenkämme in ihrer blauen Unergründlichkeit vor einem verdämmernden Abendhimmel in Orangerot sind Ausdruck von Faszination und Bewunderung einer elementaren Gewalt, wie sie die unverfälschte Natur zu bieten hat. Emil Noldes Schilderungen vom Meer sind immer mit der ihm eigenen Emotion gesehen, aber auch mit dem Respekt vor der Einmaligkeit dieses unergründlichen Phänomens.
Im Sommer 1916 ziehen Ada und Emil Nolde nach Utenwarf und lassen sich kurz darauf 1927 in Seebüll nieder. Der dort angelegte Garten wird zur unerschöpflichen Inspirationsquelle seiner Malerei, auch Küstenlandschaften und religiöse Szenen werden zu tragenden Sujets. Von den Nationalsozialisten als Künstler verfemt, dazu ab 1941 mit Arbeitsverbot belegt, malt Nolde ab 1938 in Seebüll seine "Ungemalten Bilder", viele hundert kleine Aquarelle, die er nach 1945 als Ölbilder wieder aufgreift. In den letzten Lebensjahren entstehen vor allem Aquarelle mit Blumen- und Landschaftsmotiven aus der näheren Umgebung seines Hauses in Seebüll, wo Nolde am 13. April 1956 stirbt. [SM]
821
Emil Nolde
Segler, Um 1935/ 1940.
Aquarell und Tusche
Schätzung:
€ 40.000
Ergebnis:
€ 162.500

(inkl. 25% Käuferaufgeld)
 


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