Auktion: 465 / Kunst des 19. Jahrhunderts am 18.05.2018 in München Lot 86

 

86
Edvard Munch
Bjørnen (Der Bär), 1908/09.
Lithografie
Schätzung:
€ 2.000
Ergebnis:
€ 8.125

(inkl. 25% Käuferaufgeld)
Bjørnen (Der Bär). 1908/09.
Lithografie.
Woll 345. Schiefler 315. Signiert. Aus einer Gesamtauflage von ca. 100-150 Exemplaren. Auf Velin. 47,5 x 58,8 cm (18,7 x 23,1 in) , Blattgröße.
Gedruckt bei Dansk Reproduktionsanstalt, Kopenhagen. Sechstes Blatt aus der Mappe "Alpha & Omega" (vgl. Schiefler 306-327, Woll 336-357) mit 18 Lithografien, Titelblatt, Inhaltsverzeichnis, zwei Eingangsvignetten sowie zwei Textblättern in norwegischer und französischer Sprache in einer grauen Leinwandmappe. Die Dansk Reproduktionsanstalt will die Drucksteine der "Alpha & Omega"-Mappe bereits 1909 abschleifen. Munch lässt seine Zeichnungen daraufhin mittels Umdruckpapier auf neue Steine in Norwegen übertragen. Diese werden bei Nielsen in Oslo gedruckt, der nach 1917 der Hauptdrucker Munchs ist.
Sechstes Blatt aus der Mappe "Alpha & Omega", die Munch selbst als "das Vollendetste, was ich bisher geschaffen habe" bezeichnete (zit. nach einem Tagebucheintrag von Ludvig Ravensberg vom 9. Januar 1910, in: Edvard Munch. Alpha & Omega, hrsg. von Arne Eggum und Gerd Woll, Oslo 1981, S. 53).
Wir danken Herrn Magne Bruteig, Munch Museum, Oslo, für die wissenschaftliche Beratung und mündliche Bestätigung.

Munchs Parabel "Alpha & Omega" erzählt die Geschichte um die beiden ersten Menschen auf einer von verschiedenen Tieren bewohnten Insel. Der Künstler thematisiert hier den Kampf der Geschlechter, wie er ihn sich im Paradies vorstellte: Die Frau (Omega) baut zu den Tieren der Insel ein Verhältnis auf und wird aus Eifersucht durch den Mann (Alpha) getötet. Schließlich wird Alpha selbst von einem der Bastard-Nachkommen Omegas gefressen.
Unser Blatt zeigt rechts die Vereinigung von Omega mit einem mächtigen schwarzen Bären und links ihren zärtlichen Umgang mit einer Hyäne. Der begleitende Text Munchs hierzu lautet: "Und Omega begegnet dem Bären. Sie erschauerte, als das weiche Fell ihren Körper berührte. Sie legte ihren Arm um den Hals des Bären, und ihr Arm verschwand in den dichten Haaren. Omega begegnete der Dichter-Hyäne. Ihr Fell war struppig und ungepflegt. Ihre banalen Liebesworte rühren sie nicht, aber sie windet einen Lorbeerkranz mit ihren kleinen weichen Händen und krönt sie, ihr süßes Gesicht zärtlich an den bösen Kopf geschmiegt." (in: Edvard Munch. Alpha & Omega, hrsg. von Arne Eggum und Gerd Woll, Oslo 1981, S. 21).
Die Grundidee der Serie reicht in die Mitte der 1890er Jahre zurück, in der Munch einige Zeichnungen unter dem Titel "Die ersten Menschen" mit ähnlichen Motiven, jedoch deutlich positiverem Frauenbild schaffte. Die lithografische Serie "Alpha & Omega" entwickelt Munch schließlich während seiner Therapie in der Kopenhagener Klinik von Dr. Daniel Jacobson, in der er ab Oktober 1908 aufgrund seines Alkoholimus und Nervenleidens in Behandlung ist. Hiermit dürfte auch die technische Wahl der Lithografie in Zusammenhang stehen, da Munch seine Zeichnungen auf Umdruckpapier zeichnen konnte, aber nicht direkt an der Übertragung auf den Stein und den Druck mitwirken musste. Munch befand die Mappe "Alpha & Omega" nach eigener Aussage als seine beste Arbeit. Die minutiöse Vorbereitung der Motive wird durch die Behandlung des Themas von Frau und Bär schon in den 1890er Jahren sowie zahlreiche Tierstudien belegt, die Munch im zoologischen Garten in Kopenhagen anfertigte (vgl. Woll 321, 362). [FS].



86
Edvard Munch
Bjørnen (Der Bär), 1908/09.
Lithografie
Schätzung:
€ 2.000
Ergebnis:
€ 8.125

(inkl. 25% Käuferaufgeld)