Auktion: 468 / Klassische Moderne I am 09.06.2018 in München Lot 710

 
710
Ernst Ludwig Kirchner
Bogenschütze, 1920.
Kreidezeichnung
Schätzung:
€ 20.000
Ergebnis:
€ 25.000

(inkl. 25% Käuferaufgeld)
Objektbeschreibung
Bogenschütze. 1920.
Farbige Kreidezeichnung und Bleistift.
Unten mittig signiert. Oben rechts mit dem Nachlassstempel des Kunstmuseums Basel (Lugt 1570b) und der handschriftlichen Nummerierung "H 303 D". Auf festem Velin. 58,8 x 40,3 cm (23,1 x 15,8 in) , blattgroß.
Verso mit dem Holzschnitt "Kopf Karl Butz - Oberpfleger Karl Butz" von 1917/18 bedruckt (Dube 323, Gercken 881).
Hierbei handelt es sich um eine Vorarbeit zu dem gleichnamigen Gemälde "Bogenschütze", welches sich heute im Kirchner Museum, Davos, befindet. (Gordon 994).
Mit einer Fotoexpertise von Dr. Wolfgang Henze, Ernst Ludwig Kirchner Archiv, Campione, vom 1. März 1993.
Die Arbeit ist im Ernst Ludwig Kirchner Archiv, Wichtrach/Bern, verzeichnet.

PROVENIENZ: Nachlass des Künstlers.
Frankfurter Kunstkabinett, Hanna Becker vom Rath, 1954, Kat.-Nr. 83.
Neumeisters Moderne, München 12. Auktion, November 1992, Kat.-Nr. 240.
Privatsammlung Norddeutschland.

LITERATUR: Will Grohmann, Kirchner Zeichnungen, Dresden 1925, Tafel 87.

Essay
Nachdem Kirchner in Davos langsam von seiner Narkotikasucht entwöhnt wird, wächst seine Begeisterung für die ihn umgebende bäuerliche Umwelt. Seinen Zeichnungen aus dem bäuerlichen Umfeld ist nun ein kräftiger, etwas kantiger Stil zu eigen, der in der Literatur mit "Bauernstil" umschrieben wird. Die Figuren sind gedrungen und in ihren Proportionen verkürzt, verglichen mit der oft übertriebenen Längung seiner Gestalten in den Arbeiten vor dem Ersten Weltkrieg. War es in der Zeit um 1911 der dekadent hysterisch-nervöse Großstadtmensch, der Kirchner inspirierte, sind es nun die urwüchsigen Kräfte des bäuerlichen Volkes. Er versteht es meisterhaft, seinen Stil den neuen Gegebenheiten anzupassen.
Die Jahre in Davos sollten Kirchner eine heilsame Beruhigung seiner Kräfte bringen, sie bewirken aber auch eine künstlerische Neuorientierung, die für sein späteres Schaffen richtungsweisend sein wird. Dass sie nicht frei von materieller Bedrängnis sind, dafür mag der rückseitige Holzschnitt ein Beleg sein. Die Wiederverwendung bereits bemalter Leinwände ist für Kirchner nicht ungewöhnlich. Im Œuvre-Katalog der Gemälde werden über 120 "paintings verso" aufgeführt. Nicht viel anders ist er mit Papierarbeiten umgegangen, wie unsere Zeichnung exemplarisch vorführt. Der Holzschnitt verso ist in seiner reliefartigen Ausprägung sicher ein Handdruck Kirchners. [KD]
710
Ernst Ludwig Kirchner
Bogenschütze, 1920.
Kreidezeichnung
Schätzung:
€ 20.000
Ergebnis:
€ 25.000

(inkl. 25% Käuferaufgeld)