Auktion: 450 / Contemporary Art am 10.06.2017 in München Lot 706

 
706
Markus Muntean & Adi Rosenblum
Untitled (Strange, the moments like that when everything seems to break free and just drift and anything might happen), 2002.
Acryl auf Leinwand
Schätzung:
€ 14.000
Ergebnis:
€ 12.500

(inkl. 25% Käuferaufgeld)
Objektbeschreibung
Untitled (Strange, the moments like that when everything seems to break free and just drift and anything might happen). 2002.
Acryl auf Leinwand.
Verso signiert und datiert. 199,4 x 250,2 cm (78,5 x 98,5 in).

PROVENIENZ: Interim Art, London.
Privatsammlung Nordrhein-Westfalen.

AUSSTELLUNG: Galleries Show, Royal Academy of Arts, London, September bis Oktober 2002.

Essay
Die seit 1992 als Kollektiv zusammenarbeitenden Künstler Markus Muntean und Adi Rosenblum gehören zu den erfolgreichsten Vertretern der zeitgenössischen Figuration. In ihren altmeisterlich gemalten Bildwelten thematisieren sie den Konflikt zwischen medial vermitteltem Jugendkult und der Ohnmacht im Angesicht einer zwischen Perspektivlosigkeit und den Verlockungen der Konsumgesellschaft oszillierenden Welt. Für ihre Bilder verwenden Muntean/Rosenblum Fundstücke aus Zeitschriften und Magazinen - kollektive Bilder einer konsumorientierten Jugendkultur, um Fragen der Identität und des Subjektes aufzuwerfen. Die betonte Lebenslust dieser collagenhaft zusammengesetzten Vorlagen wird durch den leeren Ausdruck der in der Blüte des Lebens stehenden Teenager konterkariert. Die pastellige Farbigkeit der Bilder weckt zunächst Erinnerungen an idyllische Jugendtage, erst bei genauerer Betrachtung fällt die eigentliche Tristesse der Szene ins Auge. Es gibt keine Ausgelassenheit, keine freundschaftliche Kommunikation zwischen den jungen Frauen. Jede präsentiert sich isoliert in einer überzogen wirkenden Pose, die an die Models aus Hochglanzmagazinen erinnert. "Strange, the moments like that when everything seems to break free and just drift and anything might happen” - kommentiert der comicartige aufgebrachte Untertitel auf weißem Grund, über dem das gemalte Bild als eine Art Gedankenblase schwebt. Die pseudotiefsinnige Aussage entlarvt dabei die tatsächliche Unfreiheit der Mädchen bei ihrer Identitätsfindung: Verkrampfte Mimesis anstelle natürlicher Individualität ist das Programm. Die in der Art von Comics eingebrachten Spruchelemente bilden ein typisches Element in den Werken des Künstlerkollektivs und werden aus Magazinen und philosophischen Texten zusammengesetzt: "Eines unserer Grundanliegen ist es tatsächlich, für das, was in uns in der Malerei interessiert, eine zeitgenössische Ausprägung zu finden. In diesem Sinn funktioniert auch die Textzeile und funktioniert der weiße Rahmen; sie sorgen für einen zeitgenössischen Kontext. Wir bieten in unseren Bildern emotionale Gesten an und setzen sie gleichzeitig in Klammern. Die Präsenz der Figuren soll nämlich nicht sofort wieder umkippen in einen Beweis dafür, dass es eine intakte Identität gäbe. So etwas wie Subjektivität mag durchaus existieren, aber wir wollen verhindern, dass man unsere Bilder für eine Eins-zu-eins-Umsetzung davon hält uns alles in einer flachen, platten Lesbarkeit versandet.“ (zit. nach: Kat. Zurück zur Figur. Malerei der Gegenwart, Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung, München 2.6-27.8.2006, S. 142). In ihrem Grundkonzept knüpfen Muntean/Rosenblum damit an die amerikanische Pop-Art der 1960er Jahre und insbesondere Roy Lichtenstein an, bei dem Bilder wie „M-Maybe“ (1965) ebenfalls mit den Merkmalen des populären Massenmediums Comic spielen. Neben der Kritik an Bürgermoral und Konsumgesellschaft geht es Muntean/Rosenblum aber vor allem auch um die Kritik an den hyperidealisierten Körperbildern der modernen Medien. Seit ihrem Zusammenschluss sind die Künstler in zahlreichen Gruppen- und Einzelausstellungen in international bedeutenden Galerien und Museen vertreten. Sie leben und arbeiten in Wien und London. [FS]
706
Markus Muntean & Adi Rosenblum
Untitled (Strange, the moments like that when everything seems to break free and just drift and anything might happen), 2002.
Acryl auf Leinwand
Schätzung:
€ 14.000
Ergebnis:
€ 12.500

(inkl. 25% Käuferaufgeld)