Auktion: 440 / Contemporary Art am 10.12.2016 in München Lot 678

 

678
Eberhard Havekost
Polizei, 2003.
Öl auf Leinwand
Schätzung:
€ 5.000
Ergebnis:
€ 6.250

(inkl. 25% Käuferaufgeld)
Polizei. 2003.
Öl auf Leinwand.
Verso signiert, datiert und betitelt. 60 x 49 cm (23,6 x 19,2 in).

PROVENIENZ: Galerie Gebr. Lehmann, Dresden (verso mit dem Galeriestempel auf dem Keilrahmen).
Jack Tilton Gallery, New York.
Privatsammlung New York.

Eberhard Havekost zählt zu den international gefragtesten deutschen Zeitgenossen und wird in einem Atemzug mit Daniel Richter, Jonathan Meese und Neo Rauch genannt. Havekosts Bilder basieren auf verschiedenen Bildmedien, meist Zeitungsfotos, Videos oder eigene Fotografien. Diese bearbeitet er mit Hilfe des Computers, um einen Blick hinter die fotografische Oberfläche der oft alltäglichen Motive - wie Pflanzen, Fahrzeuge, Fassaden und Behausungen - zu werfen, um diese auf der Leinwand schließlich neu zu formulieren. Dabei geht es nicht um eine hyperrealistische Abbildung der Objekte, wie etwa dem Fotorealismus der 1970er Jahre, sondern um die Durchdringung und Verfremdung der bestehenden Realität. Auch der Titel unseres Werks weist auf etwas sehr alltägliches hin: "Polizei“ (2003). Wobei nicht aufgelöst wird, ob es sich um das Porträt eines namenlosen Polizisten handelt oder vielleicht doch um ein Fahndungsfoto? Frontalaufnahme, Schlagschatten und starrer Blick sprechen für Letzteres. Die durch einen verwischenden breiten Pinselduktus nur verschwommen konturierten Gesichtszüge des Mannes geben seinem Gesicht etwas Undurchschaubares und Überindividuelles. Stellenweise schimmert der blaugraue Hintergrund durch das helle Inkarnat, das partienweise porzellanartig glänzt und das Antlitz des fremden Mannes als flackerndes Hologramm auf der Leinwand erscheinen lässt. Die spezifische malerische Behandlung der Oberfläche wird zum Signum der videastischen Verfassung des Bildes und seiner Manipulation. Das Stilmittel der Unschärfe erinnert an die bekannten verwischten Malereien Gerhard Richters, der bereits in den 1960er Jahren ausgehend von fotografischen Aufnahmen verschwommene Malereien wie "Ema“ (1966) inszenierte. Hier wie da klingt die Auseinandersetzung zwischen modernen und traditionellen Reproduktionsmedien, der digitalen und der klassischen Kunst an. Die Verwischung fasziniert, irritiert und verunsichert - und konfrontiert den Betrachter mit der Frage nach der Wirklichkeit des Wahrgenommenen sowie der Funktion von Kunst für unsere Wahrnehmung.
In seinen jüngeren Werken setzt Havekost die stark verfremdende Tendenz seiner Motive konsequent fort. Den Arbeiten Havekosts sind mehrere Kataloge und Ausstellungen gewidmet und seine Gemälde in zahlreichen internationalen Sammlungen in Paris, London, Amsterdam, Zürich, Wolfsburg und Luzern vertreten. Der Künstler lebt und arbeitet in Berlin. [FS]



678
Eberhard Havekost
Polizei, 2003.
Öl auf Leinwand
Schätzung:
€ 5.000
Ergebnis:
€ 6.250

(inkl. 25% Käuferaufgeld)