Auktion: 441 / Contemporary Art am 11.06.2016 in München Lot 803

 
803
Markus Schinwald
April, 2009.
Pastell
Schätzung:
€ 14.000
Ergebnis:
€ 23.750

(inkl. 25% Käuferaufgeld)
Objektbeschreibung
April. 2009.
Pastell und Öl auf Malpappe.
Auf der Rahmenabdeckung signiert und datiert. 64,5 x 45 cm (25,3 x 17,7 in).
[FS].

PROVENIENZ: Galerie Yvon Lambert, Paris
Privatsammlung, New York.

Essay
Markus Schinwald gehört zu den facettiertesten Künstlern der Gegenwartskunst. Im Mittelpunkt seines interdisziplinären Werks steht der menschliche Körper und dessen Transformation und Manipulation durch seine kulturelle Umgebung. Als kontinuierlicher Bestandteil in der Formung von Körpern und Körperbildern tritt auch seine Ausbildung im Bereich Mode und Kostüm immer wieder hervor. Markus Schinwald arbeitet mit verschiedenen Ausdrucksmedien, darunter Performance, Film, Malerei, Fotografie, Installation und Skulptur. In seinen Werken geht es grundsätzlich um die Darstellung kultureller Zwänge und Unfreiheiten, denen der menschliche Körper unterworfen ist und die damit einhergehenden Störungen und Verstörungen auf psychologischer Ebene. Vor allem Sigmund Freud und die Psychoanalyse sind ständige Bezugsgrößen im Schaffen des Künstlers. Aus diesem Gedankenkreis stammen die verfremdeten Porträts im Biedermeier-Stil, zu denen auch unser Werk "April" (2009) gehört. In diesen versieht Schinwald die Dargestellten in seinen übermalten Porträts aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert mit kuriosen Schlaufen, Drähten, Bandagen und Masken, die er als "Prothesen für unbestimmte Fälle" bezeichnet. In unserem Werk wird der zarte Rückenakt eines Mädchens durch merkwürdig verschnürte Bänder um Hals und Ohren zu einem Werk fetischhaft verfremdeter Unschuld umgedeutet. Eine erste Serie dieser malerischen Deformationen, die sowohl körperliche als auch seelische Einschränkungen zu markieren scheinen, stellt Schinwald 2003 in der Galerie Georg Kargl Fine Arts in Wien aus. Weitere Werkserien mit Versionen wie "Anina" (2006) folgen, die auch andere Medien, wie den im 19. Jahrhundert verbreiteten Stahlstich, imitieren. Schinwalds zwischen Grusel und Fetisch changierende Porträts spielen auch in seinem Konzept für den österreichischen Pavillon auf der 54. Venedig-Biennale eine zentrale Rolle, den der Künstler 2011 bespielt. Neben Porträts und Skulpturen, zeigt Schinwald hier auch der Film "Orient". Dessen Akteure führen künstlich wirkende, teils tänzerisch anmutende Bewegungen in von zerrütteter Architektur gezeichnete Umgebung aus und passen sich dabei abwechselnd ihrer Umgebung an, um dann wieder in unmöglichem Kontrast zu ihr zu stehen. Körperlich-seelischer Zwang und Unfreiheit werden hier nicht mehr allein im Medium der Malerei, sondern durch Raumsituationen und widernatürliche Bewegungen realer Körper thematisiert. Schon früh stellt Markus Schinwald in renommierten Galerien und Museen aus. Seine Werke sind heute in zahlreichen Sammlungen vertreten, so der Tate Modern in London, dem Musée d'Art Moderne in Paris, dem Kunsthaus Zürich und dem Museum moderner Kunst in Wien. Markus Schinwald lebt und arbeitet in Wien und Los Angeles.
803
Markus Schinwald
April, 2009.
Pastell
Schätzung:
€ 14.000
Ergebnis:
€ 23.750

(inkl. 25% Käuferaufgeld)