Auktion: 441 / Contemporary Art am 11.06.2016 in München Lot 810

 
810
Markus Schinwald
Untitled (Legs #33), 2012.
Holzskulptur
Schätzung:
€ 10.000
Ergebnis:
€ 11.250

(inkl. 25% Käuferaufgeld)
Objektbeschreibung
Untitled (Legs #33). 2012.
Holzskulptur aus Tischbeinen auf Sockel.
Ca. 73 x 77 x 62 cm (28,7 x 30,3 x 24,4 in).

PROVENIENZ: Gió Marconi Gallery, Mailand.
Privatsammlung Schweiz.

Essay
Markus Schinwald gehört zu den wohl facettenreichsten Künstlern der Gegenwartskunst. Im Mittelpunkt seines interdisziplinären Werks steht der menschliche Körper und dessen Transformation und Manipulation durch seine kulturelle Umgebung. Sein Studium absolviert Markus Schinwald an der Hochschule für Gestaltung in Linz sowie an der Humboldt-Universität in Berlin. Als kontinuierlicher Bestandteil in der Formung von Körpern und Körperbildern tritt auch seine Ausbildung im Bereich Mode und Kostüm immer wieder hervor. Markus Schinwald arbeitet mit verschiedenen Ausdrucksmedien, darunter Performance, Film, Malerei, Fotografie, Installation und Skulptur. In seinen Werken geht es grundsätzlich um die Darstellung kultureller Zwänge und Unfreiheiten, denen der menschliche Körper unterworfen ist und die damit einhergehenden Störungen und Verstörungen auf psychologischer Ebene. Vor allem Sigmund Freud und die Psychoanalyse sind ständige Bezugsgrößen im Schaffen des Künstlers. So auch bei seinem Konzept für den österreichischen Pavillon auf der 54. Biennale von Venedig, den Schinwald 2011 bespielt. Gezeigt werden hier unter anderem Schinwalds mit kuriosen Schlaufen, Drähten und Bandagen verfremdete Porträts im Biedermeier-Stil. Diese "Prothesen für unbestimmte Fälle", wie sie der Künstler selbst nennt, weisen Bezüge zum Fetisch auf und erscheinen als Schaubilder körperlicher und seelischer Einschränkungen. Aus einem ähnlichen Gedankenkreis stammt auch die Serie der aus verschnörkelten Tischbeinen im Chippendale-Stil zusammengesetzten Holzskulpturen, zu der unsere Skulptur "Legs #33" (2012) gehört. Chippendale selbst wurde für seine Möbelentwürfe inspiriert von Hinterläufen von Tieren. Durch die Kopplung von Lebendigem und Dinghaften und nicht zuletzt auch durch den Titel erscheint die Skulptur Schinwalds damit als fragmentierter, verfremdeter Körper. Dieser wirkt in seinen Möglichkeiten zunächst stark eingeschränkt, gleichzeitig wohnt seiner amorphen Erscheinung, der geschlossenen und offenen Form der Teile aber auch eine unvorhersehbare, beunruhigende Bewegungsqualität inne. Metamorphose und Disfunktionalität, Bewegung und Starre spielen in allen Werken Markus Schinwalds gleichermaßen eine Rolle. Während in den Filmen und Bildern des Künstlers lebendige Körper zu dinghaften Objekten verfremdet werden, erscheinen die Holzskulpturen hingegen als multifunktionale, verlebendigte Körper. Schon früh stellt Markus Schinwald in renommierten Galerien und Museen aus. Seine Werke sind heute in zahlreichen Sammlungen vertreten, so der Tate Modern in London, dem Musée d'Art Moderne in Paris, dem Kunsthaus Zürich und dem Museum moderner Kunst in Wien. Markus Schinwald lebt und arbeitet in Wien und Los Angeles.
810
Markus Schinwald
Untitled (Legs #33), 2012.
Holzskulptur
Schätzung:
€ 10.000
Ergebnis:
€ 11.250

(inkl. 25% Käuferaufgeld)