Auktion: 441 / Contemporary Art am 11.06.2016 in München Lot 808

 
808
Eberhard Havekost
Gras, 2002.
Öl auf Leinwand
Schätzung:
€ 30.000
Ergebnis:
€ 45.000

(inkl. 25% Käuferaufgeld)
Objektbeschreibung
Gras. 2002.
Öl auf Leinwand.
Verso signiert, datiert und betitelt. 180 x 135 cm (70,8 x 53,1 in).
[EL].

PROVENIENZ: Galerie Gebr. Lehmann, Dresden (auf dem Keilrahmen mit Stempel).

Essay
Eberhard Havekost zählt zu den international gefragtesten deutschen Zeitgenossen und wird in einem Atemzug mit Daniel Richter, Jonathan Meese und Neo Rauch genannt. Havekosts Bilder basieren auf verschiedenen Bildmedien, meist Zeitungsfotos, Videos oder eigenen Fotografien. Diese bearbeitet er mit Hilfe des Computers, um einen Blick hinter die fotografische Oberfläche der meist alltäglichen Motive, wie Pflanzen, Fahrzeuge, Fassaden und Behausungen, zu werfen, um diese auf der Leinwand schließlich neu zu formulieren. Es geht dabei nicht um eine hyperrealistische Abbildung der Objekte, wie etwa dem Fotorealismus der 1970er Jahre, sondern um die Durchdringung und Verfremdung der bestehenden Realität. So nimmt man das vorliegende Werk "Gras" zunächst als geometrisch abstrahierte, geschlossene Oberfläche in matter grau-blauer bis rötlicher Farbigkeit wahr. Erst im zweiten Moment, dem Moment des Assoziierens und Erkennens, gelingt die Kontextualisierung des Ausschnittes. Keine Nahaufnahme einer frischen Wiese ist zu sehen, wie der Titel vermuten ließe, sondern nur wenige vertrocknete Halme liegen verstreut über einigen, diagonal ins Bild gesetzten Blech- oder Eisenstreifen. Das Gras erscheint damit nicht als Gegenstand, sondern als Programm des Bildes: Es ist über das eigentlich auf Dauerhaftigkeit angelegte Material Metall gewachsen. Durch die verzerrte Perspektive und verfremdeten Proportionen des Bildausschnittes, der monumental auf die Leinwand aufgebracht ist, wird dem Betrachter eine rätselhafte Welt voller Interpretationsfreiraum eröffnet. Noch radikaler verfolgt Havekost diesen Ansatz auch in seinen jüngeren Arbeiten. Im Jahr 2010 widmet ihm die Schirn Kunsthalle in Frankfurt eine Einzelausstellung unter dem Titel "Retina", Netzhaut, welche eine neue Werkphase des Künstlers dokumentiert. Die jüngeren Bilder Havekosts scheinen sich nun gänzlich dem Gegenständlichen zu entziehen und die Bildoberfläche in eine eigenständige Farb- und Formenmatrix zu verwandeln. Das bereits in Werken wie "Gras" anklingende starke Heranzoomen an das Objekt und dessen Verwandlung in eine abstrakte, durch das Auge abtastbare Oberfläche, ist in Werken wie "Retina 6" (2009) auf die Spitze getrieben. Den Arbeiten Havekosts sind mehrere Kataloge und Ausstellungen gewidmet und seine Gemälde in zahlreichen internationalen Sammlungen in Paris, London, Amsterdam, Zürich, Wolfsburg und Luzern vertreten. Der Künstler lebt und arbeitet in Berlin.
808
Eberhard Havekost
Gras, 2002.
Öl auf Leinwand
Schätzung:
€ 30.000
Ergebnis:
€ 45.000

(inkl. 25% Käuferaufgeld)