Auktion: 428 / Klassische Moderne am 03./05.12.2015 in München Lot 218

 
218
Marianne von Werefkin
Weihnachtsbaum, 1911.
Tempera
Schätzung:
€ 30.000
Ergebnis:
€ 62.500

(inkl. 25% Käuferaufgeld)
Objektbeschreibung
Weihnachtsbaum. 1911.
Tempera und Aquarell über Bleistift.
Auf Velin, auf Karton aufgezogen. 30 x 42,3 cm (11,8 x 16,6 in). Unterlagekarton: 35 x 46,5 cm (13,7 x 18,3 in).
Der dargestellte Raum befindet sich im Gouverneurspalast in Kownow in Litauen, wo Werefkins Bruder Peter als Gouverneur tätig war. Die Künstlerin reiste im Dezember 1909 dorthin, um mit ihrem Bruder Weihnachten zu verbringen und blieb krankheitsbedingt bis Ostern 1910.

Mit einer schriftlichen Expertise von Dr. Bernd Fäthke.

PROVENIENZ: Nachlass Marianne von Werefkin.
Nikolaus Daragan (Verwandter mütterlicherseits der Künstlerin).
Privatsammlung.

AUSSTELLUNG: Mariannne Werefkin e amici, Museo comunale d'arte moderna, Ascona, 6.8.-23.10.1988, Nr. 59 (verso mit dem Etikett)/ Museum Villa Stuck 18.11.1988 -15.1.1989.
Marianne von Werefkin in Murnau. Kunst und Theorie. Vorbilder und Künstlerfreunde, Murnau 2002 (nicht im Aust.-Kat.)
Marianne Werefkin: Vom Blauen Reiter zum Großen Bären, Städtische Galerie Bietigheim-Bissingen 12.4.-6.7.2014/Paula Modersohn-Becker Museum, Bremen, 20.7.-6.10.2014, Kat.-Nr. 49.

LITERATUR: Bernd Fäthke, Marianne von Werefkin. Leben und Werk, München 1988, Tafel 59.



Essay
Die Bedeutung der Werke von Marianne von Werefkin ist lange unterschätzt worden. Als treibende Kraft in der Gründung der "Neuen Künstlervereinung München" ist sie vor allem als fürsorgliche Förderin des Talents von Jawlensky bekannt geworden. Ihren eigenen Stil, den sie nach ihrer Übersiedelung nach München entwickelte, fand sie souverän für sich. Das Malerische ihrer Anfangsjahre tritt in den Hintergrund und eine neue, vom zeichnerischen Duktus geprägte Malweise bestimmt ihr Schaffen. Anklänge an Arbeiten von Bonnard sind darin zu finden wie auch Zitate des Expressionismus und eines Symbolismus. Die fast naive Sehweise, in der Werefkin ihre Akteure schildert, ist fester Bestandteil einer künstlerischen Aussage, die mehr sein wollte als nur erzählerische Festlegung gesehener Motive. Vielfigurige Szenen wechseln sich mit fast gespenstisch anmutenden Landschaften ab, deren visuelle Wirkung sowohl durch die Exotik der Komposition als auch durch die ungewöhnlich stringente Wahl der Farbwerte entsteht. Marianne von Werefkin hat mit ihren Werken eine eigene Welt geschaffen, die sich markant vor der ihrer Zeitgenossen abhebt.
218
Marianne von Werefkin
Weihnachtsbaum, 1911.
Tempera
Schätzung:
€ 30.000
Ergebnis:
€ 62.500

(inkl. 25% Käuferaufgeld)