Auktion: 428 / Klassische Moderne am 03./05.12.2015 in München Lot 203

 
203
Gabriele Münter
Häuser in Murnau, Wohl 1908.
Öl auf Malpappe
Schätzung:
€ 80.000
Ergebnis:
€ 112.500

(inkl. 25% Käuferaufgeld)
Objektbeschreibung
Häuser in Murnau. Wohl 1908.
Öl auf Malpappe.
Verso mit dem Nachlassstempel. Verso teils schwer leserlich bezeichnet "Murnau 08.II (..)" und handschriftlich datiert "1908", bezeichnet "L 119" sowie "L 219". Sowie mit einem Etikett mit der gestempelten Nummer "739". 33 x 40,8 cm (12,9 x 16 in).

Mit einer schriftlichen Bestätigung der Gabriele Münter- und Johannes Eichner-Stiftung vom 12. November 2015. Das Gemälde wird in das Werkverzeichnis der Gemälde von Gabriele Münter aufgenommen.

PROVENIENZ: Galerie Gunzenhauser, München (beiliegend mit einem Etikett und einer Fotobestätigung vom 27. Juli 1977).
Privatsammlung Deutschland.

LITERATUR: Galerie Gunzenhauser, München, Bestandskatalog o. J., S. 49 m. Farbabb.

Essay
Es war sowohl für Akademien und Malschulen als auch für die Künstler allgemein Tradition, von München aus ins Voralpenland zum Malen zu ziehen. Münter und Kandinsky hielten sich das erste Mal vom 15. August bis zum 30. September 1908 in Murnau auf. Auch Marianne von Werefkin und Alexej von Jawlensky stoßen im Sommer das Jahres zu ihnen, um in der Umgebung zu malen. Der Flecken Murnau sollte für Münter für Jahrzehnte zur Heimat und einem ihrer wichtigsten Motive werden. Münter stellt die Murnauer Häuser in starker Abstraktion und auf die Grundform ihrer Architektur reduziert dar. Im Gegensatz zu dieser Reduktion steht jedoch die Wahl strahlender und kontrastreicher Farben für die Flächen. Ein kräftiges Rosa konkurriert mit intensivem Grün, Hellblau steht neben Rotbraun und Krapplackrot, hinterfangen von einem gelb leuchtenden Himmel. Die liebliche Voralpenlandschaft inspiriert Kandinsky ebenso wie seine Lebensgefährtin, beide versuchen, Seelenerlebnisse in künstlerische Form zu fassen. Münter formulierte in ihrem Erinnerungsbuch, wenn sie über ihre erste Murnauer Zeit schreibt: „Ich habe da nach kurzer Zeit der Qual einen großen Sprung gemacht – vom Naturabmalen – mehr oder weniger impressionistisch – zum Fühlen eines Inhaltes – zum Abstrahieren – zum Geben eines Extrakts“ (zit. nach: Gudrun Schury, Ich Weltkind, Gabriele Münter: Biographie, Berlin 2012, S. 94).
203
Gabriele Münter
Häuser in Murnau, Wohl 1908.
Öl auf Malpappe
Schätzung:
€ 80.000
Ergebnis:
€ 112.500

(inkl. 25% Käuferaufgeld)