Auktion: 428 / Klassische Moderne am 03./05.12.2015 in München Lot 242

 
242
Ernst Ludwig Kirchner
Der Hirte, 1928/29.
Teppich
Schätzung:
€ 15.000
Ergebnis:
€ 33.750

(inkl. 25% Käuferaufgeld)
Objektbeschreibung
Der Hirte. 1928/29.
Wand -Teppich. Verzahnte Wirkerei mit Leinenkette und farbigem Wollschuss.
Kornfeld 18, Dürst-Kornfeld 13. Unten mittig monogrammiert. Eines von wenigen Exemplaren außerhalb der 10 im WVZ genannten. 166,5 x 93,5 cm (65,5 x 36,8 in).
Wohl ein Exemplar der neuen Fassung nach 1952, ausgeführt von Lise Gujer. Nach einem Entwurf von Ernst Ludwig Kirchner von 1928/29. Erhalten ist Kirchners Entwurfszeichnung des oberen Teils der Komposition (Kopf und zwei Ziegen), ausgeführt in Tuschpinsel und schwarzer Kreide, sowie versehen mit Farbbeschriftungen von Lise Gujer und eingezogenen Wollfäden für die Farbgebung.
Eine der auf dem Auktionsmarkt sehr seltenen Wirkereien von Lise Gujer.

PROVENIENZ: Privatsammlung Hildegard Auer, Oberpfalz (direkt bei Lise Gujer erworben).

AUSSTELLUNG: (wohl jeweils anderes Exemplar) Webereien von Lise Gujer nach Entwürfen von E. L. Kirchner, Galerie Otto Stangl, München, 1953, Kat.-Nr 6 (mit Abb.).
Ernst Ludwig Kirchner, Nationalgalerie, Berlin/Haus der Kunst, München/Museum Ludwig, Köln u.a., 1979/80, Kat.-Nr. 377 (mit Abb.).
Bildteppiche von Ernst Ludwig Kirchner und Lise Gujer: Unbekannte Entwürfe und Vorlagen, Bündner Kunstmuseum, Chur, 7.2.-22.3.2009, Kat.-Nr.14 (mit Abb.).

LITERATUR: Alfred Hentzen, Kunsthandwerkliche Arbeiten der deutschen Expressionisten und ihrer Nachfolger; in: Festschrift für Erich Meyer zum 60. Geburtstag, 29. Oktober 1957, S. 318f. (mit Abb., wohl anderes Exemplar).
Irmgard Woldering, Meisterwerke des Kestner-Museum zu Hannover, Honnef Rhein 1961.
Reinhold Heller, Hildegard Auer. Ein Verlangen nach Kunst, Stuttgart u.a. 1987, S. 39 (dieses Exemplar).
Eberhard W. Kornfeld, Textilarbeiten nach Entwürfen von E. L. Kirchner der Davoser Jahre: I. Wirkereien von Lise Gujer, Bern 1999, S. 11.

Essay
Lise Gujer lebt zu dieser Zeit in Clavadel, der Zufall bringt sie zur Kunst des Webens. Sie findet in dem von ihr bewohnten Haus einen alten Bauernwebstuhl und beginnt daran zu arbeiten. Im selben Jahr erwächst der Kontakt zu E.L.Kirchner, und erste Webarbeiten entstehen nach seinen Entwürfen. Auch zum vorliegenden Teppich "Der Hirte" existiert eine Entwurfszeichnung mit Farbmuster-Wollfäden. Im Photoarchiv des Kirchner Museums in Davos befindet sich sogar noch ein Foto, das den erstmals 1929 fertiggestellten Wandbehang (anderes Exemplar) aufgehängt am Stall neben dem Wildbodenhaus zeigt. Die kongeniale Lise Gujer hat bis zu Kirchners Tod seine Teppichentwürfe verwirklicht.
242
Ernst Ludwig Kirchner
Der Hirte, 1928/29.
Teppich
Schätzung:
€ 15.000
Ergebnis:
€ 33.750

(inkl. 25% Käuferaufgeld)