Auktion: 415 / Klassische Moderne am 06.06.2014 in München Lot 355

 
355
Otto Dix
Im Schützengraben, Um 1917.
Kohlezeichnung
Schätzung:
€ 20.000
Ergebnis:
€ 30.000

(inkl. 25% Käuferaufgeld)
Objektbeschreibung
Im Schützengraben. Um 1917.
Kohlezeichnung.
Lorenz WK 6.4.5. Rechts unten signiert, verso bezeichnet. Auf Velin. 40,3 x 38,7 cm (15,8 x 15,2 in), blattgroß.

PROVENIENZ: Sammlung Gustav Stein, Köln.
Privatsammlung Süddeutschland.

Der am 2. Dezember 1891 geborene Otto Dix wächst mit drei jüngeren Geschwistern in einer sozialdemokratisch gesinnten Familie am Rande der Residenzstadt Gera auf. Nach einer Lehre als Dekorationsmaler und dem anschließenden Besuch der Kunstgewerbeschule in Dresden wird Dix' Ausbildung durch den Krieg unterbrochen.

Dix erlebt als Soldat den Ersten Weltkrieg hautnah an den Fronten in Frankreich, Flandern und Russland und wird wiederholt verwundet. "Dix muss den Krieg erlebt haben wie einen Traum, aber mit den überwachen Augen des Zeichners und Malers. Über 600 Zeichnungen entstehen in seinen drei Kriegsjahren [..]. Stoß um Stoß schickt er nach Hause an eine Freundin in Dresden, die alles für ihn aufbewahrt. [..] Dix sieht im Krieg nicht bloß eine Auswirkung der vom Menschen selbst geschaffenen Technik, sondern er erlebt ihn als brutalen, gefühllosen Naturausbruch jenseits von Gut und Böse: als Sturmflut und Taifun, als Erschütterung, unter der die Erde in ihren Grundfesten erbebt. Er erlebt in apokalyptisch oder eschatologisch [..], d.h. als Letztes und Äußerstes, als Weltuntergangsstimmung, als Un- und Übermenschliches, als etwas, was dem Menschen längst entglitten ist. Der Mensch kann sich vor dieser Gewalt nur noch ducken: er kann sie nur erleiden. Doch was für ein pandämonisches Drama entfaltet sie vor seinen erschreckten und staunenden Augen!" (Otto Conzelmann, Otto Dix. Handzeichnungen, Hannover 1968, S. 17f.).

Nach Kriegsende beginnt er ein Studium an der Dresdner Kunstakademie und wird zum Mitbegründer und Mittelpunkt der "Dresdner Sezession - Gruppe 1919". Im Herbst 1922 siedelt Otto Dix nach Düsseldorf über und wird an der Kunstakademie Meisterschüler von Heinrich Nauen und Wilhem Herberholz. Neben den Schrecken des Krieges, den Themen von Kampf, Tod, Verwundung und Vergänglichkeit Die Kriegserlebnisse werden für Dix Auslöser für seine beißend-kritischen Bilder wie u.a. "Der Schützengraben"(1923), welches neben zwei weiteren Gemälden einen Kunstskandal auslöst und den frühen Radier-Zyklus "Der Krieg". Nach expressionistischen und dadaistischen Anfängen wendet sich Dix der Neuen Sachlichkeit zu, er siedelt im November 1925 nach Berlin über und avanciert zum profiliertesten Porträtmaler der Berliner Bohème und der intellektuellen Gesellschaft der Weimarer Republik. 1927 erhält er eine Professur an der Dresdner Akademie, aus der er 1933 entlassen wird und als "unerwünschter Künstler" schließlich Ausstellungsverbot erhält. Dix siedelt daraufhin nach Randegg bei Singen, drei Jahre später nach Hemmenhofen am Bodensee um. 1945 wird der Künstler zum "Volkssturm" eingezogen und gerät in Colmar in französische Gefangenschaft. Dix' Reisen nach Südfrankreich, Italien und Griechenland werden 1962 um einen Studienaufenthalt an der Villa Massimo in Rom und zwei Jahre später um die Ehrenmitgliedschaft an der Florentiner Accademia degli Arti del Disegno bereichert. Ab 1950 kommt es innerhalb seines Spätwerkes zu einer thematisch-stilistischen Wende, die von der urbanen Kultur zum Bukolischen, vom Polemisch-Realistischen ins Heiter-Expressive führt. Dix' Interesse gilt weiterhin dem Porträt, daneben spielen religöse Themen und die Landschaftsmalerei eine dominierende Rolle. Otto Dix gehört zu den bedeutendsten Künstlern des 20. Jahrhunderts in Deutschland. Sein Werk spiegelt in seiner Wandlungsfähigkeit die Zäsuren des Jahrhunderts wider, allerdings ohne je die Abstraktion mitzumachen, die Otto Dix bis ins hohe Alter abgelehnt hat.

355
Otto Dix
Im Schützengraben, Um 1917.
Kohlezeichnung
Schätzung:
€ 20.000
Ergebnis:
€ 30.000

(inkl. 25% Käuferaufgeld)