Auktion: 415 / Klassische Moderne am 06.06.2014 in München Lot 203

 
203
Oskar Schlemmer
Zwiegespräch (Anklage), Um 1924/25.
Aquarell
Schätzung:
€ 35.000
Ergebnis:
€ 48.800

(inkl. 22% Käuferaufgeld)
Objektbeschreibung
Zwiegespräch (Anklage). Um 1924/25.
Aquarell und Bleistift.
Von Maur A 167. Rechts unten mit dem Nachlassstempel von Carl Schlemmer, dort bezeichnet "W 39". Handschriftlich datiert "1923". Auf Pergamin, Oberkante mit Perforierung, punktuell fest auf Untersatzblatt montiert, punktuell auf Karton montiert. 14 x 22 cm (5,5 x 8,6 in), Blattgröße. Unterlagekarton: 24,8 x 30,8 cm (9,7 x 12,1 in).
[JS].
Die aquarellierten Figurenkompositionen der 1920/30er Jahre gehören zu den gefragtesten Arbeiten des Künstlers auf dem internationalen Auktionsmarkt.
Diese Losnummer kann entgegen der im Katalog genannten Regelbesteuerung auch differenzbesteuert + Weiterberechnung der verauslagten 7% Einfuhrumsatzsteuer abgerechnet werden (Ersparnis von etwa 5% im Vergleich zur Regelbesteuerung)
.

PROVENIENZ: Privatsammlung Turin.
Patrick Derom Gallery, Brüssel/New York.
Galerie Renée Ziegler, Zürich.
Rachel Adler Fine Art, New York.
Privatsammlung (2005 vom Vorgenannten erworben).

AUSSTELLUNG: Oskar Schlemmer. Handzeichnungen - Aquarelle, Kestner-Gesellschaft Hannover 24.2.-27.3.1960/Städtische Kunsthalle Mannheim 9.4.-8.5.1960/Badischer Kunstverein Karlsruhe 18.10.-13.11.1960/Museum am Ostwall, Dortmund 27.11.-26.12.1960/Kunsthalle Kiel, Schleswig-Holsteinischer Kunstverein 19.2.-26.3.1961 u.a., Nr. 20.
Oskar Schlemmer, Akademie der Künste, Berlin 22.9.-27.10.1963, Nr.103.
Oskar Schlemmer. Suites Nr. 6, Galerie Krugier, Genf, April/Mai 1964, Nr. 38.

LITERATUR: Hans Hildebrandt (Hrsg.), Oskar Schlemmer, München 1952, Nr. 499.
Art International, Bd. VIII, Heft 5-6, Sommer 1964, Abb. S. 87.

Oskar Schlemmer studiert in den Jahren 1905 bis 1909 an der Kunstgewerbeschule sowie an der Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart, ab 1912 als Meisterschüler von Adolf Hölzel. 1919 stellt er in der Galerie "Der Sturm" in Berlin aus und wird 1920 von Gropius als Leiter der Bildhauerei-Abteilung und Bühnenwerkstatt an das Bauhaus in Weimar berufen. 1922 macht er durch die Uraufführung seines "Triadischen Balletts" in Stuttgart international auf sich aufmerksam. Die Arbeit am Bauhaus und die Beschäftigung mit dem Theater gewinnen große Bedeutung für seine Kunst, die sich hauptsächlich mit dem Problem der Figur im Raum auseinandersetzt.

Im November 1924 hält Oskar Schlemmer in einem Brief an den Kunsthistoriker und Förderer der modernen Kunst, Hans Hildebrandt, seine Kunstauffassung wie folgt fest: ">> Abstrakte<< Gestalten, der Körperlichkeit ganz entkleidet und nur Hieroglyphen; rätselhafte Zeichen, Felsenmalerei, Lapidarstil, sind so betrachtet der Eine Pol . Der andere wäre die Bettung der Gestalt in Raum, Ton, Valeur. Ziel: Die glückliche Verbindung von Natur und Abstraktion, die - noch immer - der Gradmesser vollendeter Kunst zu sein scheint." (zit. nach: von Maur, Bd. I, S. 338). In Schlemmers späten Jahren am Weimarer Bauhaus entsteht neben den bedeutenden "Galeriebildern" auch "ein umfangreiches Aquarellwerk, in das die schönsten Bildfindungen, die vielfach nie bis zur Gemäldeausführung gelangten, eingegangen sind." (von Maur, Bd. I, S. 164). In der Stuttgarter Zeit hatte Schlemmer das Aquarell nur selten verwendet und sich für die Ausarbeitung einer neuen Formsprache zunächst ganz auf die Tuschfederzeichnung konzentriert. Durch die Rückkehr zu einer stärkeren Farbgebung in der Malerei der Bauhauszeit aber gewinnen nun auch farbige Papierarbeiten für Schlemmer an Bedeutung und sind nicht selten die einzigen Originale, die von heute verschollenen Gemälden zeugen. Gleichzeitig aber gelten sie als eindrucksvolle Belege einer experimentellen Eigengesetzlichkeit, die sich in der vorliegenden Szene in einer innovativen Verschränkung von Raum und Figur sowie von Abstraktion und Gegenständlichkeit äußert.

In den Jahren 1928 bis 1930 arbeitet Schlemmer an einem Auftrag für neun Wandbilder zur Ausgestaltung eines Raumes im Folkwang Museum, Essen. Nach dem Rücktritt Gropius' 1929 verlässt Schlemmer ebenfalls das Bauhaus und folgt noch im gleichen Jahr einem Ruf an die Breslauer Akademie. Oskar Schlemmer gehört zu den vielseitigsten Künstlern des 20. Jahrhunderts. Seine übergreifenden Tätigkeiten als Wandgestalter, Plastiker, Zeichner und Maler zeigen, dass er sich Zeit seines Lebens um ein Gesamtkunstwerk bemüht hat.

203
Oskar Schlemmer
Zwiegespräch (Anklage), Um 1924/25.
Aquarell
Schätzung:
€ 35.000
Ergebnis:
€ 48.800

(inkl. 22% Käuferaufgeld)